ant-man (peyton reed, usa 2015)

Veröffentlicht: Januar 4, 2016 in Film
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cool-ant-man-posterMit meinem guten Freund Frank, einem großen Comic-Fan und -Kenner, diskutiere ich regelmäßig über die Filme des sogenannten MCU, des „Marvel Cinematic Universe“. Während bei mir mittlerweile doch die Ernüchterung überwiegt angesichts von Filmen, die meines Erachtens eher die Funktion von Werbung und Teasern für weitere Filme oder Merchandising übernehmen, anstatt für sich selbst zu stehen, die mir zu sehr auf Nummer sicher gehen und Individualität vermissen lassen, überwiegt bei ihm immer noch die Freude darüber, dass ein seit der Kindheit gehegter Traum endlich Wahrheit geworden ist: die aus den bunten Heftchen bekannten Figuren in fett produzierten Blockbustern zu sehen, die das in Dutzenden parallel laufender Storys aufgebaute Universum in bewegten Bildern auf der Leinwand entstehen lassen. Nachdem wir unsere Sichtweisen lang und breit dargelegt haben, kommen wir meist an den Punkt, an dem wir feststellen müssen, dass es keine echte Einigung zwischen uns geben kann. Nur eines ist gewiss: Beim nächsten Film sind wir beide wieder dabei. (Ich hoffe, ich habe Franks Haltung an dieser Stelle einigermaßen treffend dargelegt.)

Dabei könnte zumindest aus meiner Sicht alles so einfach sein, nämlich wenn die Marvel-Schmiede weniger konfuse Klötze der Marke AVENGERS: AGE OF ULTRON produzierte, die vor lauter Kraft und dem Bemühen, alles für jeden zu sein, kaum laufen können, und stattdessen mehr vom Schlage des ANT-MAN, der den Trivialcharakter seiner Vorbilder wunderbar einfängt, sich nicht so bierernst nimmt und ermüdenden Bombast durch visuellen Einfallsreichtum ersetzt. Vielleicht hatte Peyton Reed, der zuvor lediglich mit einigen RomComs in Erscheinung getreten war, das Glück, das Leinwanddebüt eines Helden vor der Brust zu haben, der mit weitaus weniger kulturhistorischem Ballast beladen ist als Spider-Man, Captain America, Hulk, Thor oder Iron Man. Zwar debütierte die Figur auch schon in den frühen Sechzigerjahren und wurde wenig später Mitglied der Avengers, doch Ant-Man hatte weder eine eigene Heftreihe noch kam er jemals an die Popularität anderer Marvel-Ikonen heran. Die Erwartungshaltung des Publikums war mithin eine ganz andere als bei den vorangegangenen Filmen und wahrscheinlich konnte auch das Studio etwas entspannter an ANT-MAN herantreten: Ein Flop wäre angesichts des 130-Millionen-Dollar-Budgets immer noch schmerzhaft gewesen, hätte aber immerhin nicht das Fundament, den Kern des MCU angegriffen. Das merkt man dem Film in jeder Sekunde an: Er ist witziger, lebendiger, aber auch wärmer und, soweit man sowas über einen solchen Eventfilm sagen kann, experimentierfreudiger als andere Marvel-Verfilmungen, hat einen eigenen Stil (ohne gänzlich aus der Rolle zu fallen) und ist außerdem sehr viel runder als die letzten Großereignisse.

