dawn of the planet of the apes (matt reeves, usa 2014)

Veröffentlicht: Januar 6, 2016 in Film
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dawnpotaNa bitte, es geht doch! Hatte ich am Vorgänger doch ziemlich viel auszusetzen, hat mir die Fortsetzung um Längen besser gefallen. DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist m. E. thematisch und erzählerisch wesentlich fokussierter (Kritiker finden ihn vielleicht „eindimensionaler“ und „unorigineller“), visuell aufregender und actionlastiger. Hatte mich an RISE OF THE PLANET OF THE APES vor allem gestört, dass er den Charakter eines bloßen Prologs nicht loswurde, sich vor allem darüber definierte, wo er hin wollte und deswegen nicht zu einer echten eigenen Identität fand, darüber hinaus eigentlich mindestens zwei Geschichten erzählte, die sich gegenseitig die Zeit raubten und im Weg standen, kommt DAWN vom Start weg zum Punkt und verfolgt seinen Weg bis zum Schluss überaus konsequent.

Die Titlesequenz zeigt in wenigen Minuten, wie sich das Ende der Welt durch den am Ende des ersten Teils ausgesetzten Virus vollzieht. Wenn DAWN dann beginnt, sind die einst belebten Städte völlig ausgestorben und verwildert, das von Caesar (Andy Serkis) geführte Menschenaffenvolk lebt in einer Quasizivilisation in den Wäldern. Die erste Viertelstunde kommt ohne gesprochene Dialoge aus, zeigt die sich in Zeichensprache verständigenden Affen auf der Jagd und in ihrem „Alltag“. Der Friede hält natürlich nicht lange an, denn ein paar überlebende Menschen finden den Weg zur Affenstadt und ziehen den Zorn der Primaten auf sich, lösen aber mindestens genauso viel Angst aus: Man kennt die Menschen, ihre Gier und Zerstörungswut und traut ihren „friedlichen Absichten“ nicht über den Weg. Und eines scheint allen klar: Wenn die Menschen – die in den Wäldern ein Wasserkraftwerk reaktivieren wollen, um Strom für den Wiederaufbau zu gewinnen –  sich rekonsolidieren, dann werden sie die Affen über kurz oder lang vertreiben.

Der Konflikt, der am Ende zu einer erbittert geführten Schlacht in den Ruinen San Franciscos führt, wird interessanterweise nicht durch die Aggressionen der jeweiligen Gegenseite eingeleitet, sondern durch die Hassprediger in den eigenen Reihen, die sich durch ihre Angst Blick und Vernunft verstellen lassen, die eigeneN Leute manipulieren, bis sie endlich die Fakten geschaffen haben, auf deren Grundlage ein Massaker gestartet werden kann. Die Botschaft von DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist gewiss nicht neu (sie war ja auch schon Inhalt des Originalzyklus), aber sie bekommt dieser Tage vor allem aus europäischer Perspektive eine neue Schärfe. Wie sich die Situation unaufhaltsam hochschaukelt, löst ungute Gefühle aus, gerade wenn man sich anschaut, wie die Gewaltbereitschaft „friedlicher Bürger“, die sich „einfach nur Sorgen machen“, derzeit ansteigt, wie andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion (oder auch nur ihres Aussehens) unter Generalverdacht gestellt und als Bedrohung angesehen werden, der man höchst unbarmherzig entgegentritt.

Was DAWN OF THE PLANET OF THE APES aber zu allererst sehenswert macht, sind seine Bilder, die eindrucksvollen Impressionen aus der Affenzivilisation und aus der an alte, im Dschungel vergrabene Tempelruinen erinnernden Metropole. Seit I AM LEGEND hat man keine so friedlich und wie verwunschen daliegenden Straßen mehr gesehen und der Film weckt unbändige Lust, diese weiter zu erkunden. Eine Szene im dunklen Wald, in dem eine alte Tankstelle durch den Strom zu neuem neonleuchtenden Leben erwacht und einen alten Folksong über die Lautsprecher in die Nacht entsendet, entfaltet eine geradezu magische Kraft, wie man sie in amerikanischen Eventfilmen eher selten findet. Die Spezialeffekte um die Affen wurden weiter verfeinert und überragen die des Vorgängers noch um Längen (Geschlechtsteile oder auch nur Brustwarzen gibt es aber weiterhin nicht zu sehen, wir sollen ja nicht sexualethisch verwirrt werden). So ist das einzige, was ich an DAWN wirklich zu kritisieren habe, seine etwas unverhältnismäßige Länge. Im letzten Drittel geht dem Film doch ein wenig die Puste aus, da man als Zuschauer natürlich weiß, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt. Gemessen an den Verfehlungen von RISE scheint mir das aber vernachlässigbar. Guter Film!

