rise of the planet of the apes (rupert wyatt, usa 2011)

Veröffentlicht: Januar 5, 2016 in Film
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riseoftheplanetoftheapes_1sheet_largeEine furchteinflößende Zukunftsvision. Nein, nicht die, dass die Erde eines Tages von Affen behrrscht wird, weil die Menschen in ihrer Hybris wieder einmal Gott gespielt und einen superintelligenten Affen geschaffen haben, der die geknechteten Primaten in der Folge in eine Revolution führt. Sondern die, dass Film, eine der komplexesten, reichsten, poetischsten und kraftvollsten Kunstformen nach einem rasanten, in nur wenigen Jahrzehnten erfolgten Gipfelsturm, zu primitivem Fernsehen verkommt, zu unkreativ ausgewalzter und „authentisch“ bebilderter Handlung. Die Saat dafür ist bereits gelegt: Vielen Menschen gelten Fernsehserien, die der filmischen Verdichtung das akribische Auserzählen, der Reduktion die Akkumulation, der Dichtung die Informations- und Faktenhuberei, dem make believe die lückenlose Plausibilität entgegensetzen, heute längst als Gipfel der visuellen Kunst, die Film den Rang abgelaufen hat. Was das für Konsequenzen hat, sieht man im Reboot der geliebten Science-Fiction-Reihe, einer unproduktiven, unkreativen, fantasielosen und ultimativ armen Übung in Inhaltismus. Alles, was RISE OF THE PLANET OF THE APES gegenüber dem Klassiker von Franklin J. Schaffner zu bieten hat, sind „realistische“ CGI-Affen. Die allerersten Kurz-Stummfilme, die vor über 100 Jahren lediglich Objekte in Bewegung zeigten, waren moderner, fortschrittlicher und künstlerisch gewagter als das hier.

Zunächst zur Handlung, da RISE auf diese so irrsinnig viel Wert legt: Am Ende der nur halb erfolgreichen Entwicklung eines Alzheimer-Medikaments steht zunächst der superintelligente Affe Caesar (Andy Serkis), der im Haus des Wissenschaftlers Will Rodman (James Franco) aufwächst. Doch mit der Intelligenz entsteht auch ein Selbstbewusstsein, das sich mit der Rolle als Haustier nicht mehr länger zufriedengeben mag: Caesar landet nach diversen Tobsuchtsanfällen in einem Tierheim, erfährt menschliche Niedertracht am eigenen Leibe und findet die Armee, die er im letzten Akt des Films in die Schlacht führt. Das Ende der Menschheit, das den Aufstieg der Affen zur die Erde beherrschenden Gattung begünstigt, leitet indessen Will mit der Verbesserung des fehlerhaften Medikaments ein, das als tödlicher Virus die Reise ums Erdenrund antritt.

Es ist einerseits natürlich nachvollziehbar, dass Rupert Wyatt die Geschichte, die der alte PLANET OF THE APES-Zyklus in fünf Installationen von hinten nach vorn erzählte, in die chronologisch „richtige“ Reihenfolge bringt: Irgendwie muss er sich ja von seiner Quelle lösen. Aber diese falsche „Innovation“ ist auch symptomatisch für das künstlerische Versagen des Films, der nichts zu erzählen hat, außer der Geschichte, die ihm das Drehbuch diktiert. Was Schaffners PLANET OF THE APES zum Klassiker machte, waren die Auslassung und das durch die Maske gelieferte Bild des Menschen im Affen bzw. umgekehrt. Es war gar nicht nötig, die Geschichte der Auslöschung der Menschheit zu erzählen, weil das Bild der zerstörten Freiheitsstatue keinerlei Fragen mehr offen ließ, mehr aussagte als es stundenlange, wortreiche Narration jemals vermocht hätte. Und die aus heutiger Sicht unperfekten Affenmasken ließen eben nie einen Zweifel daran, dass es hier einzig und allein um den Menschen ging. Was hingegen hat uns RISE OF THE PLANET OF THE APES zu sagen? Jedwedes allegorische Potenzial geht im langweiligen Streben nach größtmöglichem Realismus flöten, nichts bleibt der Vorstellung des Zuschauers überlassen, weil da einfach nichts ist, was ihn überhaupt mit der Geschichte verbinden würde – von der bloßen Sympathie für einen intelligenten Affen und gepeinigte Tiere mal abgesehen. Warum wir uns dafür überhaupt interessieren sollten, wird in totaler Verkennung dessen, was Schaffners Film einst so erfolgreich gemacht hatte, auf die Sequels verschoben.