Was zunächst eine reichlich bescheuerte Idee zu sein schien – Ein Film über einen Mann, dessen Superkraft es ist, sich auf Ameisengröße zu schrumpfen? Really? -, entpuppt sich als Grundlage für eine effektreiche Achterbahnfahrt mit erstaunlich kreativen Einfällen, sei es die Konfrontation mit plötzlich riesenhaften Alltagsgegenständen, das explosionsartige Hin-und-Her des Helden Scott (Paul Rudd) zwischen seiner normalen Größe und seinem Schrumpfstadium oder natürlich die Kooperation mit dem intelligenten Ameisensstaat, der ihm zur Seite steht. Paul Rudd ist als Held wider Willen eine deutlich bodenständigere Identifikationsfigur als die anderen Marvel-Superdudes und teilt den Sense of Wonder des Zuschauers, erdet den Film gewissermaßen in der Realität von uns Normalsterblichen, macht ihn menschlicher, weniger technokratisch und martialisch. Trotzdem gelingt ANT-MAN als erstem Marvel-Film endlich etwas, was in den Vorzeigeproduktionen entgegen aller Bemühungen nicht funktionieren wollte, auch wenn das stets angestrebt worden war: Im kurzen Kampf Ant-Mans gegen den Avenger Falcon (Anthony Mackie) zeigt sich zum allerersten Mal auch auf der Leinwand diese Crossover-Charakteristik der Comics, in denen in schöner Regelmäßigkeit Figuren aus benachbarten Serien für drei eher unerhebliche Panels vorbeischauten, um den Leser daran zu erinnern, welche Heftreihe er auch noch kaufen könnte. Natürlich soll hier auch die Aufnahme Scotts in die Riege der Avengers vorbereitet werden, aber zunächst mal ist da nur dieser kurze, hingeworfene, höchst selbstzweckhafte Fight, der mehr als die Überkreuzung epischer, überkandidelter Handlungsstränge das Gefühl einer offenen, lebendigen Welt erzeugt. Da vergisst man dann auch, dass ANT-MAN eine Geschichte erzählt, die man mittlerweile schon  in- und auswendig kennt. Es spielt keine Rolle, denn wichtiger als das Was ist tatsächlich das Wie. Schön, dass diese Erkenntnis auch im Hause Marvel Einzug gehalten hat.

Kommentare
  1. Funxton sagt:

    Ich finde, du hast unseren wohlgepflegten „Lieblingsdisput“ überaus treffend wiedergegeben.
    Was mich allerdings wirklich freut, ist die Tatsache, dass meine Vermutung, „Ant-Man“ werde dir gefallen (du erinnerst dich vielleicht), sich bewahrheitet hat. Ich halte innerhalb der sogenannten „Phase II“ auch für den gelungensten Beitrag, weithin aus den von dir genannten Gründen.
    Mal sehen, wie sich „Civil War“ macht.

  2. Faniel Dranz sagt:

    Uneditierbar. Sozusagen in Stein gemeiselt.😀

  3. franziska-t sagt:

    Insgesamt dreht sich der Film hauptsächlich um Vater-Tochter- bzw. Mentor-Ziehsohn-Verhältnisse. Durch die Fokussierung auf das sich wiederholende “Daddy stolz machen”-Grundthema wird die Geschichte aber recht schnell eintönig. Am Ende sind natürlich alle Streitereien beseitigt und die Patchwork-Familie sitzt zusammen einträchtig an einem Tisch.

    Allerdings bietet ANT-MAN in Sachen Schauwerte einiges. Vielleicht ist es sogar der beste Marvelfilm in jüngerer Zeit, wenn man nur nach der Optik bewertet. Die vielen Szenen, in denen Scott von Standard- auf Ameisengröße schrumpft, teilweise auch mehrfach hin und herwechselt innerhalb einer Kampfsequenz, sind schlichtweg atemberaubend.

    Hier meine Review (4/6): https://filmkompass.wordpress.com/2015/07/28/ant-man-3d-2015/

    • Oliver sagt:

      Liebe Franziska,

      weil ich ein höflicher Mensch bin, sage ich dir jetzt, dass dies der letzte Kommentar dieser Art ist, den ich von dir freischalte. Meine Kommentarspalte ist nicht dazu gedacht, dass andere Leute ihre eigenen Webveröfffentlichungen promoten, sondern zur Diskussion, die ein MITEINANDER und kein ZUEINANDER ist. Deine Pseudokommentare, die lediglich dazu da sind, mitzuteilen, dass du auch etwas geschrieben hast, kannst du dir also in Zukunft sparen, denn ich werde sie ganz einfach ablehnen.

