petey wheatstraw (cliff roquemore, usa 1977)

Veröffentlicht: Januar 29, 2016 in Film
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MPW-54312Ein Film der vertanen Chancen: Die Grundidee, einen typischen, vor Selbsstbewusstsein überschäumenden Blaxploitationhelden nach dem Schluss eines faustischen Pakts gegen den Teufel (G. Tito Shaw) antreten zu lassen, ist eigentlich sehr komisch, vor allem weil sich dieser Held, Moores Komiker Petey Wheatstraw, von der Gegenwart des Leibhaftigen so rein gar nicht beeindruckt zeigt, aber PETEY WHEATSTRAW macht viel zu wenig aus seinem Potenzial. Der Film ist schon halb rum, bevor der Deibel zum ersten Mal auftritt, bis dahin schleppt er sich durch eine recht müde Gangster-Geschichte, die deutlich weniger einnimmt als Moores zuletzt besprochene Werke DOLEMITE, THE HUMAN TORNADO oder DISCO GODFATHER.

Moore und Roquemore machen vor allem den Fehler, sich an „echtem“ Humor zu versuchen, anstatt ihn bloß als natürliches Ergebnis der kruden Produktionsbedingungen entstehen zu lassen. Wenn zu Beginn gezeigt wird, wie der Titelheld geboren wird, ein tatteriger Arzt ihn als bereits ganz gut gewachsenen Zwölfjährigen als Nachgeburt einer Melone aus dem Leib der kreischenden Mutter holt, ist das sicherlich eine ganz putzige Idee, die aber dank der unbedarften Inszenierung und der mäßig begabten, hoffnungslos overactenden Schauspieler nahezu wirkungslos verpufft. Der Plot um einen Gangsterboss, der die Comedy-Club-Betreiber Leroy (Leroy Daniels) und Skillet (Ernest Mayhand) dazu zwingt, ihren Konkurrenten Petey Wheatstraw auszuschalten, ist auch nur mäßig aufregend und führt zu nix. Interessant wird es erst, wenn Moores Held nach seiner Exekution beim Teufel vorstellig wird und der ihm gegen eine Gefälligkeit die Rückkehr aufs Erdenrund verspricht: Er soll als Gegenleistung seine leider potthässliche Tochter heiraten und ihm einen Sohn schenken. Wheatstraw schlägt ein, aber er denkt natürlich im Traum nicht daran, eine Frau zu ehelichen, die so hässlich ist, dass „she could scare off a hungry bulldog from the top of a meat truck“. Den Zauberstab, dem ihm Lucifer mit auf den Weg gegeben hat, benutzt er aber, um sich gegen seine Widersacher zu behaupten und im Ghetto für Ordnung zu sorgen. In einer Szene hüpft er freudig in Zeitlupe durch die hood, nachdem er eine fette Frau in eine schlanke verwandelt haat, in einer anderen bürstet er einem Kleinkind, das er vor einem herannahenden Auto gerettet hat, mit einem Kamm grob den Afro, bis es bitterlich weint. Mir scheint, die Tränen waren nicht gespielt. Irgendwann meldet sich der Teufel zurück, um die Einhaltung des Deals einzufordern, aber Wheatstraw lässt sich nicht einschüchtern, sondern baldowert mit seinen Kumpels einen Plan aus, wie er den Teufel hereinlegen kann. Höhepunkt des Films ist eine ausgedehnte Keilerei gegen die Armee des Dunkelfürsten, jämmerliche Spargeltarzane mit Kot in der Fresse, angeklebten Papphörnern auf dem Kopf sowie albernen Capes und Strumpfhosen, angeführt von einem Teufel im James-Brown-Bodysuit. Da löst PETEY WHEATSTRAW endlich ein, was seine Prämisse versprochen hat, allerdings ist es das bereits zu spät. Als krachlederne Burleske und als einer jener Vertreter jener kuriosen Blaxploitation/Horror-Crossovers ist Moores Schauermär durchaus ganz interessant, aber zu einem guten Film macht ihn das leider nicht. Schade drum.

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