sheena (john guillermin, großbritannien/usa 1984)

Veröffentlicht: Februar 12, 2016 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

sheena_reine_de_la_jungleNach John Dereks unglaublichem TARZAN, THE APE MAN konnte ich an diesem kaum weniger bizarren Leicht-bekleidete-Schönheit-im-Urwald-Film einfach nicht vorbeigehen. Es ist immer wieder erstaunlich, was man sich in den Achtzigerjahren noch leistete: SHEENA ist ohne Frage – man muss sich nur den Titelschriftzug auf nebenstehendem Poster anschauen – inspiriert vom bahnbrechenden Erfolg von Spielbergs RAIDERS OF THE LOST ARK, der längst für überkommen gehaltene Stoffe wieder hoffähig machte, vor allem eben solche an alten Serials, Comicstrips oder Pulp Novels angelehnten Abenteuerfilme mit viel Exotismus, Kolonialismus bzw. Rassismus und Sexismus. John Guillermin hatte mit THE TOWERING INFERNO oder KING KONG Erfahrung mit aus der Zeit gefallenen, gegen jede Vernunft überproduzierten Geschmacksverirrungen gesammelt und war somit geradezu prädestiniert für SHEENA, der auf der langlebigen Comicserie von Will Eisner und Jerry Eiger bzw. auf der nach diesem Vorbild produzierten Fernsehserie basiert (Anfang der 2000er wurde eine neue Serie produziert).

Titelheldin ist eine Art weiblicher Tarzan, die Tochter eines US-amerikanischen Wissenschaftlerpärchens, das während ihrer Forschungsarbeiten bei einem (durch akute Dummheit der Frau verursachten) Unglück in Afrika ums Leben kommt. Die Tochter, die die beiden einfach mitgenommen hatten (als Vater weiß ich, wie schwer es ist, sein ca. dreijähriges Kind für mehrere Wochen am Stück irgendwo unterzubringen), wird daraufhin vom Stamm der Sambuli aufgenommen, die in ihr die Erfüllung einer uralten Prophezeiung sehen. Sheena reift in ihrer Obhut zur attraktiven jungen Frau (Tanya Roberts), die mit Messer, Speer und Bogen umgehen und außerdem Tiere via magischer Kräfte befehligen kann. Diese Fähigkeiten braucht sie auch, denn als der amtierende König des afrikanischen Staates mit einem Pfeil umgebracht wird, beschuldigt man Sheenas Ziehmutter, die Schamanin (Elizabeth of Toro) der Sambuli, die durch einen Zufall, wie sie nur in solch naiven Filmen vorkommen, mit einem Flitzebogen just zur Tatzeit am Tatort war, aber natürlich unschuldig ist. Sheena eilt ihr mit Elefant zu Hilfe und kann sie befreien, zieht infolgedessen eine ganze Horde schwer bewaffneter Schergen hinter sich her. Natürlich geht der Königsmord auf das Konto dessen Bruders, der selbst an die Macht möchte, dazu aber alle übrig gebliebenen Mitwisser killen muss. Der amerikanische Fernsehreporter Vic Casey (Ted Wass) folgt Sheena, verliebt sich natürlich in die stolze Kriegerin, der alles Moderne fremd ist, und hilft ihr bei ihrem Kampf.

Man muss nicht die Vorlage kennen, um dahinterzukommen, was der Reiz dieses Vehikels ist, ein Blick auf das vom Film existierende Fotomaterial genügt: Die blonde Verlockung Tanya Roberts – ein Jahr später immerhin als Bondgirl an der Seite von Roger Moore in A VIEW TO A KILL zu sehen – posiert da mit stahlblauem Blick im Lederbikini, der beste Aussicht auf die prallen Wunder der Natur bietet. So reitet sie auf einem Zebra (= schwarzweiß angemaltes Pferd) durch die afrikanische Steppe, die blonde Mähne im Wind wehend, die gebräunten Schenkel fest um den dampfenden Rumpf des ungebändigten Wildtieres geschlungen. (Entschuldigung für diese blumige Prosa, aber ich gebe nur die Fakten wieder.) Wenn Sheena nicht mit eregierten Nippeln unter einem Wasserfall steht, um die Schweißperlen von ihrem makellosen Körper abzuspülen, oder nackt, wie Gott sie schuf, in einen See hüpft, um Erfrischung von der heißen Mittagssone zu suchen, schwingt sie sich an Lianen von Baum zu Baum oder packt sich an den hübschen Kopf und kneift die Augen zusammen: So zaubert sie nämlich und bringt dann etwa einen Schwarm Flamingos dazu, einen Helikopter der Bösewichte anzugreifen. Das ist die andere Attraktion des Films: die Flora und Fauna Afrikas, vom einstigen Visconti-Kameramann Pasqualino de Santis in atemberaubenden Bildern eingefangen, die fast vergessen lassen, was für einen Kintopp man hier vor Augen hat. Es ist wirklich unfassbar, welcher immense Aufwand betrieben wurde, um diese rammdösige Geschichte zu erzählen, zudem ohne jeden ironisierenden Humor. Die nicht gerade übermäßig begabte Tanya Roberts gibt alles und man ist fast etwas peinlich berührt von ihrer Darbietung, die nicht den Anschein erweckt, als sei sie sich im Klaren darüber gewesen, dass Sheena nicht die Rolle ist, mit der man sich für eine Karriere als Shakespeare-Darstellerin empfiehlt. Auch Robert Hartleys hymnischer Score, eine Mischung aus typischen, eher orchestralen Klängen und einem Gänsehaut erzeugenden Synthie-Titelthema, ist streng genommen verschenkt für solchen Quatsch. Aber gerade diese Vereinigung von ungeschlachtem Pulp und technischer Perfektion verleiht SHEENA immensen Reiz, der dem Film über seine unnötig auf zwei Stunden aufgeblähte Spieldauer hilft. Spannend ist Guillermins Werk nicht im geringsten, aber es gibt eben immer etwas zu gucken, ob das nun Tanya Roberts Prachtkörper in den various states of undress ist (eigentlich sind es nur zwei: ganz nackt oder nur halb angezogen), die Bilder der unendlichen Weite der afrikanischen Steppe oder Actionszenen wie der flammende Überfall der Schurken auf ein Sambuli-Dorf oder der Finalkampf, bei dem Nashörner, Affen, Elefanten und Löwen mitmischen. Es ist einfach verdammt schade, das solch entwaffnener Unfug heute nicht mehr auf diesem Niveau produziert wird. Wahrscheinlich zu uncool. Wir wissen es besser.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s