murderock – uccide a passo di danza (lucio fulci, italien 1984)

Veröffentlicht: Dezember 9, 2015 in Film
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bcd746995e8e01ea7a831913ef78e167Mir MURDEROCK – UCCIDE A PASSO DI DANZA kehrte Fulci in den Achtzigern noch einmal zum Giallo zurück, nicht allerdings ohne ihn stilistisch an das neue Jahrzehnt anzupassen. Der Film beginnt mit einem 1984 allerdings schon etwas überholt klingenden Song aus der Feder Keith Emersons: Man fühlt sich eher in eine Discothek in den späten Siebzigern versetzt, woran auch die B-Boys nichts ändern können, die zu den Klängen ihre verhaltene Darbietung liefern. Auch sonst merkt man Fulci an, dass er noch in den Siebzigern steckt. Die Opferschar mag sich aus Teenie-Hupfdohlen rekrutieren, die ganz nach dem Vorbild von Tanzfilmen wie ALL THAT JAZZ, FAME oder A CHORUS LINE durch die harte Schule ihrer Lehrerin Candice Norman (Olga Karlatos) und des Schuldirektors Dick (!) Gibson (Claudio Cassinelli) müssen, um zu Broadway-Stars aufzusteigen, die Synthies von Emerson rauchen und dampfen, aber von Neonfarben, Pop-Euphorie und Modeexzessen ist in MURDEROCK nichts zu sehen, stattdessen dominiert ein kontrastreicher, aber eher monochromer Look, der wohl auch in Schwarzweiß nicht viel verloren hätte.

Fulci machte damals keine ganz leichte Zeit durch: Unmittelbar nach Fertigstellung von MURDEROCK musste er für zwei Monate ins Krankenhaus, um die Folgen seiner – möglicherweise während der Dreharbeiten von CONQUEST zugezogenen – Hepatitis-Infektion behandeln zu lassen. Sein alter Weggefährte Dardano Sacchetti fühlte sich verprellt, weil Fulci den Barbarenfilm ohne ihn gemacht hatte, die großen Erfolge seiner Zombiefilme konnte er mit den Nachfolgeprojekten nicht wiederholen. Wie es ihm wärend der Arbeiten an MURDEROCK ging, lässt sich nicht sagen, aber der Film wirkt schwer, dunkel und irgendwie auch müde. Er ist immer noch fantastisch fotografiert (Giuseppe Pinori hatte mit Fulci zuvor den Endzeitfilm I GUERRIERI DELL’ANNO 2072 gemacht) und montiert, zeigt die Stilsicherheit seines Schöpfers und profitiert zudem von der gegenüber späteren Filmen hochkarätigen Besetzung, aber er lässt die Leichtfüßigkeit Fulcis weitestgehend vermissen. Das Ende ist seltsam antiklimaktisch und Gags wie jene, den ermittelnden Polizisten „Borges“ zu nennen, wirken wie hingeworfen, die Idee, einen Giallo im Umfeld einer Tanzschule zu machen, angetrieben von einem Achtzigerjahre-Soundtrack, quasi die schmutzige Version von FLASHDANCE, wird nie richtig umgesetzt.

Was unterm Strich bleibt ist ein seltsam somnambuler Eighties-Chiller, ein irgendwie unbefriedigender Film, der aber deutlich besser als sein miserabler Ruf ist.

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