voci dal profondo (lucio fulci, italien 1991)

Veröffentlicht: Dezember 6, 2015 in Film
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Unbenannt.PNGEs scheint trivial zu behaupten, dass sich ein Horrorfilm-Regisseur besonders für den Tod interessiert habe. Aber im Falle Fulcis ist schon sehr auffällig, wie oft er sich in der Spätphase seines Schaffens mit dem Tod und dem Leben danach auseinandergesetzt hat. Schon in LA CASA DOLCE DEGLI ORRORI spielen zwei Geister eine wichtige Rolle, die nicht anders können, als sich in das Leben ihrer beiden Kinder einzumischen. In LE PORTE DEL SILENZIO weigert sich der Protagonist zu begreifen, dass er eigentlich schon tot ist oder zumindest zum Abruf bereitsteht. Und in VOCI DAL PROFONDO ruft ein unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommener Mann seine Tochter aus dem Jenseits, um sie zu bitten, die Umstände seines Todes aufzuklären, damit er in Frieden ruhen kann. Wenn man weiß, dass es mit Fulcis Gesundheit seit seiner in den frühen Achtzigern zugezogenen Hepatitis-Infektion rapide bergab ging, der Verfall der einst florierenden Karriere ihn auch seelisch mitnahm, kann man kaum anders, als diese Filme als Vorbereitung des Regisseurs auf sein eigenes Ende zu begreifen.

VOCI DAL PROFONDO ist wieder deutlich aufwändiger und professioneller produziert, zudem sorgfältiger inszeniert als etwa seine Fernsehproduktionen, aber trotz einiger nostalgisch stimmender Ausflüge in die Fantastik und die Fulci-Bildwelten der Vergangenheit – im mit Spinnenweben behangenen Inneren des Sarges, in dem der um Hilfe rufende Tote langsam von Maden gefressen wird, wohnt auch eine süße kleine Plastikspinne, sitzt freundlich neben den Verblichenen auf dem Kopfkissen – ein doch ein eher kleiner Film. Geprägt wird er einmal mehr von Fulcis eher wenig optimistischen Menschenbild und seinem verschrobenen Humor. Er spielt fast ausschließlich im herrschaftlichen Hause der wohlhabenden Familie Mainardi, deren Mitglieder aber hoffnungslos zerstritten sind. Der Vater (Paolo Paoloni) sitzt stumm, gelähmt und hilflos im Rollstuhl, sein Sohn Giorgio (Duilio del Prete) hatte alle Hände voll damit zu tun, das Familienvermögen vor Stiefmutter Hilde (Frances Nacman), ihrem Sohn Mario (Pascal Persiano) und der eigenen Gattin Lucia (Bettina Giovannini) zu schützen. Seine Tochter Rosy (Karina Huff) hatte schon vor Jahren die Flucht angetreten, kommt nun zurück und kann nicht glauben, dass beim Tode des Vaters nicht einer aus der eigenen Sippe die Finger im Spiel hatte. Tatsächlich wird da intrigiert dass sich die Balken biegen, werden am laufenden Band verbale Giftpfeile und hasserfüllte Blicke abgeschossen – und Eiswürfel mit pulverisiertem Glas gestreckt. Fulci zeichnet dieses Schlangennest schon fast mit diabolischer Freude – findet in der Gestaltung der harmonischen, die Grenze zum Jenseits überschreitenden Vater-Tochter-Beziehung aber auch ein Gegengewicht, das die Grundlage für ein versöhnliches Happy End bildet und wie eine einsame Oase der Liebe inmitten einer Wüstenei der Niedertracht anmutet. Ein rührender Film, dessen größte Qualität seine geradezu unverstellte, kindliche Naivität ist.

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