Kommentare
  1. zorafeldman sagt:

    ich würde noch anfügen, dass es natürlich ein dringender ausdruck der neuen äffischen zivilisation war, dass die weibchen sich schmücken und verschleiern. eine äffische utopie, die die geschlechterdifferenzen – oder ein aufheben derselben – weniger nach menschlichem vorbild zeichnet, war leider wieder mal nicht drin.😦

  2. zorafeldman sagt:

    ausgehend von der eigentlichen affenkultur hätten sie sich auch nicht so menschlich entwickeln können. genau wie das mit dem nicht andere affen töten und in hütten leben, oder?

    • Oliver sagt:

      Sie haben mit Caesar einen guten Lehrer.

      • zorafeldman sagt:

        da aber ja auch die differenzen zwischen menschen und affen thema sind, hätte es ja nichts gekostet, nicht diesen weg zu gehen. stattdessen macht man sich die mühe, die äffinnen ganz sicher in ein ziemlich menschlich anmutendes system zu sortieren. schade halt.

      • Oliver sagt:

        Es war ja nur eine einzige Szene. Vielleicht hat man den Zuschauern nicht zugetraut, zu verstehen, dass es da auch weibliche Affen (ohne Geschlechtsteile) gibt. Oder der Designer wollte sich einfach mit den schönen Knochenschleiern austoben.

      • zorafeldman sagt:

        Es war so ziemlich jede Szene, die sich in Caesars häuslichem Umfeld abspielte (seine Frau trägt bis ins letzte Bild eine Blumenkrone). Ich beschwere mich nicht über mangelnde Geschlechtsteile, sondern darüber, dass mit diesem „Frauen tragen Schmuck und bleiben zuhause“ völlig arbiträre westliche Rollenbilder eingesetzt werden. Wo es, wie gesagt, nichts gekostet hätte, das einfach bleiben zu lassen.

      • Oliver sagt:

        Ich widerspreche dir gar nicht. Es ist halt so, dass die Affen generell entlang bestehender Hollywood-Klischees vom ursprünglichen Naturvolk inszeniert werden. Mich hat die Inszenierung ihrer Beratungsrunden etwa massiv an Indianerfilme erinnert. Von daher wundert es mich auch nicht, dass man diesen Weg gegangen ist. Zumal das ein Randdetail ist, mit dem sich die Macher wahrscheinlich sowieso nicht so lange aufgehalten haben.

      • zorafeldman sagt:

        Klar. Aber das ärgerliche ist eben, dass sie mit zwei Minuten mehr nachdenken und irgendwie $1000 weniger Aufwand einfach ein plumpes Rollenklischee unterlassen hätten. Es ist so nervig, dass tatsächlich lieber der längere Weg genommen wird, um diesen Status Quo zu halten.

  3. Mr. Majestyk sagt:

    Da komme ich nicht mehr mit, bzw. so scheiden sich die Geister.
    Wo ich mich beim ersten Teil noch unterhalten gefühlt habe, da nervte dieses unerträglich klischeehafte, in keiner Beziehung differenzierte,überlange CGI-Spektakel nur noch.
    Ich fand DAWN in allen Belangen vorhersehbar und in der schwarz-weiß Zeichnung penetrant.

    Unerträglich wurde das ganze mit dem finalen Dialog:
    Koba: Apes not kill apes.
    Caesar: You are no ape.

    So was hatten wir in der Geschichte oft genug. Menschen sind keine richtigen Christen, Muslime, Deutsche, Amerikaner, Bolschewiken. Ja, manchmal sind sie nicht mal richtige Menschen, sondern nur Indianer, Indios, Juden und „Neger“ und verdienen daher kein Menschenrecht.
    Und Kriminelle gehören eh ins Zuchthaus oder besser gleich die Rübe ab.

    Wenn solche Ideologien von einem Unterhaltungsfilm unreflektiert übernommen werden und von Teilen des Publikums unter Beifall goutiert werden, dann hört jeglicher Spaß für mich auf.
    Diese unterschwellig reaktionären Aussagen scheinen aber ja der neue Trend zu sein, wie auch die letzten Staffeln von Sherlock und Talking Dead zeigen.