      Außerdem prognostiziere ich dir, dass du dir und deinem Blog mit dieser Masche einen Bärendienst erweist. Weder wird dich so irgendjemand verlinken noch dein Blog besuchen oder es überhaupt als ernstzunehmend betrachten. Du bist so nicht mehr als ein Trittbrettfahrer, der die Arbeit anderer Leute nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn du möchtest, dass andere Leute deine Sachen lesen, solltest du sie ihnen nicht ungefragt unter die Nase reiben, sondern die Links an Orten posten, die dafür gedacht sind (auf Facebook, in der IMDb oder der OFDb zum Beispiel) und dich langsam in die deutsche Filmbloggerszene einarbeiten. Das dauert eine Weile und funktioniert im Netz ganz ähnlich wie im echten Leben, wo du wahrscheinlich auch nicht auf wildfremde Leute zugehst, ihnen einen Vortrag hältst und sie dann bittest, deine Freunde zu werden. Ein Start wäre zum Beispiel, hier oder anderswo echte Kommentare zu posten, mit denen du produktiv etwas zur Diskussion beiträgst oder belegst, dass du etwas Interessantes zu sagen hast. Der Rest entwickelt sich dann von allein.

      Viele Grüße.

      • franziska-t sagt:

        Hallo Oliver,
        zunächst mal möchte ich darauf hinweisen, dass es auf deinem Blog nicht die Möglichkeit gibt, auch eigene Beiträge zu verlinken wie das beispielsweise bei anderen Blogs der Fall ist (da gibt es dann ein Formular mit Name, E-Mail, Webseite). Daher bin ich gezwungen den Link in den Kommentartext zu schreiben.

        Wenn dich das allerdings so stört, werde ich das in Zukunft unterlassen. Mich selbst stört es überhaupt nicht, wenn jemand seine eigene Review verlinkt und so viele verschiedene Meinungen unter meiner eigenen Kritik zusammenkommen. Ich selbst halte mich bei meinen Kommentaren eher kurz und verlinke Infos zum Gesamtkontext lieber.

        P.S. Dass du ein „höflicher Mensch“ bist, stelle ich angesichts von Formulierungen wie „Trittbrettfahrer, der die Arbeit anderer Leute nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen“ mal infrage. Meine Reviews machen auch sehr viel Arbeit und ich habe mich darüber noch nie beschwert.

      • Oliver sagt:

        „zunächst mal möchte ich darauf hinweisen, dass es auf deinem Blog nicht die Möglichkeit gibt, auch eigene Beiträge zu verlinken wie das beispielsweise bei anderen Blogs der Fall ist (da gibt es dann ein Formular mit Name, E-Mail, Webseite). Daher bin ich gezwungen den Link in den Kommentartext zu schreiben.“

        Von diesem Brauch habe ich ehrlich gesagt weder gehört, noch habe ich das jemals gesehen oder in Anspruch genommen. Und nein, du bist keineswegs dazu „gezwungen“, einen Kommentar zu schreiben, um deinen Link in die Welt zu streuen. Du kannst es ganz einfach bleiben lassen und die gängigen Möglichkeiten nutzen, deine Texte publik zu machen. Mein Blog ist kein Linkdump, dafür gibt es andere Seiten, ein paar habe ich dir aufgezählt. Eine Kommentarspalte ist eine Kommentarspalte. In der bist du immer willkommen, wenn du diskutieren willst, d. h. das Gespräch suchst. Ein kurzer Blick hätte dir gezeigt, wie sich andere Kommentatoren hier verhalten und was sie beizutragen haben. Dein erster Auftritt hier war „Hallo ich bin Franziska, schöne Texte, verlink doch bitte mein Blog.“ Mag sein, dass du das OK findest, ich sage dir aber im Vertrauen und aus Erfahrung dass du damit im Netz zu einer Minderheit gehörst, die man als unhöflich und aufdringlich empfindet.

