django nudo und die lüsternen mädchen von porno hill (byron mabe, usa 1968)

Veröffentlicht: Februar 3, 2016 in Film
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tumblr_mqsuxorxcs1s4km0ro1_500Für diesen Film mache ich eine Ausnahme von meiner Regel, stets den Originaltitel als Überschrift zu wählen. Der Grund ist folgender: BRAND OF SHAME, wie DJANGO NUDO eigentlich heißt, ist ein unfassbar schäbiger, ultra-dilettantischer Sexwestern US-amerikanischer Herkunft, der von Produzent Erwin C. Dietrich für seine deutsche Verwertung mit einer Synchronisation veredelt wurde, die die drallen Unzumutbarkeiten des Films ganz offensiv angeht und ihn so auf Meta-Metaebenen emporhebt, where no man has gone before. Anstatt mit einer handelsüblichen deutschen Fassung von BRAND OF SHAME, hat man es bei DJANGO NUDO also eher mit einem Seelenverwandten von WHAT’S UP TIGER LILY? zu tun, für den Woody Allen bekanntlich einen japanischen Agentenfilm neu montierte, mit einer parodistischen englischen Synchronisation versah und so einen ganz neuen Film schuf. Der Unterschied besteht darin, dass BRAND OF SHAME in seiner Struktur weitestgehend unangetastet bleibt. Man bekommt also durchaus einen hinreichenden Eindruck davon, was für ein jämmerliches Schundprodukt da die Basis bildete, und der Witz besteht darin, dass diese Erkenntnis auch auf der deutschen Tonspur immer mitläuft.

So rattert gut hörbar ein Motor, wenn die aus Pressspan zusammengenagelte Kutsche durch hässliches Ödland fährt, weist Held Django (Steve Stunning) seine weibliche Begleitung bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die langweilige Steppentristesse beharrlich auf die kargen örtlichen Attraktionen hin – namentlich Steine und Gräser -, wird das animalische Gegrunze der Akteure in den traurigen Sexszenen vom Knarzen und Quietschen der Betten übertönt, und lässt die Synchro ihr Übersetzungshandwerk irgendwann schließlich ganz fallen und kommentiert als Voice-over die Rammdösigkeit der Handlung mit großer Offenherzigkeit. Willkürliche Zensurpiepser übertönen obszöne Ausdrücke und wenn das Gerödel der wenig ansehnlichen Darsteller allzu deprimierend wird, wird das Bild kurzerhand ausgeblendet. BRAND OF SHAME ist aber auch ein wahrhaft bemitleidenswertes Stück belichteten Zelluloidabfalls, für das der Ausdruck „Film“ deutlich zu hoch gegriffen scheint. Der an Parkinson leidende Kameramann kämpft während der gesamten Spieldauer damit, einen halbwegs geeigneten Bildausschnitt zu finden, schneidet ständig irgendwas ab, und filmt auch schon mal bedeutungsschwer ins Niemandsland hinein. Manchmal drängt sich der Verdacht auf, er sei während der Arbeit eingeschlafen: Im günstigsten Fall sind die Bilder meist nur unmotiviert, weit häufiger einfach zum Kotzen hässlich. Dazu gesellt sich die hier besonders stark ausgeprägte Eigenheit solcher Billigheimer, total unwichtige Szenen doppelt so lang dauern zu lassen wie es eigentlich nötig gewesen wäre: Da stolpern die Darsteller andächtig von links nach rechts durchs Bild, werden mitleid- und gnadenlos bei ihrer brotlosen Kunst festgehalten.

Das Leben verkommt so unter der „Regie“ von Byron Cade zur tragischen Banaliade, bei der ausnahmslos alle sich zum Horst machen. Das gilt für Held Django, dessen selbstzufriedenes Grinsen von der Synchro konsequent mit selbstentlarvenden Sprüchen unterwandert wird, aber auch für sein love interest (Carah Peters), dessen unechte Brüste bei mir regelmäßig für dieses Zischen sorgten, das entsteht, wenn man die Luft zwischen zusammengebissenen Zähnen einzieht. Der schwarz gekleidete Schurke, der die beiden henchmen Rosenkohl und Güldenstern (der eine ein beschränkter Dummkopf, der andere eine ständig jammernde Schwuppe) befehligt, sowie die überwiegend für den unmotivierten Sex eingebauten Prostituierten, kommen kaum besser weg. Lediglich wenn „Bumsi“ und „Bumso“ auftauchen, ein Pärchen, das in einer Art Rahmenhandlung verzweifelt versucht, zum Stich in freier Wildbahn zu kommen, aber immer vom eigentlichen Plot gestört wird, darf man etwas auftamen, was wohl auch daran liegt, dass diese Szenen ganz offenkundig woanders gedreht wurden und auch farblich weniger vermatscht und überbelichtet aussehen. Ansonsten sorgen die schon erwähnte höchst suboptimale Kadrierung und die ultraschlampigen Settings dafür, dass man sich in „Porno Hill“ geradezu eingesperrt fühlt. DJANGO NUDO ist durchaus als klaustrophobisch zu bezeichnen, selbst wenn er unter freiem Himmel und in der Steppe spielt. Der ganze Film hat was von einem schlechten Albtraum, wie man ihn vielleicht erlebt, wenn man total vollgefressen in ungünstiger Haltung und bei auf höchster Stufe laufender Heizung einpennt. Dass er von jemandem im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gedreht worden sein könnte, gibt zu denken. Ebenso, dass die komplett freidrehende Synchro wahrscheinlich das einzige ist, was die körperliche und geistige Unversehrtheit des Zuschauers bewahrt.

 

Kommentare
  1. Faniel Dranz sagt:

    „Nirgendwo ein lauschig´ Plätzchen…Moos, oder so…“

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