the lost boys (joel schumacher, usa 1987)

Veröffentlicht: Januar 2, 2016 in Film
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , ,

11168030_oriVielleicht bin nur ich es, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie gern ich zu diesem Film zurückkehre. Ich zähle THE LOST BOYS nicht zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und meine autobiografische Verbindung zu ihm besteht auch nicht etwa in einem heimlichen Kinobesuch mit 11, sondern lediglich darin, damals zur Kompensation den „Roman zum Film“ gelesen zu haben. THE LOST BOYS ist auch nicht wahnsinnig spektakulär, man könnte ihm sogar vorwerfen, das Potenzial seiner verlockenden Prämisse – jugendliche Vampire lassen es krachen – nicht annähernd auszuschöpfen, aber vielleicht ist gerade das der Schlüssel zu seinem anhaltenden Erfolg: Schumachers Film bietet ebenso viele Reize für das geneigte Rezpientenhirn wie Freiraum für die eigene Fantasie, ist geradezu vollgestopft mit Charakteren, visuellen Einfällen und Sounds, und macht in dieser Überfülle einfach gute Laune. Wenn die knapp 100 Minuten rum sind, ist man mitnichten satt, vielmehr würde man gern noch mehr sehen – oder besser noch: Selbst raus auf die Straßen, hinein ins Getümmel, in den Tanzschuppen, die Bar, an den Strand oder auf die Flaniermeile, dahin, wo das Leben wartet und mit seinen vielfältigen Verheißungen lockt.

Wahrscheinlich muss man in den Achtzigerjahren aufgewachsen sein, um THE LOST BOYS so richtig geil zu finden, denn wenn man ehrlich ist, müssen einige seiner zeitgenössischen Details auf den Spätgeborenen ziemlich lachhaft wirken: Der AOR-Soundtrack bietet die volle Eighties-Breitseite aus hallendem Monsterschlagzeug, Kinderchören, fehlgeleiteten Coverversionen und „Cry, little sister“-Textzeilen (die Band, die zu Beginn auftritt, konnte sich nur ein zugekokster Hollywood-Exec ausdenken), die zur Schau getragene Mode ist schlicht mindblowing, die mit ihrem erstrebenswerten Lifestyle als cool und edgy apostrophierten Kids um David (Kiefer Sutherland) sind im Grunde genommen ziemliche Deppen (und dazu noch Fashion Victims vor dem Herrn), die damalige Popularität der beiden Coreys nur noch schwer vermittelbar. Schumacher, der eine ganze Karriere aus solchen zeitgeistigen Vehikeln gemacht hat, strebt mit THE LOST BOYS keine Dauerhaftigkeit oder gar Nachhaltigkeit an und fängt das thematisierte jugendliche Lebensgefühl gerade deshalb so perfekt ein. Sein Film ist in einem Mindset verortet, in dem der Alltag nur der Vorlauf für die nächste Party ist, jede Nacht voller Möglichkeiten steckt, die Zukunft noch weit, weit weg ist und man sich jeden Tag neu erfinden darf.

Corey Haims Sam schlendert demnach mit seinem bodenlangen Karomantel durch Santa Carla, als sei er Hugh Hefner, was ihn jedoch nicht daran hindert, an der Kinderzimmerwand ein Poster von Rob Lowe at his gayest hängen zu haben. Sein Bruder Michael (Jason Patric) fällt auf die coole Gang herein, weil er die schöne Star (Jami Gertz in Zigeunermode) beeindrucken will und wird so zum Vampir (mit neuem Ohrring), die Frog Brothers (Corey Feldman und Jamison Newlander) inszenieren sich hingegen als allwissende scholars in Vampirkunde, allzeit bereite Wächter ihrer Heimatstadt und Westentaschenrambos, während ihre Hippieeltern bekifft in der Ecke liegen. THE LOST BOYS handelt auch von der ersten Generation nach ’68, die dabei ist, ihren eigenen Weg zu finden. Flower Power ist passé, Hedonismus ist der heißeste Scheiß, möglicherweise aber auch mit einigen unvorhergesehenen Problemen behaftet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s