        „Mich selbst stört es überhaupt nicht, wenn jemand seine eigene Review verlinkt und so viele verschiedene Meinungen unter meiner eigenen Kritik zusammenkommen.“

        Nicht von dir auf andere schließen. Üblicherweise gibt es ein Wort dafür, einfach so seine Links zu streuen und sie hinter einem „Kommentar“ zu verbergen: Spam. Meinungen gibt es wie Sand am Meer. Nicht jede Meinungsäußerung muss hier bei mir vertreten sein.

        „Dass du ein “höflicher Mensch” bist, stelle ich angesichts von Formulierungen wie “Trittbrettfahrer, der die Arbeit anderer Leute nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen” mal infrage.“

        Du kennst mich nicht, maßt dir aber ein Urteil über mich an und kannst zudem offensichtlich nicht richtig lesen. Mein Satz lautet „Du bist SO nicht mehr als ein Trittbrettfahrer …“, was nicht bedeutet, dass du per se einer bist, sondern, dass man zu diesem Urteil über dich kommt, wenn du dich in einer bestimmten Art und Weise verhältst. Etwa, wenn du Pseudokommentare postest, die nur den Zweck haben, einen Link zu hinterlassen. Du verstößt gegen meine Hausordnung (und btw gegen Grundprinzipien der zwischenmenschlichen Kommunikation) und urteilst über mich, wenn ich dich darauf hinweise? Und willst mir sagen, ich sei unhöflich? Viel Erfolg mit dieser Masche.

        „Meine Reviews machen auch sehr viel Arbeit …“

        Dazu, mit seinen Texten Beachtung zu finden, gehört mehr Arbeit, als sie zu schreiben. Darum ging es mir gerade mit meiner Nachricht an dich. Schade, dass du sie nicht verstanden hast. Ich denke, das war es jetzt.

      • franziska-t sagt:

        Keine Sorge, bei dir schaue ich nicht nochmal vorbei.

  4. Jens Jeddeloh sagt:

    Es ist schön, mal wirklich einen unfreiwilligen Avenger eingeführt zu sehen, der weder einen schicksalhaften Mutantenhintergrund hat, von sinistren Mächten geformt wurde, aus einer anderen Dimension kommt oder sonst was. Einfach ein Vater, der um das Besuchsrecht für seine Tochter
    streitet, durchaus mit krimineller Energie ausgestattet, aber auch ein sympathischer Kindskopf.

    Ich schätze, dass im Buch noch viele Humor-Spuren von Edgar Wright stecken, der den Film ursprünglich drehen sollte.

    Paul Rudd gibt dem Ant Man eine erfreulich glaubhafte Leichtigkeit, vielleicht war Marvel da nach
    dem Mega-Erfolg von Chris Pratts selbstironischem Bruder Leichtfuss in GUARDIANS OF THE GALAXY auch wagemutiger.

    Im ganzen Crossover-Wirrwarr des MCU ist es ein schöner Anker für mich, dass die
    Besetzungen (Verträge bis 2050?) durchgehalten werden, da fallen Veränderungen immer besonders auf : war es bei IRON MAN Terrence Howard, der durch Don Cheadle ersetzt wurde,
    so spielt hier in ANT MAN plötzlich John Slattery den Howard Stark von 1989, an Stelle von
    Dominic Cooper. Für mich nur auffällig, weil in der selben Szene die Rolle von Agent Carter wieder mit der wunderbaren Hayley Atwell besetzt ist, die auf alt geschminkt wurde, was man mit Cooper ja auch auch hätte machen können. Aber ich werde kleinteilig.

    Gerade fällt mir ein Film ein, dessen Tonfall zum Vergleich mit ANT MAN einlädt: ROCKETEER.

    Beste Grüße
    Jens

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