sfida nella città dell’oro (alfredo medori/hermann kugelstadt, italien/deutschland 1962)

Veröffentlicht: Februar 21, 2016 in Film
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derteufelvonkapstadtEin Werk, das einem wieder einmal klarmacht, was man an der gegenwärtigen Filmwelt unter anderem so schmerzlich vermisst: Filme, denen jegliches Verständnis davon, was sie eigentlich funktionieren lässt, abgeht, die in ihrem dramaturgischen, inszenatorischen oder darstellerischen Unvermögen einen hochgradig individuellen, unorthodoxen Zugang zur Materie erkennen lassen, in denen nichts so abläuft, wie man es eigentlich gewohnt ist, und die Welt als Misthaufen der Absurdität und Blödheit erscheint, die einen also ob des Gebotenen schlicht sprachlos zurücklassen.

SFIDA NELLA CITTÀ DELL’ORO oder eben DER TEUFEL VON KAPSTADT ist so ein Film. Eine rätselhafte Kuriosität, an der sowohl der deutsche Heimatfilmer Hermann Kugelstadt als auch der Italiener Alfredo Medori beteiligt waren, der sich später überwiegend als Drehbuchautor betätigen sollte (u. a. für den Giallo LA BAMBOLA DI SATANA). Die IMDb listet als weiteren Regisseur außerdem den renommierten Unterhaltungsfilmer Wolfgang Schleif (u. a. DIE MÄDELS VOM IMMENHOF), der einige Jahre später mit Medori zusammen auch den Krimi DIE SCHLANGENBANDE inszenierte. DER TEUFEL VON KAPSTADT, der sich im weitesten Sinne dem damals populären Genre des Abenteuerfilms zuschlagen lässt, mutet aber nicht wie eine Kollaboration dreier Gleichberechtigter an, sondern eher so, als habe da ein jeder der drei Regisseure verzweifelt versucht, den Mist des Vorgängers auszubügeln. Nichts passt zusammen, und was den Machern mit dem ganzen Quatsch eigentlich vorschwebte, bleibt völlig im Dunklen. Aber gerade dieses Versagen macht den Film auch so grandios. Es ist, als befände man sich in einer fremden Zivilisation, die der unseren zwar zum Verwechseln ähnlich ist, aber völlig anderen, bizarren und unergründlichen Konventionen folgt.

Grob zusammengefasst geht es in DER TEUFEL VON KAPSTADT um die Jagd auf eine Verbecherbande, in die der deutsche Kommissar Jochen Wilke (Michael Cramer), der Tourist Frank Fleischer (Michael Kirner) und dessen Gastgeberin, die in Kapstadt lebende Veronika (Silvia Simon), verwickelt sind. Die Bande tarnt sich als Drogenschmuggler (häh?), ist aber eigentlich auf die Geheimformel eines Wissenschaftlers aus, die vor der Küste Kapstadts auf dem Grund des Meeres liegt. Der genaue Ort ist auf einem Stück Mikrofilm festgehalten, den man Fleischer ins Gepäck geschmuggelt hat. Es entspinnt sich die Hatz auf Fleischer, während die Guten verzweifelt versuchen, herauszufinden, was die Schurken eigentlich genau wollen. Keinesfalls eine besonders originelle Geschichte, aber dann doch eine, aus der man mit ein wenig Schweiß, Spucke und etwas Geschick einen brauchbaren Actionkrimi hätte hinbiegen können sollte. Umso rätselhafter ist dann die rammdösige Abfolge banaler Dialog- und hirnrissiger „Spannungsszenen“, ausladender Ausflüge zu lokalen Sehenswürdigkeiten und ins Stock Footage (teilweise via haarsträubender Autofahrten, bei denen auf Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer anscheinend nur wenig Rücksicht genommen wurde), unerklärlicher Handlungssprünge und eben jener sexistisch-rassistischer-alkoholistischer Dialoge, die Filme aus jener Zeit zu einem solchen Vergnügen machen.

Star des Films ist mit Michael Kirner ein damals gerade achtzehnjähriges Babyface mit Quäkstimme, null Talent und einer im negativen Bereich angesiedelten „Präsenz“. Er ist eigentlich aber so etwas wie eine männliche damsel in distress, weil der Fuchsberger-Lookalike Cramer ihm ständig aus der Patsche helfen muss. Manchmal lässt sich der Kriminalbeamte aber auch von seinem Sadismus übermannen und setzt den in seiner Begeisterungsfähigkeit todessehnsüchtig zu nennenden Hänfling als Lockvogel ein. Ein Glück nur, dass die Ganoven noch bedeutend dümmer sind als ein Meter Feldweg und jede Gelegenheit, sich ihrer Widersacher zu entledigen, auf groteske Art und Weise verpassen. Selbst der zwölftklassige David-Niven-Ersatz Robert Mitchell kann als schaftstiefeltragender Lord Eddie nichts ausrichten. Meine Lieblingsszene ist sicher die, als er sich während eines Ausflugs in den Krüger-Nationalpark in eine Bar begibt, um seinem Kompagnon ein Zeichen zu geben, das darin besteht, sich einen Brandy zu bestellen. Blöd, dass in Nationalparks kein Alkohol ausgeschenkt werden darf. Lord Eddie zieht enttäuscht von dannen, ohne das verabredete Signal gegeben zu haben. DER TEUFEL VON KAPSTADT ist voll von solchen Details, die wirklich nur auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, sich aber schon beim zweiten als komplett bescheuert und widersinnig entpuppen. Die Kiste mit der Geheimformel, die am Meeresboden festgekettet ist, wird etwa mit einer Sprengladung geknackt, die ein ganzes Dorf hätte planieren können, wenn die Taucher aber hinabtauchen, ist genau ein Kettenglied ganz sauber gelöst. Präzisionsarbeit, wie sie heute keiner mehr drauf hat.

Über 75 Minuten plätschert DER TEUFEL VON KAPSTADT in gemütlichem Tempo so vor sich hin, dann scheint der Fall gelöst, Frank Fleischer wird am Flughafen verabschiedet und reist gen Heimat. Doch jetzt schaltet der Film in den Overdrive, serviert noch eine kleine Überraschung und mündet schließlich in einer schier wahnsinnige Keilerei, die den besten Spencer&Hill-Filmen Konkurrenz macht. Da werden Möbelstücke auf Köpfen und Rücken zertrümmert, dass es nur so kracht, wird auch vor Frauen, Lilliputanern und Papageien kein Halt gemacht, steigern sich die Beteiligten in die blutgierige Raserei und endet das Ganze damit, dass ein Rollstuhlfahrer eine Treppe runtergeschmissen wird. Das Tohuwabohu ist wirklich nicht in Worte zu fassen, ein vorher lediglich leicht beschränkter, aber letztlich harmloser Zeitgenosse verwandelt sich innerhalb eines Schnitts in einen sabbernden Irren mit rollenden Augen. Das „solche“ Filme heute nicht mehr gemacht werden, ist ein sentimentaler Allgemeinplatz rückwärtsgewandter Cineasten. Aber im Falle von DER TEUFEL VON KAPSTADT stimmt er.

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