    • Oliver sagt:

      Naja, Koba ist eben kein Affe, weil er die Gesetze, die Affen sich zum friedlichen Zusammenleben auferlegt haben, gebrochen hat. Er wird ja nicht, wie du da reichlich pauschal behauptest, aufgrund von willkürlichen äußerlichen Merkmalen verurteilt, sondern eben, weil er sich in einer bestimmten Art und Weise verhalten oder eher nicht verhalten hat. Es ist einfach nur der nächste logische Schritt in der Entwicklung vom Affen zum Menschen, der da vollzogen wird: Affen können sich nicht „untierisch“ verhalten, Menschen aber sehr wohl „unmenschlich“. Die Affenzivilisation hat eine Grenze hinter sich gelassen, weil sie nun auch „gegen ihre Natur“ handeln kann. Außerdem ist das ja auch kein Happy End, der Blick von Caesar am Ende lässt ja keinen Zweifel, dass er genau weiß, dass die Utopie, von der er geträumt hat, schon im Ansatz gescheitert ist. Darum geht es in der ganzen Reihe. Und übrigens: Der Vorwurf der Vorhersehbarkeit ist bei diesem Reboot doch irgendwie fehl am Platze, oder?

  4. Mr. Majestyk sagt:

    Aha, und wenn einer Gesetze, welcher Art auch immer bricht, dann muss dies ja mit seiner Andersartigkeit begründet werden.
    Mal ganz abgesehen davon, dass auch Tiere Mitglieder ihrer eigenen Spezies töten, sind Affen die sprechen wohl ohnehin schon keine normalen Tiere mehr.

    Im Übrigen habe ich gar nicht behauptet, dass Koba wegen äußerlicher Merkmale verurteilt wird.
    Wir werden da auch keinen Konsens finden, jemand die Zugehörigkeit zu einer Gruppe abzuerkennen wegen individuellem Fehlverhalten oder anderer Anschauung ist aber ein weit verbreitetes Phänomen, was auch im vergangenen Jahr oftmals zu beobachten war.
    Ich gebe gerne zu, hier sehr aufs Detail zu achten.

    Und nein, ich finde auch wenn man den Ausgang kennt,muss man bei der Gestaltung von Handlung und Charakteren nicht jedes Klischee mitnehmen. Ich jedenfalls wusste schon vorab, wer sich wie verhält und wie sich der Konflikt entwickelt.
    Die finale „Pointe“ war da nur noch der berühmte Tropfen.
    Wo aber DAWN filmischer erzählt ist als RISE erschließt sich mir nicht so ganz, 130 Minuten können ganz schön lang werden. Ich habe gerade mal nachgesehen, abgesehen vom ersten Teil läuft keiner der Originalfilme 100 Minuten. Die hätten dieses Mal sicherlich auch gereicht.
    Meins war der Film nicht.

    • Oliver sagt:

      Naja, so genau wie du da behauptest, hast du bei diesem Film aber nicht hingeschaut, sondern ihn stattdessen schön auf von dir so empfundene ideologische Fehltritte abgeklopft. Das ist immer eine problematische Haltung, weil sie den Blick verstellt und stattdessen die bequeme Empörung setzt.

      Ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht, wie du einen Mr. Majestky-Avatar mit deinem Gewissen vereinbaren kannst. Actionfilme generell zelebrieren eine Schwarzweiß-Teilung der Welt, in der das Gute über das (vom Guten als solches festgelegte) Böse obsiegt und es bestraft. In diesem speziellen Fall der Melonenbauern über den Mafiakiller. Im Fall von DAWN über eine Kriegstreiber in den eigenen Reihen, der drauf und dran ist, die mühsam aufgebauten Versuche einer Zivilisation und der friedlichen Koexistenz von Mensch und Tier zu zerstören. Da darf man als Actionfilmantagonist nun einmal nicht mit fairem Prozess und Haftstrafe rechnen. Und dass nicht, weil damit eine härtere Gangart in der Realität eingefordert wird, sondern weil Actionfilm äußerste Überspitzung ist. Dichtung generell. Ist dir schon mal aufgefallen, dass in fast allen antiken Dramen reihenweise Menschen sterben, aber nur sehr wenige vom Einkaufengehen handeln?

      „Aha, und wenn einer Gesetze, welcher Art auch immer bricht, dann muss dies ja mit seiner Andersartigkeit begründet werden.“

      Es verhält sich genau andersrum. Koba bricht nicht das Gesetz, weil er unäffisch ist. Vielmehr ist jemand, der als konstituiv geltende Gesetze bricht, „anders“. Das Konzept des „Anderen“ gehört zum Actionfilm wie die Butter aufs Brot. Da ist DAWN weiß Gott nichts Spezielles. Koba verliert das Recht zu leben, weil er das wichtigste, das oberste Gesetz seiner Spezies gebrochen hat. Sein Handeln ist das Äquivalent zum Verrat im Western oder Gangsterfilm: Wer sich gegen diesen Kodex wendet, wird ausgeschaltet. Davon mal ganz abgesehen wird die Exekution von Koba keinesfalls als heldenhafter Moment gezeichnet, sondern als Sündenfall Caesars. So ein kleines entscheidendes Detail, dass dir bei deiner sehr genauen Betrachtung durchgeflutscht ist vor lauter Ärger.

