dumb and dumber (peter & bobby farrelly, usa 1994)

Veröffentlicht: Dezember 8, 2015 in Film
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1994-dumb-and-dumber-poster1Mehr als 20 Jahre ist’s her, da saß ich mit einem guten Freund im Kino und lachte Tränen über diesen Film. Vor allem folgende Szene hatte es mir angetan: Nachdem die beiden Trottel Lloyd Christmas (Jim Carrey) und Harry Dunne (Jeff Daniels) mal wieder ihre Jobs verloren haben und deshalb enorm klamm sind, mahnt Harry seinen Kumpel vor dem folgenden Einkauf, nur das Nötigste zu kaufen und keinesfalls Geld für irgendwelchen Unsinn rauszuschmeißen. Lloyd ist fast beleidigt ob des Misstrauens, versichert, diszipliniert zu sein. Und dann sieht man ihn nach dem Schnitt mit einem riesigen Schaumgummi-Cowboyhut, einem Ping-Pong-Schläger, an dem der Ball über ein Gummiband festgebunden ist, und einer Tüte voller Windräder. DUMB AND DUMBER war das supererfolgreiche Debüt der Farrellys, die das Genre der Hollywood-Komödie in den folgenden Jahren maßgeblich veränderten und als Wegbereiter des heute so populären Gross-out- und Equal-opportunities-Humors gelten dürfen. DUMB AND DUMBER ist noch relativ brav und verhalten, aber er ist insofern wichtig, weil er die Handlung bereits komplett seinen Charakteren unterwirft, deren titelgebende, bodenlose Dummheit der Antrieb des Films ist.

Was ihn außerdem hervorstechen lässt – damals war einem das noch nicht so klar, weil Carrey noch am Anfang seiner Karriere stand und allenfalls als Gummigesicht bekannt war -, ist die Qualität seiner Hauptbesetzung: Carrey und Daniels sind brillant zusammen, ergänzen sich schlicht perfekt. Carrey hat natürlich die grellsten und überdrehtesten Momente, aber ohne die dumpfe Stoik von Daniels würde er nicht funktionieren. Er kommt mit seiner typischen – und unglaublichen – Grimassiererei nur durch, weil Daniels neben ihm stets die Contenance des schlichten Gemüts bewahrt. So ensteht eine dialektische Dynamik, ein wunderbar arhythmischer Drive, der an den Treppensturz eines Rollstuhlfahrers mit Gipsbein erinnert. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der Lloyd seinen Kumpel nach einem Zerwürfnis – Lloyd war knappe 500 Meilen in die falsche Richtung gefahren, nachdem beide eigentlich schon fast an ihrem Ziel angekommen waren – mitten im Nirgendwo dazu auffordert, auf das lächerliche Minimoped zu steigen, das er im Tausch gegen Harrys Auto erworben hat. „Just when I thought you couldn’t be any dumber …“, beginnt Harry, zum erwarteten und total berechtigten Hieb ausholend, „You pull off something like this and totally redeem yourself!“ Das ist die Magie des Films: Nichts ist, was es scheint, weil die beiden liebenswerten Volltrottel über eine ganz eigene Weltsicht verfügen.

Was weniger gut gealtert ist an DUMB AND DUMBER ist sein ganzer Look. Der Film macht schmerzhaft deutlich, was für ein beschissenes Jahrzehnt die Neunziger waren. Vom Soundtrack jaulen einem tatsächlich die Crash Test Dummies mit ihrem damals schon nicht auszuhaltenden Hit entgegen, pastellige Farbpalette, Ausleuchtung, Betonfrisuren und Klamotten erwecken vor allem im letzten Drittel den Eindruck, der Film sei in einem Vergnügungspark für wohlhabende Rentner gedreht (was Aspen, wo der Film spielt, vielleicht auch ist). Nun zeichnen sich die meisten modernen US-Komödien ja sowieso schon durch einen eher unsichtbar-austauschbaren visuellen Stil aus, dem man das Werk des gnadenlosen Zahns der Zeit schneller ansieht als anderen Filmen, aber hier ist das schon besonders frappierend, weil der leblose Plastiklook einfach nicht zu den überdrehten Protagonisten passen mag. Dem Vergnügen tut das dennoch keinen Abbruch, auch wenn mir das Sequel tatsächlich noch besser gefallen hat. Mag aber auch daran liegen, dass ich DUMB AND DUMBER mittlerweile auswendig kenne.

 

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