seas beneath (john ford, usa 1931)

Veröffentlicht: Januar 14, 2016 in Film
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o7hy4ubsuzojrtbilhqadorkpylIm letzten Jahr des Ersten Weltkriegs läuft ein sogenanntes „Mystery Ship“ mit einer Besatzung junger, unerfahrener Matrosen und Navy-Kanonieren Richtung Spanien aus. Es ist getarnt als harmloses Handelsschiff, führt aber eine mit einem Aufbau getarnte Kanone mit sich und hat ein U-Boot im Schlepptau. Commander Bob Kingsleys (George O’Brien) Mission hat zum Ziel, das U-Boot des deutschen Baron Ernst von Steuben (Henry Victor) anzulocken und dann zu attackieren. In einem deutschen Hafen auf den Kanarischen Inseln versuchen seine Leute, den Gegner auszukundschaften. Dabei verliebt sich Kingsley in Anna Marie (Marion Lessing), die Schwester von Steubens, und der junge Fähnrich Cabot (Steve Pendleton) bändelt mit der Sängerin Lolita (Mona Maris) an. Die arbeitet aber als Spionin für den Feind, der bereits Lunte gerochen hat …

Im Netz lässt sich leider nicht viel über SEAS BENEATH finden: Die Wikipedia-Seite besteht aus einer Mini-Zusammenfassung und der Stabliste. Auch das mir zur Verfügung stehende Buch von Tag Gallagher, „John Ford: The Man and his Movies“, weiß nicht viel zu sagen, beklagt in wenigen Sätzen die klischierten Charakterzeichnungen und die Darbietung von Marion Lessing (die Ford wohl vom Studio aufgezwungen wurde), weiß außerdem, dass die Fox den Film gegen den Wunsch des Regisseurs umschnitt (eine deutsche Fassung zeigt Szenen, die in den USA nicht enthalten waren), und lässt sich sonst vor allem über Fords Realismus aus. Der kommt in erster Linie in den Szenen auf hoher See zum Ausdruck, die den sensiblen Betrachter durchaus seekrank machen können. Aufnahmen, die offensichtlich mit einer auf dem Deck eines U-Boots befestigten Kamera beim Auftauchen gemacht wurden, sind auch heute noch spektakulär, dürften 1931 aber geradezu revolutionär gewesen sein. Und das Finale, in dem sich die beiden Schiffe mit schweren Geschützen beschießen, dass das Wasser nur so spritzt und die Einschläge in den Ohren klingeln, ist von immenser Physis und fast dokumentarischer Unmittelbarkeit.

Fords Film darf darüber hinaus vor allem hinsichtlich seiner klaren dreiteiligen Struktur als absolut wegweisender Beitrag zum Actionfilm betrachtet werden. Zunächst lernt der Zuschauer die Mission, die Besatzung und die Eigenheiten des „Mystery Ships“ kennen. Eine Prise Humor schweißt einem die schrulligen Typen – etwa den alten Kanonier „Guns“ Costello (Walter C. Kelly), einen vierschrötigen Iren, der den Jungspunden mit Vorliebe von seinen „Heldentaten“ in der Vergangenheit berichtet, den etwas begriffsstutzigen „Lug“ Kaufman (Warren Hymer) oder einen gerade erst den Kinderschuhen entwachsenen Matrosen – ans Herz, bevor sie im zweiten Akt an Land gehen. Hier werden die einzelnen Schachfiguren für das Finale in Position gebracht und gleichzeitig die Grundlage für spätere Kriegs- und Commandofilme geschaffen, in denen sich Soldaten getarnt in die Höhle des Löwen begeben. Wenn die Protagonisten wieder in See stechen, entfaltet sich dann schließlich ein spannungsgeladenes Katz-und-Maus-Spiel in mehreren Tableaus, bevor der krachende Showdown klare Verhältnisse schafft. Der oben zitierte Hinweis auf die eindimensionalen Figuren ist nicht ganz falsch: George O’Brien gibt den tapferen, zupackenden Recken, einen all-american boy, der noch einem militärischen Ehrenkodex verpflichtet und zu seinen Untergebenen wie ein großer Bruder ist. Brüche darf man nicht unbedingt erwarten, dafür aber ein absolutes Bild von einem Mann, der mit geschwellter Brust den Horizont absucht und dessen Hose sich eindrucksvoll zwischen den Beinen spannt: Prototyp des Actionhelden, dem Ford mit SEAS BENEATH das passende Betätigungsfeld geschaffen hat.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Tja, witzig, UNTER DER SEE ist im Grunde ein konventionellerer Abklatsch von MWW. Hier wird schon viel zu sehr mit Standards gearbeitet, inklusive Liebesgeschichte, die durch den Schluss wenigstens etwas unterwandert wird und Einbettung in den ersten Weltkrieg. Leider kam es bei dem Film zum Zerwürfnis zwischen Ford und O’Brien.

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