i maniaci (lucio fulci, italien/spanien 1964)

Veröffentlicht: Februar 11, 2016 in Film
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40915I MANIACI (zu Deutsch: Die Verrückten) ist Fulcis neunte Regiearbeit und, wie eigentlich alle seine frühen Filme, eine Komödie (die IMDb listet lediglich den unmittelbar vorangegangenen GLI IMBROGLIONI als „Drama“), genauer gesagt eine Sketchsammlung. Alle Episoden bekommen eine eigene Titeleinblendung und variieren in der Länge stark: Das kürzeste Segment, „Lo sport“, dauert nur wenige Sekunden, längere, wie etwa „La parolaccia“ oder die Schlussepisode „Il Week-end“ kommen auf Kurzfilmlänge. Inhaltlich geeint werden sie durch den kritischen, sozialistisch geprägten Blick auf das moderne Leben, auf den Kapitalismus, auf die Dekadenz (und Dummheit) der Reichen. Mit der intellektuellen Schärfe eines Elio Petri hat I MANIACI indessen rein gar nichts zu tun: Fulcis Film entspringt der eher burlesken Tradition der Commedia all’Italiana, was nicht zuletzt durch das Auftauchen des beliebten Komikerduos Franco & Ciccio in der letzten Episode unterstrichen wird. Mit dem Abstand von 50 Jahren wirkt I MANIACI mithin sowohl formal wie auch inhaltlich mehr als nur etwas angestaubt, manche Sketche lassen den Feinschliff vermissen oder ergehen sich notgedrungen in mittlerweile abgenudelten Klischees, die zwar die „richtige“ Gesinnung verraten, aber eben auch den Blick auf die Wirklichkeit verbauen, anstatt ihn zu öffnen. Der Fairness halber sei gesagt, dass es nahezu unmöglich ist, diese Komödie ohne Kenntnis der itaienischen Sprache angemessen zu beurteilen, weil jeglicher Wortwitz logischerweise verlorengeht, wenn man nur die schmucklosen Untertitel zur Verfügung hat.

Mir hat I MANIACI aller Schwächen zum Trotz durchaus Spaß gemacht: Langeweile kommt dank der Episodenform kaum auf, ein Wiedersehen mit SchauspielerInnen wie Barbara Steele oder Enrico Maria Salerno ist immer erfreulich, der Film bietet einen guten Einblick in die italienischen Befindlichkeiten in jener Zeit und der Soundtrack von Meister Morricone swingt dazu sehr angeregt. Die schönsten Episoden sind „Il pezzo antico“, in der ein ekelhaft materialistisches Ehepaar auf Antiquitätenjagd geht und in einem Kloster fündig wird, wo es das ganze Inventar inklusive Kruzifix fürs Eigenheim zu einem sensationellen Spottpreis ersteht – zumindest glaubt es das. Die Pointe zeigt nämlich den Mönch (Umberto D’Orsi), wie er beim Möbelgroßhändler anruft und die ganze Ausstattung einfach noch einmal bestellt, weil wieder irgendwelche bescheuerten Neureichen ein Heidengeld dafür hingelegt haben. In „La parolaccia“ sucht Ilario Baietti (erneut Umberto D’Orsi), ein aufstrebender Schriftsteller aus einfachen Verhältnissen, den berühmten Autor Castelli (Enrico Maria Salerno) in seiner Prachtvilla auf, um ihn um Rat zu fragen und um eine Begutachtung des neuen Manuskripts zu bitten. Der vermeintliche Dichter erweist sich als knallharter Zyniker, der dem ambitionierten Dichter rät, seine Geschichten weiter aufzusexen, um so das „System von innen zu zersetzen“, wie er sich ausdrückt. Baietti folgt seinem Ratschlag, nur um dann ausgerechnet von Castelli für seine Geschmacklosigkeiten verrissen zu werden. Das Nord-Süd-Gefälle ist das Thema von „L’autostop“, in der ein reicher Geschäftsmann aus dem Norden einen Emigranten aus dem Süden vom Straßenrand aufliest. Das folgende Gespräch der ungleichen Männer wird immer wieder per Voice-over von ihren Gedanken unterbrochen, in denen ihre auf Vorurteilen beruhenden Ängste zum Vorschein kommen: Der arme Süditaliener ist für den vornehmen Unternehmer natürlich ein ungepflegter, ungebildeter Strauchdieb, möglicherweise gar Schlimmeres, während der Anhalter seinen Günstling schließlich irgendwann für einen Perversen hält. Am Ende ergreifen beide vor dem jeweils anderen die Flucht.

Aber irgendwie spricht es Bände, dass ich die eigentlich eher unrepräsentative finale Slapstick-Epsiode mit Franco & Ciccio am schönsten fand. Hier schlägt das Herz des Films, der gern politisches Kabarett wäre, aber eben doch noch mit anderthalb Füßen im volkstümlichen Theater steht. Die beiden Komiker sind zwei Einbrecher, die bei der Ausübung ihres „Berufs“ erst von einem Liebespaar, dann vom Hausherrn und seiner Geliebten überrascht werden. Es entspinnt sich das typische Versteck- und Verwechslungsspiel, das sich über mehrere Räume erstreckt, in denen immer neue „Gefahren“ lauern, mit genau jenen Verrenkungen und Grimassen, die solch eine Prämisse erwarten lässt. Franco hat wahrhaftig eine Fresse für die Ewigkeit, aber auch Nebendarsteller Ugo Fangareggi ist toll, weil er ein Kinn besitzt, auf dem mancher Stadtstaat Platz hätte. Dem Sketch geht gegen Ende ziemlich die Puste aus, was sich auch auf I MANIACI insgesamt übertragen lässt. Fazit: Netter Zeitvertreib für Liebhaber der italienischen Komödie, in erster Linie aber wohl für Fulci-Komplettisten (und Barbara-Steele-Fans) interessant. Kann man mal machen.

 

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