emanuelle e françoise (le sorelline) (joe d’amato, italien 1975)

Veröffentlicht: Februar 6, 2016 in Film
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emanuelle-e-francoise-le-sorelline-movie-poster-1975-1020705807In Deutschland unter dem malerischen Titel FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT vermarktet, stellte Joe D’Amatos EMANUELLE E FRANCOISE 1975 einen der frühen Versuche dar, sich an den Welterfolg von Just Jaeckins EMMANUELLE anzuhängen. Die Parallelen zwischen beiden Filmen erschöpfen sich aber in kosmetischen Aspekten: Man kann in den beiden Hauptdarstellerinnen Patrizia Gori und Rosemarie Lindt unterschiedliche Züge ihres Vorbilds Sylvia Kristel erkennen – die Gori entspricht mit ihrem Bubikopf dem Bild der jungen, unerfahrenen Emmanuelle aus Jaeckins Film, die Lindt hingegen der in Liebesdingen erfahrenen und „abgebrühten“ Version, zu der diese sich im Verlauf der Vorlage entwickelt -, zudem beschreitet auch D’Amato den schmalen Grat zwischen erotischer Experimentierfreude und körperlicher, sadomasochistischer Gewalt. Zum Ende hin entwickelt sich EMANUELLE E FRANCOISE zum Horrorfilm, bei dem der ca. drei Meter große George Eastman schon einmal für seine spätere Jahrundertrolle als „Man-Eater“ Nikos Karamanlis üben kann.

Er spielt Carlo, ein Bild von einem Mann, aber leider auch ein gewohnheitsmäßiger Spieler und Frauenheld, der nur wenig von Treue hält. Als seine Freundin, die niedliche Françoise (Patrizia Gori) ihn mit einer anderen im Bett erwischt, schmeißt er sie höchst grob und ohne Rücksicht aus der Wohnung. Die Arme, die während ihrer Beziehung mit Carlo zahlreiche Demütigungen über sich ergehen lassen musste, weiß weder ein noch aus und schmeißt sich vor lauter Kummer kurzerhand vor einen Zug. Anlässlich ihrer Beerdigung kommt ihre Schwester Emanuelle (Rosemarie Lindt) in die Stadt – und sinnt auf Rache. Als sie Carlos Treiben auf die Schliche kommt, ködert sie ihn mit ihren weiblichen Reizen, überwältigt ihn, setzt ihn unter Drogen und sperrt ihn in ihrem Haus in eine schalldicht versiegelte Kammer, von der aus er durch einen Einwegspiegel nach draußen schauen kann. Die Orgien, die sie für ihn zelebriert, treiben ihn schier in den Wahnsinn …

Sehr viel gediegener und „erzählerischer“ inszeniert, als man es von späteren Filmen D’Amatos kennt, reiht sich EMANUELLE E FRANCOISE nahtlos in die seinerzeit reüssierenden freigeistig-psychedelischen Sexfilme ein, in denen der Sturz in die körperliche Lust meist mit seelischen Verheerungen einhergeht. Es verwundert daher auch nicht, dass der Film gegen Ende hin immer wilder wird, die Wahnvorstellungen Carlos sich untrennbar mit der Realität vermischen, ein audiovisueller Rausch fast alle Spuren einer linearen Erzählung hinwegspült. EMANUELLE E FRANCOISE kulminiert in einer ganzen Reihe von Halluzinationen Carlos, am schönsten in einem von ihm im Delirium beobachteten Festmahl, bei dem sich Emanuelles Gäste erst rohes Fleisch einverleiben, sich dann gegenseitig unter dem Tisch masturbieren und schließlich übereinander herfallen, während Carlo in seinem Gefängnis nichts anderes tun kann, als sich in seine pochende Erektion zu verkrallen. Es wird immer klarer, dass Emanuelle die Kontrolle über das Spiel, das sie mit ihrem Opfer spielt, verlieren wird, der Druck, dem sie Carlo aussetzt, unweigerlich zum Ausbruch führen muss, und so kommt es dann auch im blutrünstigen Giallo-Finale. Natürlich darf auch Carlo nicht ungeschoren davonkommen, also hat sich D’Amato für ihn eine makabre Schlusspointe ausgedacht, die etwas an die Kurzgeschichten aus der Reihe ALFRED HITCHCOCK PRESENTS oder ähnlicher Formate erinnert. Das Ende ist nicht wirklich überraschend, aber das spielt keine Rolle. George Eastman (ohne Bart) ist eine Schau, wird von D’Amato meist so eingefangen, dass er noch größer wirkt, als er ohnehin schon ist, und als „normaler“ viriler Kraftprotz fast noch furchteinflößender als als Menschenfresser, Endzeitkrieger oder Psychopath. Der Reiz, diesen aus einem Marmorblock geschlagenen Titan dabei zu beobachten, wie er von einer zu allem entschlossenen Frau an den Rand des Wahnsinn und der Ohnmacht geführt wird, trägt den Film mit Leichtigkeit über seine gesamte Laufzeit. Spitze!

 

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