frankenstein 2000 – ritorno dalla morte (joe d’amato, italien 1991)

Veröffentlicht: Februar 23, 2016 in Film
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fr21991 waren fast noch die Achtziger. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man sich heute kulturelle Artefakte aus jener düsteren Epoche der Menschheitsgeschichte ansieht, und auch Joe D’Amatos später Ausflug ins Horrorgenre bestätigt diese Erkenntnis wieder einmal. FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLA MORTE war in einer der ersten Splatting-Image-Ausgaben besprochen worden, die ich in den Händen hielt; wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, in der kurze Zeit später eingestellten Rubrik Pan&Scan, die sich vornehmlich mit Videopremieren beschäftigte. Ich erschloss mir meine Filmwelt gerade neu und war überrascht, den Namen D’Amato, den ich aus dem ausgiebig studierten „Lexikon des Horrorfilms“ und den darin enthaltenen Tiraden über etwa MAN-EATER kannte, wiederzufinden. Über den traurigen Status quo des italienischen Horrokinos wusste ich noch nichts, für mich sah das so aus, als hätte sich gar nichts verändert, als machten die ganzen Regisseure von einst unverändert weiter. Wenig später war ich dann klüger. Der Name „D’Amato“ tauchte danach allenfalls noch in Verbindung mit früheren Glanztaten auf den Seiten der SI auf, möglicherweise auch in der Rubrik „Pornotions“, aber über neue Horrorfilme las man dort nie wieder von ihm.

Nicht nur deshalb stimmt FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLA MORTE heute melancholisch, wenn nicht gar traurig. Mit dem Wissen über die wenig später endgültig erfolgte Abwicklung – Lebenszeichen wie DELLAMORTE DELLAMORE oder LA SINDROME DI STENDHAL entpuppten sich als schnell verpuffende Nebelkerzen – ist man gar geneigt, die Geschichte über einen Toten, der von einer Komapatientin mittels Gedankenkraft zum Leben erweckt wird, um ihre Peiniger zu bestrafen, als Allegorie auf den italienischen Horrorfilm zu betrachten. Zumal dieser Tote von Donal O’Brien gespielt wird, einem alten Recken des Italofilms, der für alle großen Genre-Regisseure, seien es Lenzi, Martino, Girolami, Fulci oder Castellari, vor der Kamera gestanden hatte, in Italowestern, Gialli, Kriegs-, Horror- und Endzeitfilmen. Wie er da als alternder, anscheinend geistig nicht mehr ganz bei Kräften befindlicher Ex-Boxer Ric und Faktotum der Videothekarin (!) Georgia (Cinzia Monreale) durch den Film stapft, ihr auch im Leben ebenso stumm zur Seite steht wie als belebter Kadaver mit stierem Blick und klaffender Obduktionsnarbe, kann man schon sentimental werden, weil er doch so offenkundig Relikt einer vergangenen, besseren Zeit ist.

Ob man FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLA MORTE etwas abgewinnen kann, hängt aber nicht nur von der emotionalen Bindung ans italienische Kino ab, sondern auch von der Bereitschaft, hier und da die Augen zusammenzukneifen, nicht so sehr das zu fixieren, was da ist, sondern sich vorzustellen, was da hätte sein können – und, so man denn die englische Asynchronfassung „genießt“, von der Fähigkeit, die grauenvollen Sprecher, die bisweilen an Schlaganfall-Patienten denken lassen, zu ignorieren (teilweise sind diese noch nicht einmal des Englischen mächtig, manchmal machen sie aber auch einfach nur völlig widersinnige Pausen im Satz, aber immer klingen sie so furchtbar, dass man sich die Ohren abreißen möchte). Die Schauspieler agieren bis auf O’Brien schrecklich hölzern, die Settings sind zweckdienlich bis unansehnlich, Inszenierung und Schnitt oft unglücklich. Welche „Hausaufgaben“ der vielleicht dreijährige Sohn Georgias da etwa machen soll, bleibt das Geheimnis des Drehbuchs, und die mütterliche Entscheidung, dem Kleinkind ein eigenes Telefon neben das Bett zu stellen, muss man mit eigener elterlicher Erfahrung zumindest als „mutig“ bezeichnen. Wahrscheinlich humorvoll gemeinte Szenen wie jene, in der sich ein vermeintlich wahnsinniger Killer, der es auf das Leben des Rotzbalgs abgesehen hat, als harmloses Autopannenopfer mitsamt herumgetragener Stoßstange erweist, sind so unglücklich in Szene gesetzt, dass sie eher unfreiwillig komisch wirken. Der Eingeweihre weiß solche Idiosynkrasien natürlich zu schätzen, aber in einer Zeit, in der Konkurrenzprodutionen aus Übersee immer perfekter, glatter, fetter und konventionalisierter wurden, war damit auf dem Markt kein Blumentopf mehr zu gewinnen – auch nicht, wenn es bei einer Kopfzermatschung noch einmal splatterte wie in alten Zeiten. Dem Freund des italienischen Genrekinos würde ich FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLE MORTE dennoch ans Herz legen: Es ist eben ein idealer Abschiedsfilm. Und ein Abschied ist ja immer auch mit Schmerzen und Tränen verbunden.

 

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