Ich halte Wyatts Film gern zugute, dass er keine Kindergarten- oder Zirkusnummer aus seinem Stoff gemacht hat, wenngleich das actionreiche Finale, in dem die Affen die Golden Gate Bridge stürmen und wutschnaubende Gorillas Hubschrauber zum Absturz zwingen, das einzige war, was mich gestern wirklich gepackt hat. Aber in seinem völlig eindimensionalen Verständnis davon, was Erzählung und Film eigentlich zu leisten im Stande sind, ist RISE noch deutlich schlechter als Burtons nun doch mit Krawumm in die Binsen gegangener Versuch einer Neubelebung. Wenn die optische Aufpeppung alles ist, was Filmemacher mit den ihnen durch moderne Technologie an die Hand gegebenen, nahezu grenzenlosen Möglichkeiten anzufangen wissen, wenn Authentizität und Realismus das alles beherrschende neue Paradigma filmischen Erzählens sind, dann gute Nacht.

Kommentare
  1. Mr. Majestyk sagt:

    Dass sich das einstige Leitmedium des 20 Jahrhunderts in einer Krise befindet will ich gar nicht bestreiten. Auch kann ich mir den Aufschwung der ach so intelligenten neuen Serien die möglichst im „Binge Watching“ konsumiert werden nur mit der Unfähigkeit der Rezipienten erklären, einer verdichteten Dramaturgie mental folgen zu können.

    Dennoch, Realismus und Authentizität sind für sich genommen noch keine negativen Merkmale, Sicherlich bleibt Schaffners Original unerreicht, ohnehin kann ich mich für die ganze damalige Reihe begeistern. Aber für modernes Blockbusterkino macht Wyatt m. E. mehr richtig als falsch und gefällt mir persönlich deutlich besser als die Fortsetzung.

    Auch finde ich nicht, dass „Rise of the Planet of the Apes“ gar nichts über Menschen erzählt. Allerdings wählt der Film hierzu eben ab der zweiten Hälfte die Perspektive eines Affen. Und was der Film über Menschen aussagt ist demzufolge wenig schmeichelhaft.

    Mir hat’s gefallen und ich habe beim Finale mit den Affen deutlich mehr mitgefiebert als mit allen Superhelden, Hobbits, Final Girls und Möchtegern-Actionhelden der letzten Dekade zusammen.
    Alles eine Frage der Perspektive.😉

    • Oliver sagt:

      Ich weiß ja eh, dass ich eine Außenseiterperspektive zu dem Film einnehme. Und er ist auch nicht der schlimmste Film, der mir jemals untergekommen ist, noch nicht einmal der zweitschlimmste.🙂

  2. Mr. Majestyk sagt:

    Geschmäcker sind halt verschieden.
    Damit wir uns nicht falsch verstehen, natürlich steht RISE… nicht auf einer Stufe mit dem Original, hat auch keinen ikonischen Moment wie eben jenen als Heston die Freiheitsstatue findet, aber dies zu erwarten wäre m.E. auch zu viel verlangt.
    In meinen Augen ist RISE gelungene Unterhaltung, nicht mehr aber eben auch nicht weniger.
    Gelungener als der Nachfolger DAWN… ist RISE allemal.
    Vor allem kann man sich den Film auch als erwachsener Mensch anschauen, was mittlerweile leider nicht mehr Standard ist.

    Ich habe letztes Jahr wieder feststellen müssen, meine Wahrnehmung wird nicht unmaßgeblich von meiner Erwartungshaltung beeinflusst. Bei FURY ROAD war diese sehr groß und wurde zunächst etwas enttäuscht. Bei STAR WARS hatte ich gar keine und bin mehr als Freunschaftsdienst mit ins Kino gegangen und hatte (zumindest während der Film lief) einen Heidenspaß. Dafür kann aber FURY ROAD wesentlich besser selbstständig bestehen, während SW VII doch im Wesentlichen vom Mythos der alten Filme lebt (Was imho den Spaß nicht schmälert.).
    Wirkliche Relevanz haben die meisten Aufgüsse, Reboots etc. ohnehin selten. Und wenn doch wie z.B. RAMBO werden sie eh nur verkannt.

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