      „Im Übrigen habe ich gar nicht behauptet, dass Koba wegen äußerlicher Merkmale verurteilt wird.“

      Habe ich auch nicht behauptet. Aber du hast die entsprechenden Hinweise auf die Geschichte und auf Rassismus und Faschismus gegeben, was in diesem Fall geradezu eklatant unpassend ist, weil der Film gerade NICHT Menschen gegen Affen ausspielt und am Ende zum Schluss kommt, dass die einen gut und die anderen böse sind, weil sie dieser oder jener Spezies angehören. Er kommt zu diesem Urteil, indem er die HANDLUNGEN bewertet. Koba dürfte in unserer Welt eine hohe Strafe erwarten, in der Welt von DAWN, in der es nun einmal keine Gerichte und keine Gefängnisse gibt, ist dafür der Tod vorgesehen. Du scheinst überhaupt nicht verstanden zu haben, dass DAWN nicht in unserer Welt spielt, sondern in einer Dystopie, in der es aus der Gewaltspirale eben keinen Ausweg gibt, weil Menschen und Affen mit einem grundsätzlichen Makel behaftet sind.

      „Und nein, ich finde auch wenn man den Ausgang kennt,muss man bei der Gestaltung von Handlung und Charakteren nicht jedes Klischee mitnehmen. Ich jedenfalls wusste schon vorab, wer sich wie verhält und wie sich der Konflikt entwickelt.“

      Siehste, und das ging mir auch im ersten Teil schon so. Der sah aber nicht so wunderbar aus und kam auch nicht so schön zum Punkt.

      „Wo aber DAWN filmischer erzählt ist als RISE erschließt sich mir nicht so ganz, 130 Minuten können ganz schön lang werden. Ich habe gerade mal nachgesehen, abgesehen vom ersten Teil läuft keiner der Originalfilme 100 Minuten. Die hätten dieses Mal sicherlich auch gereicht.“

      S. O. Er erzählt filmischer, weil er nicht bloß daran interessiert ist ein Franchise anzustoßen und kraftvollere Bilder hat. RISE ist auch länger als 100 Minuten. Der war auch schon zu lang. Das gilt für nahezu alle Eventfilme, deren durchschnittliche Länge heute so bei ca. 120 Minuten liegen dürfte. DAWN ist da also kein Ausnahme-, sondern nur Regelfall. Und wie du bestimmt gelesen hast, fand ich ihn auch zu lang. Tut der Tatsache, dass ich mir lieber 130 Minuten lang einen Kinofilm als 110 Minuten aufgeblasenes, überproduziertes Fernsehen wie RISE gebe, keinen Abbruch.

  5. Mr. Majestyk sagt:

    Wie ich schon vorab sagte, wir werden uns nicht einig werden.
    Mr. Majestyk kann ich sehr wohl mit meinem Gewissen vereinbaren,
    Dies ist Kino wie ich es mag und aus meiner Banausensicht Werken wie dieser Affendämmerung jederzeit vorzuziehen.

    • Oliver sagt:

      Wenn du schon vorab eine in Stein gemeißelte Ansicht hast, die du auf gar keinen Fall auch nur überdenken magst, auch nicht nach guten Argumenten oder Fragen, warum diskutierst du dann? Warum verfällst du in Passivaggression und unterstellst mir mehr oder weniger ich hätte dich einer „Banausensicht“ bezichtigt? Warum verfälschst du Dinge, die ich geschrieben habe, um deine „Argumentation“ zu stützen? Ich mag MR. MAJESTYK auch unendlich viel lieber als DAWN, aber darum ging es nicht. Egal, Karl.

  6. Mr. Majestyk sagt:

    Die Replik könnte ich fast uneingeschränkt zurückgeben.
    Ein Diskussion hat nicht zum Ziel das einer gewinnt oder einer Einsicht zeigt,
    sondern man tauscht sich aus. Und meine Einschätzung von diesen beiden Affenfilmen ist nun einmal eine andere, als die Deine. Ich finde Teil 1 nicht so grottig wie Du und Teil 2 nicht so stark.
    DAWN mag ja unterhalten, gibt sich aber klüger als er ist. Zum Ärgernis wird jener für MICH persönlich dann eben durch jene Schlusspointe. Vielleicht weil ich jene Worte wichtiger nehme als Du, definitiv aber anders wahrnehme, einen anderen Bezug herstelle.

