una sull’altra (lucio fulci, italien/frankreich/spanien 1969)

Veröffentlicht: Februar 18, 2016 in Film
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10841Wer Fulcis Einflüsse jenseits des italienischen Kinos kennen lernen will, wird mit UNA SULL’ALTRA fündig, in dem der Regisseur dem großen Alfred Hitchcock und dem Film Noir mit seinen Femmes Fatales seine Reverenz erweist. Die Sichtung des Thrillers lohnt aber auch aus anderen Gründen: nicht nur, um drei hoch attraktiven Darstellern des europäischen Kinos – Elsa Martinelli, Marisa Mell und Jean Sorel – beim erotisch aufgeladenen Intrigenspiel zuzusehen, sondern auch weil es sich bei diesem Werk aus der frühen Hochphase von Fulcis Schaffen um einen seiner visuell schönsten und aufregendsten handelt.

Der Plot vereint, wie oben schon angedeutet, klassische Noir-Motive – Versicherungsbetrug und das In-die-Schuhe-Schieben eines Mordes – mit Anleihen bei Hitchcocks VERTIGO und dessen Vorliebe für den unschuldig Verfolgten. In UNA SULL’ALTRA trifft es Dr. George Dumurrier (Jean Sorel), den Chef einer mit finanziellen Probleme kämpfenden Privatklinik. Als seine wohlhabende, aber ungeliebte Gattin Susan (Marisa Mell) einer langjährigen Krankheit erliegt, scheint der Weg frei für seine Heirat mit der Modefotografin Jane (Elsa Martinelli), seiner langjährigen Geliebten. Dass Susan ihm außerdem eine Million Dollar vererbt hat, nimmt er zwar gern mit, wirft aber auch unangenehme Fragen und Zweifel an seiner Unschuld auf. Als er dann auf die Striptease-Tänzerin Monica Weston (Marisa Mell) aufmerksam gemacht wird, die Susan zum Verwechseln ähnlich sieht, verdichtet sich sein Verdacht, Opfer eines Komplotts geworden zu sein. Zu Recht, wie er erkennen muss, als er wegen Mordes in der Todeszelle landet …

Fulci erzählt seine Geschichte sehr geduldig und ruhig, weniger mit einem stetig ansteigenden Spannungsbogen als vielmehr mit einem sich im letzten Drittel des Films förmlich überschlagenden Handlungsverlauf, der den Protagonisten mit totaler Ohnmacht schlägt und ihm die Teilhabe am Ausgang der Geschichte aus den Händen nimmt. Die Auflösung, der der Zuschauer nicht direkt beiwohnt, sondern die ihm aus zweiter Hand, in Form des Berichts eines Reporters, serviert wird, verstärkt dies noch, lässt außerdem an das umstrittene Ende von Hitchcocks PSYCHO denken – der auffälligste erzählerische Kniff von NA SULL’ALTRA, aber bei Weitem nicht sein einziger. Noch aufregender als die Frage nach dem Täter ist es etwa, sich ganz der vielsagenden visuellen Gestatung hinzugeben. Fulci frönt nicht nur dem damals angesagten psychedelischen Look, er führt die Konflikte des Films auch in der von Gegenüberstellungen lebenden Bildgestaltung auf die Spitze: Immer wieder kämpfen da zwei Charaktere um die Dominanz im Bildkader, wird auch das Liebesspiel als latent aggressiv gezeichnet, nicht als erotisches Miteinander, sondern als ständiges Schwanken und Umstürzen der Kräfteverhältnisse. Schon wie Fulci Marisa Mell in Szene setzt, als ihre männlichen Partner förmlich überragende Naturgewalt, lässt erahnen, dass es für George nicht viel zu lachen geben wird. Nur die nicht minder erotische Elsa Martinelli kann ihr Einhalt gebieten, in einer lesbischen Szene, die den Höhepunkt des Films darstellt und deren erotisches Knistern sich langsam zu einem lautstarken Krachen ausweitet.

Auch wenn der reißerische deutsche Titel NACKT ÜBER LEICHEN es nicht unbedingt vermuten lässt: UNA SULL’ALTRA ist einer von Fulcis allerbesten Filmen. Er lässt den großen Stilisten erkennen und sollte alle, die bisher noch Zweifel an seinen enormen Fähigkeiten hatten, endgültig bekehren.

 

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