riley the cop (john ford, usa 1928)

Veröffentlicht: Dezember 22, 2015 in Film
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136855-riley-the-cop-0-230-0-345-cropJames „Aloysius“ Riley (J. Farrell MacDonald) ist ein Streifenpolizist in New York, alleinstehend und mit einer ganz besonderen Erfolgsphilosophie ausgestattet: Wie gut man als Polizist ist, lasse sich an den Festnahmen ablesen, die man nicht gemacht habe. Und Riley ist nach dieser Philosophie ein Meister: 20 lange Jahre ist er ohne eine einzige Verhaftung ausgekommen. Er versteht seinen Job eher als Sozialarbeit, und wenn ihm doch mal eine Ordnungswidrigkeit begegnet, dann schickt er deren Urheber schnell auf die andere Straßenseite, in das Revier von seinem Rivalen Krausmeyer (Harry Schultz). Mit dieser Strategie hat er es geschafft, als Musterbeispiel für Effizienz angesehen zu werden, sodass man ihm auch die wenig vorteilhafte Körperhaltung, eine gewisse Faulheit und die bootsgroßen Füße verzeiht. Sein ganzer Stolz sind die junge Mary (Nancy Drexel) und ihr Liebhaber David (David Rollins), die Riley von Kindesbeinen an beobachtet und wie seine eigenen Kinder ins Herz geschlossen hat. Ihrer bevorstehenden Hochzeit fiebert er fast genauso nervös entgegen wie die beiden selbst. Doch dann gibt es Ärger: Während David seine reisende Mary in Europa sucht, wird ihm in den USA Veruntreuung vorgeworfen. Riley soll ihn in München einsammeln und zurück nach New York bringen. Aber dann freundet er sich mit deutschem Bier und der schönen Lena (Louise Fazenda) an …

Mit knapp 70 Minuten Länge ist RILEY THE COP nach den deutlich ambitionierteren FOUR SONS und HANGMAN’S HOUSE wieder eines der eher kleineren Ford-Projekte „für Zwischendurch“. Außerdem handelt es sich um eines jener auf der Schwelle zum Tonfilm entstandenen Werke, die bereits mit der neuen Technik experimentieren, aber den entscheidenden Schritt noch vor sich haben: In RILEY THE COP gibt es immer wieder Szenen, in denen Soundeffekte, Stimmen und Geräusche die Musikspur ergänzen und so eine neue, ungewohnte Lebendigkeit schaffen. Inhaltlich ist RILEY THE COP zwar vergnüglich (sehr schön der Running Gag, dass Riley immer wieder anhand seiner großen Füße identifiziert wird), aber auch etwas dünn. Worin da am Ende die Entwicklung des Titelhelden besteht bzw. ob es diese überhaupt gibt, ist mir nicht klar geworden. Riley ist ein von äußeren Einflüssen nahezu ungerührter Gesell, ganz im Hier und Jetzt geerdet, ohne Träume und Hoffnungen, aber auch ohne Zweifel oder Unzufriedenheit. Ja, er findet im Verlauf der Geschichte eine Frau, die ihm bislang noch fehlte, aber wenn er unter dieser Einsamkeit wirklich gelitten haben sollte, wusste er gut, das zu verbergen. Doch scheint die Handlung auch nur wenig zwingend, so gibt es doch das ein oder andere interessante Detail.

Bereits in meinem Text zu 3 BAD MEN hatte ich angemerkt, dass Ford seinen Film streng genommen aus der Sicht dreier Nebenfiguren erzähle, nämlich der titelgebenden „drei bösen Männer“, die dem jungen Pärchen – den eigentlichen Hauptfiguren – den Weg in einer strahlende Zukunft bereiten und dabei selbst verschwinden. In RILEY THE COP ist das so ähnlich: Für Riley steht nichts auf dem Spiel, es sind Mary und David, die etwas zu verlieren haben und die Hilfe Rileys gut gebrauchen können: Sie haben ihr Leben noch vor sich, wollen einander heiraten und eine Familie gründen. Riley hingegen steht außerhalb gängiger gesellschaftlicher Konventionen: Er hat weder Frau noch Kinder oder sonstige Angehörige, auch der Job scheint keine existenzielle Bedeutung in seinem Leben zu haben, einen wirtschaftlichen Zweck zu erfüllen. So, wie Ford diesen Riley darstellt, fragt man sich, ob er überhaupt ein Leben außerhalb seines Berufes hat. Ford arbeitet im Grunde genommen mit einer archetypischen, quasimythischen Charakterisierung – der Held als außerhalb jeder Gesellschaft stehende autonome Gestalt ohne Vergangenheit und Zukunft -, aber er verlegt diese in einen absolut banalen, aller dramatischen Übertreibungen freien Alltag. Riley ist nicht etwa ein mysteriöser Reiter, der auf seinem Hengst aus dem Nichts geritten kommt, um den Tag zu retten, sondern ein etwas grober, nicht besonders intelligenter Streifenpolizist mit Quadratlatschen. Das sorgt zum einen für den Humor des Films, liegt zum anderen aber voll auf der Linie von Fords Verehrung der Alltagshelden. Es sind eben nicht die in leuchtender Rüstung vom Himmel herabsteigenden Ritter, die die Erde zu einem bessere Ort – zur geliebten Heimat – machen, sondern Leute wie Riley mit ihrer intakten Moral und dem Mut, die Dinge beherzt und unverdrossen anzupacken. Und manchmal führt auch ein Umweg zum Ziel: Letzten Endes rettet Riley den Tag, indem er in einem Pariser Nachtlokal versumpft. Das ist wahre Größe.

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