    Mir scheint, dies nimmst Du mir übel. Ich habe aber eine andere Perspektive, was nicht verwundert, meine Prägung ist ja auch anders, vermutlich viele Ansichten, auch meine filmische Sozialisation, ich bin ein anderer Mensch. Und mit Meinungen ist es nun einmal so, die sind selten deckungsgleich und dies ist gut so, sonst bräuchte es nämlich gar keine Kommunikation.

    Was den Vorwurf der Passivaggression angeht, lies mit etwas Abstand in einem ruhigen Moment mal den Verlauf durch und versuche dies möglichst objektiv zu tun..
    Ich habe nicht die Sachebene verlassen, mich nicht auf Deinen Avatar bezogen, Dir nicht bequeme Empörung unterstellt.
    Auch argumentiere ich nicht absolut und erst recht „verfälsche“ ich keine Aussagen, bzw. gehe bei einer (vermeintlichen?) Fehlinterpretation nicht von Verfälschung aus.

    Aber wie ich schon sagte, wir werden uns nicht einig und wie Du richtig erfasst hast, es ist auch egal. Es sind „nur“ Filme und nicht mal welche die bleibenden Eindruck hinterlassen.

    • Oliver sagt:

      Es war nicht meine Absicht, mit meinem Hinweis auf deinen Avatar persönlich zu werden. Meine an diesen Hinweis geknüpfte Frage war ernst gemeint. Ich verstehe einfach nicht, wie man einerseits einen Actionfilm wie MR. MAJESTYK verehren kann, andererseits aber so massive ideologische Probleme mit einem anderen Actionfilm haben kann, der meines Erachtens kein Stück aus dem Raster fällt, sondern lediglich Genrestandards repliziert.

      Meine Kritik bezieht sich vor allem darauf, dass du kein Stück auf meine Antworten eingehst, für die ich mir immerhin Zeit genommen habe, sondern die Diskussion einfach abbrichst. Ich will dich nicht davon überzeugen, DAWN toll zu finden, so wichtig ist mir der Film nicht. Aber viele deiner Kritikpunkte beruhen für mich einfach auf einem getrübten Blick auf den Film, der das, was du ihm vorwirfst nicht propagiert, sondern gerade thematisiert. Für mich sieht das so aus, dass du den Film aus unterschiedlichsten Gründen scheiße fandest (was ich verstehen kann) und ihm zusätzlich nun auch noch eine irgendwie menschverachtende Gesinnung unterjubeln willst. Dann kannst du aber meiner Meinung nach dem gesamten Actionfilm den Rücken kehren.

      Mein Hinweis auf „Verfälschungen“ bezog sich gleich auf mehrere deiner Antworten bzw. Rückfragen, aus denen deutlich hervorgeht, dass du mich gar nicht verstanden hast.

      Und wenn du mir schon empfiehlst, den Diskussionsverlauf noch einmal zu lesen, dann tu das doch auch mal und frag dich, ob jemand der dich und deine Stimme nicht kennt, deine Postings nicht vielleicht als ziemlich pampiges Gerante lesen muss.

      Aber OK; von mir aus können wir jetzt aufhören, ich habe genug neue Texte zu schreiben derzeit.🙂

  7. Mr. Majestyk sagt:

    Lieber Oliver,

    einerseits kenne ich Deine Stimme ebensowenig, andererseits denke ich hier durchaus schon differenzierte Äußerungen von mir gegeben zu haben. Ich will auch gar nicht en dé­tail gehen, dies klingt schnell nach klein-klein. Und dies will ich ja gar nicht.
    Ein Problem bei rein schriftlichen Diskussionen ist, dass diese schnell mal aus dem Ruder laufen können, da sich die Beteiligten 1. nicht kennen, 2. Mimik, Gestik etc. völlig außen vorbleiben.

    Ein kurzes Beispiel, Du meintest, ich hätte Dich bezichtigt mir eine „Banausensicht“ zu unterstellen.
    Hab ich aber gar nicht, sondern ich habe von meiner Sicht als einer Banausensicht gesprochen, was durchaus witzig gemeint war, immerhin bin ich kein Profi. Darüberhinaus empfinde ich Banause nicht mal als despektierlich. Ich bin ja auch ein Banause, meine Sicht auf Kunst bzw. Film ist eine rein private, mein Wissen rein privat angeeignet, lediglich dadurch, dass ich halt Filme sehe und vielleicht mal das eine oder andere Buch zum Thema gelesen habe.

