satan’s sadists (al adamson, usa 1969)

Veröffentlicht: Februar 13, 2016 in Film
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satans-sadistsAl Adamson ist einer der großen Billigheimer der Exploitation-Filmgeschichte: Ein Regisseur, mit dem ich ganz gewiss sympathisiere, dessen Filme ich aber – ähnlich wie die seines Genossen Ted V. Mikels – selten wirklich inspirierend finde. SATAN’S SADISTS ist möglicherweise Adamsons Meisterstück, auch wenn man ihm ganz genau anmerkt, dass es längst nicht nur am Geld mangelte, sondern auch am inszenatorischen Geschick. Es knirscht gewaltig im Getriebe und nach einem geradezu fulminanten ersten Drittel versumpft der Film in unzähligen Lauf- und Fahrszenen, die keinen anderen Zweck haben, als die Geschichte auf kinotaugliche 80 Minuten zu strecken.Adamson wusste einfach nicht mehr weiter und alle potenziell interessanten Ansätze werden fahrlässig liegengelassen, um sich ganz auf jene Aspekte zu konzentrieren, die man eben für besonders zugkräftig hielt, allen voran natürlich Sex und Gewalt.

Aber das fällt bei diesem Bikerflick ehrlich gesagt gar nicht allzu negativ ins Gewicht, im Gegenteil: In der moralischen Ödnis, in der sich die Rockergang um den psychopathischen Anchor (Russ Tamblyn) niedergelassen hat, bleibt eben nicht mehr viel anderes übrig, als sich in der sengenden Sonne zuzudröhnen und orientierungslos über Stock und Stein zu stolpern. Dieses ziellose Mäandern hätte nach meinem Geschmack sogar gern noch länger zelebriert werden können, denn bevor sich der erwartete tranceartige Zustand einstellt, den solche Filme als angenehme Nebenwirkung mit sich bringen, findet SATAN’S SADIST dann doch auf seinen ursprünglich eingeschlagenen Plotpfad zurück und läuft auf sein recht erwartbares Ende zu. So gesehen liefert Adamson the best of both worlds: Feiste Asozialität, eimerweise Niedertracht und mit großen Augen und Speichel am Mundwinkel abgefilmte selbstzweckhafte Gewalt sowie eben diese spezielle Ästhetik und konzeptionelle Unterbelichtung des Ultra-Low-Low-Budget-Kinos. Einer wirklich überraschend schockierenden Szene, in der Anchor mitleidlos und völlig aus dem Nichts drei unschuldige Geiseln hinterrücks per Kopfschuss exekutiert, steht so eine andere gegenüber, in der Held Johnny (Gary Martin) mit der braven Tracy (Jacqueline Cole) durch die Berge flieht, sein Fernglas zückt, geschäftig am Schärferädchen dreht, angestrengt durch die Gläser schaut, nur weitere Berge sieht, feststellt, dass da nichts ist, sein Fernglas wieder einpackt und Tracy zum Weitergehen auffordert. Leistet die eine Szene also die totale Verdichtung, werden in der anderen zähe Minuten darauf verschwendet, die totale Bedeutungslosigkeit einzufangen.

Der Coup von SATAN’S SADISTS ist seine Besetzung: Russ Tamblyn, der einst in der WEST SIDE STORY das Tanzbein schwang, ist so untypisch wie überzeugend als psychopathischer Anführer auf misanthropischer Mission, und ihm zur Seite stehen einerseits spätere Exploitationfilmemacher wie Greydon Clark als dauerbreiter Acid und John „Bud“ Cardos als Firewater, mit aufgeklebter Glatze und Irokesenschnitt, andererseits die alten Hollywood-B-Film-Recken Scott Brady und Kent Taylor als Opfer.Die deutsche Synchro gibt sich alle Mühe, beim gebotenen Spektakel mitzuhalten, und schlägt sich beachtlich: Ganz fantastisch, wie ein BH einmal äußerst poetisch als „Puddingschüsseln“ bezeichnet oder Frauen mit dem liebevollen Kosenamen „Krücken“ belegt werden. Das Frauenbild verursacht eh heftigen Schluckauf: Die obligatorischen Vergewaltigungsopfer sind drei Geologie-Studentinnen, die aus der ernsten Wissenschaft einen herrlichen Schabernack machen und eigentlich selbst nicht so genau wissen, warum sie eigentlich Steine sammeln müssen. Aber immerhin haben sie es schon nach kurzer Zeit auf 27 verschiedenen Sorten gebracht, wie eine von ihnen zu berichten weiß. Und auch unter den Rockern gibt es eine Dame, nämlich Gina (Regina Carrol), die Freundin von Anchor, die verzweifelt seinen Zuwendungen hinterherläuft, jedoch ohne Erfolg. Anstatt diesen Penner in die Wüste zu schicken, fährt sie in der dramatischsten Szene mit dem Motorrad in den Freitod, während er sich in einer sehr zoomintensiven Tripszene mit den Geologinnen verlustiert. Ihr merkt schon: Es gibt eigentlich keinen Grund, sich SATAN’S SADISTS nicht anzusehen. Mir hat er gestern im Kino erneut großen Spaß gemacht.

 

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