the blue eagle (john ford, usa 1926)

Veröffentlicht: Dezember 7, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

050919794b35066dc33840e8c8f6757cDie verbliebene Kopie von THE BLUE EAGLE ist in keinem guten Zustand: Sie zeigt streckenweise Wasserflecken, ist kontrastarm und verschmutzt. Ein Reel fehlt ganz, Texttafeln wurden zum Teil von der Library of Congress ergänzt. Den somit nur 56 Minuten langen Film angemessen zu beurteilen, ist demnach nicht ganz einfach, dennoch würde ich ihn, wie auch den zuletzt besprochenen THE SHAMROCK HANDICAP, als eher kleines Werk des Meisters bezeichnen. Interessant ist er natürlich trotzdem, weil er inhaltlich viele Motive vorwegnimmt, die das amerikanische Kino – und der „Männerfilm“ generell – bis heute verwendet.

THE BLUE EAGLE beginnt auf einem Kriegsschiff der US Navy: Dort verrichten die Matrosen George Darcy (George O’Brien) und Big Tim Ryan (William Russell) ihren Dienst. Sie sind Rivalen, weil sie dasselbe Mädchen lieben, die hübsche Rose (Janet Gaynor), geraten beim Kohleschaufeln mit gut geölten, muskulösen Oberkörpern aneinander und können gerade noch vom Kapitän Regan (Robert Edeson) getrennt werden, im Zivilleben Pfarrer im gemeinsamen Heimatort, einem kleinen Küstenstädtchen. Als die Männer nach dem Krieg dorthin zurückkehren, stellen sie fest, dass sich einiges verändert hat: Drogen fluten die Straßen, auch Georges Bruder Limpy (Philip Ford) ist in die schmutzigen Geschäfte involviert. Gleichzeitig buhlen George und Tim weiter um die Gunst von Rose, bis Pfarrer Regan sie dazu überreden kann, mit ihm gemeinsam gegen die Drogendealer vorzugehen. Das U-Boot, mit dem die Drogen transportiert werden, wird in die Luft gejagt, die Verbrecher in die Flucht geschlagen. George und Tim steigen in einen Boxring, um ihren Konflikt sportlich beizulegen. George triumphiert und kann Rose in seine Arme schließen. Pfarrer Regan stellt Tim hingegen der Witwe Mary (Margaret Livingston) vor, deren Gatte bei einem Angriff auf das Kriegsschiff ums Leben gekommen war, und vertraut den beiden ein kleines Waisenkind an, dessen Eltern den Drogen zum Opfer gefallen waren. Ende.

THE BLUE EAGLE inkorporiert, wie man anhand dieser kurzen Zusammenfassung entnehmen kann, Elemente des Buddy-Films, der romantischen Komödie, des Heimkehrerdramas und des Selbstjustizfilms wechselt absolut nahtlos zwischen komischen und dramatischen Szenen und nähert sich stellenweise dem modernen Actionfilm an. Mit geringen Mitteln erweckt Ford den kleinen Ort, in dem die Handlung angesiedelt ist, zu pulsierendem Leben und knüpft thematisch an sein großes Thema an: Heimat, was sie uns bedeutet, was wir tun, um sie zu bewahren. Wunderschon der nächtliche Blick über den Kanal auf die an der anderen Seite liegenden (Pappkulissen-)Häuser, in deren Fenstern kleine Lichter von Leben künden. Die Vision von Amerika in a nutshell.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s