    Zu den Argumenten, ich glaube wir reden oftmals, nicht nur dieses Mal ziemlich aneinander vorbei. Warum weiß ich nicht, aber wo Du mich als pampig empfindest nehme ich einen belehrenden Ton war, der manchmal dogmatisch wirkt. Ein Beispiel: Du meintest neulich, „dass der Horror- und SciFi-Film in ihrer Anlage IMMER reaktionär sind.“ Ich kenne diese Theorie auch, stimme ihr aber nicht zu, breche dann aber auch lieber ab, ehe ich falsch verstanden werde. Immerhin verdiene ich mein Geld auch nicht mit Schreiben, kann mich sicher nicht so präzise ausdrücken und außerdem bin ich nur Gast. Dies ist dann auch der Grund, warum ich nicht auf jeden Satz eingehe, weil ich diesen „Streit“ eigentlich gar nicht wollte, es hat nichts damit zu tun, dass ich Deine Argumente missachte oder gering schätze.

    Zurück zu DAWN. Vielleicht liegt es ja wirklich an meiner Banausensicht, aber wo DAWN so toller sein soll als RISE, ich sehe dies nicht. Für mich ist beides nahezu die gleiche Suppe.

    Handwerklich sind beide nicht schlecht, dies darf bei dem Budget aber auch erwartet werden. Als Schauspieler haben mich Franco und Lithgow mehr erreicht. Auch die Affen hatten für mich mehr „Charakter“ in Teil 1. So wird Caesar in RISE greifbar, sein Reifungsprozess und die Abnabelung von Franco plausibel und nachvollziehbar. Die schöneren Bilder mag es im zweiten Teil geben, aber mich haben die Kampfszenen z.B. eher erschlagen als begeistert. Dabei fing der Film nicht einmal schlecht an. Ich wollte den Film ja auch mögen, immerhin habe ich beide Teile in einem Rutsch gesehen. Und ja, Gut und Böse gibt es auf beiden Seiten, aber dennoch, für mich ist dies einer der Filme, der intelligenter sein will als er wirklich ist. Sicher haben Heerscharen an Beratern am Film mitgewirkt und ich bin ganz sicher keine Dian Fossey, aber dass z.B. bei Schimpansen auch die Weibchen jagen oder dass Primaten im Allgemeinen keine festen Schlafplätze anlegen weiß sogar ich. Wenn ich also schon einen „realistischen“ Weg einschlage, dann doch bitte nicht nach dieser Küchenwissenschaft. Genau diese Mentalität, ach so wissenschaftlich korrekte Filme zu drehen, die doch nur Halbwissen von sich geben ist es, was mich vom Blockbusterkino so entfernt hat. Genau deswegen z.B. mag ich Gladiator eben nicht, weil hier die Perspektive des Heute über das antike Rom und die Handlungsmotivation jener Römer gestülpt wird. Ohne den Satz, dass man Rom nun dem Volk zurückgeben wolle, wäre der Kitsch vielleicht ja auch noch erträglich gewesen, so aber empfinde ich dies nicht nur als albern, sondern als verlogen.

    Und damit sind wir dann auch bei der Rhetorik von DAWN. Filme wie Mr. Majestyk waren sicher auch oft seicht, vieles was ich mag, ob nun Bronson, Wayne, Eastwood, oder Stallone ist nicht politisch korrekt. Aber die Filme nahmen sich auch nicht so ernst, kamen viel leichter daher, nicht mit einem so sakralen Ernst wie dies heute viele Unterhaltungsfilme tun.
    Vielleich ist DAWN handwerklich wirklich etwas besser als RISE, aus meiner Sicht aber eben marginal. Dafür ist er deutlich länger (für mich zu lang) und lauter.
    Ich habe gar nichts dagegen wenn die Handlung auf einen Bierdeckel passt, aber ich möchte nicht, dass man mir das Stück dann als Shakespeare verkauft.

