krull (peter yates, großbritannien/usa 1983)

Veröffentlicht: Februar 21, 2016 in Film
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krull-1983-originalDie späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre sahen eine ganze Flut mehr oder weniger märchenhafter, effektlastiger und gnadenlos eskapistischer Fantasy- und Science-Fiction-Filme von aufwändigen Blockbuster-Kandidaten aus den USA bis zu ultrabilligen Rip-offs aus Europa. Diese Welle auf eine Initialzündung zurückzuführen, ist aber gar nicht so einfach, wie man gut an KRULL ablesen kann, der zahlreiche Quellen erkennen lässt. STAR WARS dürfte der Ursprung sein, in dessen Gefolge dann Filme wie BATTLESTAR GALACTICA, FLASH GORDON, CONAN THE BARBARIAN, DRAGONSLAYER, RED SONJA, THE DARK CRYSTAL und THE NEVERENDING STORY überhaupt erst möglich wurden, sich die sogenannte Space Opera, der Fantasy- und der Barbarenfilm als eigenständige Genres bzw. Subgenres herauskristallisierten. KRULL, das monierten die Kritiker damals schon, bediente sich bei ihnen allen, kam aber in äußerst edlem Gewand daher. Was dann auch das Problem ist, das ich mit diesem Film hatte.

Die mittelalterlich anmutende Märchenwelt Krull wird aus buchstäblich heitrem Himmel von außerirdischen Invasoren namens „Slayers“ angegriffen. Um den Eindringlingen, deren Stützpunkt eine riesige schwarze Festung ist, die sich in regelmäßigen Abständen an immer neuen Standorten materialisiert, Einhalt zu gebieten, schließen sich die verfeindeten Königreiche Krulls zusammen. Die Heirat des Königssohnes Colwyn (Ken Marshall) und der Prinzessin Lyssa (Lysette Athony) soll ihre neue Allianz festigen. Doch just zum Zeitpunkt der Hochzeit schlagen die Slayers zu und entführen Lyssa. Colwyn macht sich auf den Weg, sie zu befreien und muss dabei – wie es in diesem Genre so üblich ist – viele Gefahren überstehen und Kameradschaften schließen.
KRULL ist inhaltlich genauso derivativ, wie es sich in dieser kurzen Inhaltsangabe liest. In einer flotten Abfolge kurzer Episoden trifft Colwyn auf Gegner, die es zu besiegen oder auf die eigene Seite zu ziehen gilt, auf Hindernisse, die überwunden werden, Kämpfe, die gewonnen werden wollen. Jede dieser Episoden ist dabei an ein anderes, meist mit großem Aufwand der Kulissenbauer gefertigtes Setting oder eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen geknüpft. Colwyn trifft in einem Wald auf den tolpatschigen Zauberer Ergo (David Battley), der sich ständig selbst verzaubert, und einen Zyklopen (Bernard Bresslaw). In einer Schlucht gerät er mit seinen Kameraden in den Hinterhalt von Räubern (darunter Liam Neeson und Robbie Coltrane), die er jedoch auf seine Seite ziehen kann. In einem tückischen Sumpf wird ein Seher aufgesucht, und um den Standort der Festung zu erfahren, muss die „Widow of the Web“ (Francesca Annis) aufgesucht werden, die im Inneren eines Berges in einem Spinnennetz residiert. Was KRULL von vergleichbaren Filmen unterscheidet, sind die überaus gediegene und geschmackssichere Inszenierung, für die kein Geringerer als Peter Yates, als Regisseur von BULLITT immerhin ein wichtiger Erneuerer des Polizei- und Actionfilms, verantwortlich zeichnete. Auch heute noch halten die meisten Spezialeffekte stand, während manch anderer Film dieser Zeit bei heutiger Betrachtung gegenüber damals einige Federn lassen muss.

Aber wie oben schon vorausgeschickt, ist diese Gediegenheit auch das Manko von KRULL, der für den Camp Appeal, den solche Filme brauchen, einfach zu sauber, professionell und glatt daherkommt, für ein „ernstzunehmendes“ Werk, das die Konventionen des Genres transzendiert – wie das etwa Rob Reiners THE PRINCESS BRIDE tut – wiederum konzeptionell zu dünn, zu wenig an echten Innovationen interessiert, zu überzeugt davon, dass seine Geschichte allein das Interesse des Betrachters wachhält. Doch dafür fehlt es KRULL einfach an Spezifizität. Man hat das alles irgendwo anders schon einmal gesehen (zumindest heute) und die Charaktere, die den Film tragen sollten, bleiben blass und uninteressant. Bei einer Spielzeit von zwei Stunden nützen dann auch das hohe Tempo und die opulente visuelle Gestaltung nichts, es hält die Langeweile Einzug.

Aber ich bin mir sicher, dass das alles anders wäre, hätte ich KRULL vor 25, 30 Jahren gesehen. Da hätte er mich sehr wahrscheinlich umgehauen, ich hätte ihn mir dutzende Male angeschaut und würde bei heutiger Betrachtung einem wohlig-warmen Nostalgieschub unterliegen. Insofern hege ich keinen Groll gegen den Film, der schon irgendwie sympathisch ist, für mich aber einfach zu spät kommt.

 

 

 

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