15. hofbauer-kongress: paris erotika (josé bénazéraf, frankreich/usa 1963)

Veröffentlicht: Januar 8, 2016 in Film
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21205José Bénazéraf hat sich mit Vorführungen von ST. PAULI ZWISCHEN NACH UND MORGEN, COVER GIRLS und L’ÈTERNITÈ POUR NOUS zu so einer Art Kongress-Heiligen entwickelt, dessen Filme von allen (zumindest fast allen) Besuchern mit großer Vorfreude und Spannung erwartet werden. Sein im unnachahmlichen Hofbauer-Kommando-Stil als „Strip-und-Strap-Film“ angekündigter PARIS EROTIKA (deutscher Titel: TABUS DER NACKTEN) war zum ersten Mal eine milde Enttäuschung – bei der ich mich allerdings so wohl fühlte, dass ich zum zweiten Mal an diesem Abend sanft entschlummerte.

Der Film ist eigentlich nicht viel mehr als eine Collage von (sehr ansehnlichen) Striptease-Tänzen, die durch einen losen erzählerischen Faden verbunden und zusammengehalten werden. Protagonist des Films ist ein schmieriger, bonziger, ultimativ vulgärer amerikanischer Geschäftsmann (Dick Randall), der sich auf Geschäftsreise kopfüber ins Pariser Nachtleben stürzt, um wenigstens einer der schließlich in aller Welt als liebestoll und stets bereit bekannten Pariserinnen aufzugabeln. Die zeigen sich von seinen plumpen Heranwanzungen allerdings nur sehr wenig begeistert, und der immer wieder bemühte Hauptwitz des Filmes besteht aus der Schere zwischen dem, was die Kamera zeigt, und dem, was der Voice-over-Erzähler als Verbündeter des Protagonisten berichtet. PARIS EROTIKA ist in diesen erzählerischen Szenen kaum mehr als eine Sketchshow, die zudem völlig stumm bleibt, das heißt ohne echte Dialoge auskommt, und ca. 90 Prozent der Witze sind eigentlich völlig unwitzige Rapejokes, die wirklich nur im unschuldig-frivolen Ambiente eines solchen Sechzigerjahrefilms goutierbar sind: Der Amerikaner ist eine unbeherrschter Grabscher, der jede Dame als Freiwild und potenzielle Eroberung ansieht, sie mit Zigarrenrauch anpafft und seine hilflosen Späße mit ihnen treibt, die aber völlig wirkungslos an seinen Opfern abprallen. Natürlich lässt er sich davon nicht abhalten und auch der ironische Voice-over verklärt die brachialen Attacken zum Ausruck von Charme eines weltgewandten Gentlemans. Klar, er ist ein Ekel, aber wirklich verurteilt wird er auch nicht. Was soll ein Mann gegen diesen geballten Sexappeal denn auch tun? Irgendwie führte das ganze dann zu einer höchst bizarren, statisch gefilmten Szene, in der ein orientierungslos herumstreunender Pudel alle Aufmerksamkeit von den handelnden Personen ab- und auf sich zog. Das schallende Gelächter des Auditoriums riss mich aus meinem Schlaf und wenig später war PARIS EROTIKA dann auch vorbei. Was von ihm ganz gewiss bleiben wird, ist der Eindruck dieser wunderschönen Striptease-Tänzerinnen, die in Rotlicht getaucht und in Überlebensgröße vor mir (ich hatte in der ersten Reihe Platz genommen) ihre Show abzogen. In dem Geisteszustand, in dem ich mich mittlerweile befand, hätte der Film die Komikeinlagen eigentlich gar nicht gebraucht.

Als kongenialen Vorfilm gab es einen deutschen, ja, ähm, „Aufklärungskurzfilm“ namens BEVOR DER STRIP STIRBT von 1966, der sich im Stil späterer Reports mit dem „erotischen Modetanz“ befasste und putzige Einblicke in der Leben paarungsbereiter Deutscher zur Nachkriegszeit offenbarte. Auch hier gab es einen Voice-over-Kommentar, der mich ein wenig an Heinz Sielmann erinnerte, nur dass dessen Vortrag eher selten aus schlechten Schüttelreimen bestand. Sehr unschuldig, sehr naiv, sehr süß, dann aber doch mit unerwarteter Nacktheit, die man allerdings nur in einer Überblendung durch die Unschärfe eines gefüllten Sektglases zu sehen bekam. Toll!

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