    Und zu dem Satz der mich so abgestoßen hat. Die Rhetorik ist einfach drüber, es ist eben auch nicht irgendein Comichaft überzeichneter Actionheld. Es ist nicht Dirty Harry, der „Make my Day, Punk“ murmelt, sondern hier wird die Rache/ Tötung damit begründet, Koba sei kein Affe.
    Was ja Unsinn ist. erstens töten zumindest Schimpansen durchaus andere Schimpansen, führen auch in der Realität Kriege miteinander, hier ist sie wieder die pseudowissenschaftliche, aber eigentlich kitschig, kindliche Sicht. Zum anderen ist es nichts anderes als rhetorisch verpackte Rache. Finde ich Rache schlimm? Nein, in so einem Fall wäre es mehr als verzeihlich, aber ich schreibe auch keine Drehbücher und bringe Filme ins Kino, die vorwiegend von jungen (größtenteils nicht filmisch gebildeten und politisch reflektierten) Menschen gesehen werden.
    Für mich ist dies ein Zynismus, der eben so überhaupt nicht in diese hyperkorrekten Blockbuster passen will, sehr wohl aber eine Rhetorik ist, die ja gerade auf der anderen Seite vom Teich in nahezu allen Konflikten 8ob nun nach außen oder innen) angewendet wird.
    Ich unterstelle den Machern nicht einmal eine böse Absicht, aber eine solche Aussage ist schlichtweg dumm.

    Wäre DAWN ein Meisterwerk, ich würde ihm diesen Spruch sicherlich verzeihen. So aber ist ein typischer Blockbuster mit einem für mich unangenehmen Ende. Und dies bleibt logischerweise als letztes haften. Und um ehrlich zu sein, ich kann mich nicht erinnern, dass Bronson und Co. jemals so einen Spruch gebracht haben.

    Ehe ich noch länger ausschweife, ich will Dich auch gar nicht vom schreiben abhalten, breche ich hier ab. Der Streifen erhält so unnötig mehr Aufmerksamkeit als er m.E. verdient. Ich hoffe meine Sicht ist diesmal deutlich geworden, besser geht’s nicht.

    Noch viel Vergnügen beim Hofbauer-Kongress.

  8. Oliver sagt:

    Danke, dass du dir die Zeit für den Kommentar genommen hast.🙂

    Vorab: Ich weiß dich hier als Leser und Kommentator durchaus zu schätzen. Bloß weil wir einmal nicht zusammenkommen und uns vielleicht etwas streiten, heißt das nicht, dass ich dich jetzt im Ganzen aburteile oder so. Leidenschaftlicher Streit ist ja auch wichtig.

    Dass ich manchmal belehrend wirke, höre ich nicht zum ersten Mal. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich manchmal eben versuche, mein Gegenüber zu belehren, wenn ich meine, im Recht zu sein. Das mit dem Aneinander-Vorbeireden kann ich bestätigen. Das wird an deinem Beispiel mit meiner Aussage über den Reaktionismus von Horrorfilmen deutlich. Ich glaube, du magst mir da deshalb nicht zustimmen, weil du die Diagnose von Reaktionismus für negativ hältst. Für mich ist das gar keine wertende Aussage. Ich liebe Horrorfilme. Aber sie bauen eben immer darauf auf, dass da etwas Fremdes ist, das einem Angst einjagt und gegen das man sich wehrt. Dass ich manchmal dogmatisch klinge, ist wahrscheinlich in erster Linie einem rhetorischen Stil geschuldet, der Filmkritik-typisch ist. Wenn man alles immer relativieren und abschwächen würde, bliebe am Ende einfach kaum etwas übrig, womit sich überhaupt die Auseinandersetzung lohnt. Deswegen übertreibe ich manchmal lieber bewusst, um eine Reaktion hervorzurufen.

    Über DAWN bzw. RISE will ich gar nichts mehr sagen. Du findest den einen besser, den anderen scheiße, bei mir ist es eben umgekehrt. Warum ich die Filme so empfinde, wie ich sie empfinde, habe ich geschrieben. Wenn die Argumentation nicht einleuchtend oder nachvollziehbar ist, bedauere ich das. Das ist dann mein Fehler. Aber nochmal erklären will ich das einfach nicht. Es ist jetzt 4 Uhr, ich bin ziemlich angetrunken und die Filme sind für mich mittlerweile „durch“. Sie sind mir nicht so wichtig, dass ich da jetzt noch wahnsinnig viel zu schreiben möchte.

    Nur eine Sache noch, der Knackpunkt unseres Disputs. Du schreibst schon wieder „die Rache/ Tötung [werde] damit begründet, Koba sei kein Affe.“ Das ist schlicht falsch. Die Tötung wird gar nicht begründet. Sie erfolgt, weil Koba den fragilen Frieden und damit die Zukunft seiner Gattung durch sein eigenes Machtstreben und seinen Hass aufs Spiel gesetzt hat. Erst als Koba Caesar daran erinnert, dass Affen laut oberstem Gesetz keine Affen töten – ein Gesetz, dass er selbst zuvor wissentlich gebrochen hat (wenn auch erfolglos) -, um sich selbst zu retten, sagt Caesar den von dir monierten Satz. Koba wird mitnichten getötet, weil er kein Affe ist. (Dann müssten ja auch alle Menschen getötet werden.) Weil er gegen die Handlungsmaximen verstößt, die sich die Affen zum Erhalt ihrer Zivilisation auferlegt haben, hat er das Recht verwirkt, sich selbst auf dieses Recht berufen zu können. Das ist ein entscheidender Unterschied.

