the legend of hell house (john hough, großbritannien 1973)

Veröffentlicht: Februar 18, 2016 in Film
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legend_of_hell_house_poster_02Wie ich in meinem Text zu Peter Medaks THE CHANGELING schon geschrieben habe, bringen mich Geister- und Haunted-House-Filme nur selten um den Schlaf. Im besten Fall verspüre ich milden Schauder, aber meist nicht einmal das. Vor Gespenstern habe ich keine Angst und während mich des Nachts in der heimischen Wohnung ein Knarzen und Knacken schon einmal nervös macht, funktioniert das auf der Leinwand eher nicht. Das gilt auch für Robert Wises meisterlichen THE HAUNTING, das Vorbild für THE LEGEND OF HELL HOUSE und zahlreiche weitere Spukhausfilme, den ich aber aus anderen Gründen toll finde: Er funktioniert, weil Wise offensichtlich solche Zuschauer wie mich im Sinn hatte, die eben nicht an jenseitiges Walten glauben, dafür aber an das unergründliche Wirken der Psychologie und der Wahrnehmung. Wenn sich fünf komplexbeladene Menschen in einem Haus versammeln, von dem sie wissen, dass es darin spuken soll, dann wird es darin auch spuken.

THE LEGEND OF HELL HOUSE könnte auf den ersten Blick man als „reaktionären“ backlash zu THE HAUNTING bezeichnen, wenn der ganze Film nicht so seltsam off wäre. Er beginnt ohne lange Einführung mit dem Missionsbriefing für den Parapsychologen Dr. Barrett (Clive Revill), der den Auftrag bekommt, das Belasco House zu untersuchen, den „Mount Everest of haunted houses“, wie er selbst es formuliert. Wenige Minuten später trifft er mit den von ihm ausgewählten Personen ein – seine Ehefrau Ann (Gayle Hunnicutt), das Medium Florence (Pamela Franklin) und Benjamin Fischer (Roddy McDowall), der bereits vor 20 Jahren zu Forschungszwecken im Haus weilte und damals nur knapp mit dem Leben davonkam -, und zum minimalistischen, höchst effektiven Score werden die Credits in sachlich anmutenden Lettern eingeblendet. Das ist durchaus paradigmatisch: Hough inszeniert sehr unterkühlt, mit beinahe dokumentarischer Distanz und Ruhe. Nie lässt er sich von der Lust auf Effekte hinfortreißen, behält stets die Kontrolle. Das ist es dann auch, was ich an THE LEGEND OF HELL HOUSE mehr mag als an anderen Filmen seiner Spielart, selbst wenn er mich nie ganz kriegt: dieses Gefühl einer eben noch so unter Verschluss bleibenden, unerklärlichen Urgewalt, von der man nur eben mitbekommt, was über den Deckelrand schwappt, die aber jederzeit mit voller Macht losbrechen könnte.

Houghs Film mag für jemanden, der das ganz große Spukspektakel erwartet, enttäuschend wirken, weil er eben nie so richtig in Fahrt kommt, aber ich finde genau das sehr reizvoll. Es sind die kleinen Sachen, die wirkungsvoll sind, wie eben der kaum vernehmbar brummende Score, das seltsam nüchterne Ende oder die Tatsache, dass die wissenschaftliche Forschungsarbeit schon nach kürzester Zeit fallen gelassen wird. Ich bin kein Drehbuchexperte, aber THE LEGEND OF HELL HOUSE hat eine sehr eigene Dramaturgie: Richard Matheson hat ein Script verfasst, das den Eindruck ziellosen Mäanderns erweckt, aber dennoch sehr konzentriert und zielgerichtet ist. Schwer zu erklären. Ein Detail hat mich gestern besonders irritiert und es ist meines Erachtens nach gut geeignet, die Strategie des Films zu illustrieren. Es gehen vier Menschen ins Haus, was aus dramaturgischer Sicht einer zu wenig ist. Es fehlt das Zentrum, um das sich die Nebenfiguren dann paritätisch gruppieren könnten, es entsteht gewissermaßen ein Vakuum oder ein Ungleichgewicht. In THE LEGEND OF HELL HOUSE ist alles aus den Fugen geraten und genau das macht ihn für mich zu einem so intelligenten Vertreter eines eigentlich extrem konservativen Subgenres.

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