    Ich verstehe schon, woran du dich störst: Daran, dass einem Affen das Affesein abgesprochen und ihm so das Lebensrecht genommen wird. Aber erstens erfolgt diese Verurteilung nicht willkürlich, etwa anhand von äußeren Merkmalen, sondern eben aufgrund von Handeln, zweitens spielt der Film ja nicht in einer gefestigten Welt, sondern in einer vorzivilisatorischen. Wie ich schon sagte: Das ist kein triumphales Ende, sondern ein ernüchterndes. Caesar muss erkennen, dass die Affen genauso schlecht sind wie die Menschen. Und zwar anhand seiner eigenen Tat.

  9. Mr. Majestyk sagt:

    Für mich ist es dann auch gut und bereinigt.

    Eines noch zur Aufklärung. Ich störe mich gar nicht am reaktionären Ansatz von Horrorfilmen, noch werte ich dies. Ich finde nur, nicht alle Horror/SF Streifen sind pauschal reaktionär.
    Müssen wir jetzt nicht voll ausdiskutieren (vielleicht gerne später mal), aber ich möchte meinen Standpunkt kurz anreißen, warum ich dies so sehe.

    Die meisten Genrefilme haben durchaus einen reaktionären Ansatz, dem stimme ich zu. Seien es die watch the sky Streifen oder später die Slasher Filme, stets kommt die Bedrohung von außen oder erfolgt aus einer Abweichung. Im Exorzisten muss der aufbegehrende Teenager gemaßregelt werden, in den Slashern überleben jene, die sich an Regeln halten und eben keinen Sex vor der Ehe haben. Manchmal ist dies aber auch nicht so einfach, so kann Ripley dem Alien trotzen, weil sie sich Mutters Anweisungen widersetzt. Andere Filme sind noch ambivalenter. Manchmal ist es dann das System das die Katastrophe erst herauf beschwört und für den Verfall verantwortlich ist. So bei TCM, Soylent Green oder den Filmen Romeros, nebst Epigonen.
    Die Grenzen sind sicherlich nicht immer eindeutig, manche Filme haben aber einen anarchistischen Ansatz, bzw. weisen darauf hin, dass im System Fehler liegen, die in eine Katastrophe oder Apokalypse münden können. Daher empfinde ich diese Filme nicht als reaktionär, was nichts mit Qualität oder Wertung zu tun hat. Ich habe gleichfalls meinen Spaß mit Filmen wie Halloween, The Thing, den Body Snatchers oder Assault, wo eben die Bedrohung in der Abweichung liegt. Auch glaube ich nicht, dass die einen Filme klüger sind als die anderen. Missen möchte ich keinen der genannten.

    Nochmals ganz kurz zurück zu DAWN, vielleicht habe ich überreagiert und gehe nun zu scharf mit dem Film ins Gericht. Erstaunlicherweise habe ich in mein Filmtagebuch eine gar nicht mal so schlechte Wertung eingetragen. Im Gedächtnis haften geblieben ist bei mir nur der Schluss. Vielleicht ist es auch die Rezeption all dieser Blockbuster die mich stört. Da werden mittlerweile hunderte Millionen in einzelne Filme investiert und diese als Meilensteine gefeiert (aus kommerziellen Gründen), dabei verpuffen diese Streifen recht schnell und sind selten so klug wie sie aussehen. Wenn ich dann daran denke, wie viel gute Filme z.B. ein Carpenter bzw. Romero für all diese Unsummen hätte inszenieren können und wie diese Leute sich ihr Budget zusammenkratzen müssen/ mussten, dann stimmt mich das traurig und macht mich auch wütend. Und die breite Masse feiert diese überproduzierte Dutzendware dann auch noch ab, Klassiker werden als dagegen als lahm empfunden und müssen bei Wiederaufführung natürlich aufgepeppt werden, ergänzt, neu geschnitten, in 3D und am besten noch mit Rüttelsitzeffekt.
    Dabei entsteht der größte Zauber von Filmen oder Kunst allgemein doch im Kopf und braucht eher Phantasie als Perfektion.
    Meine persönliche Meinung, aber so hoffe ich, vielleicht finden wir hier wieder zusammen.

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