the bitch (gerry o’hara, großbritannien 1979)

Veröffentlicht: März 2, 2016 in Film
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bitch_poster_01Der Fortsetzung des Erfolgsfilms THE STUD – ebenfalls nach einem Bestseller von Joan Collins‘ Schwester Jackie – gelingt das Kunststück, sogar noch schmieriger zu sein als der auch schon recht glitschige Vorgänger. Das ist aber auch nötig, denn inhaltlich hat THE BITCH nicht viel zuzulegen. Der Film rückt die reiche, mittlerweile geschiedene Superschlampe und nur mäßig erfolgreiche Clubbesitzerin Fontaine Khaled (Joan Collins), die im Prequel noch als Antagonistin agierte, ins Zentrum des Geschehens, konfrontiert sie mit dem schleimigen italienischen Conman Nico Cantafora (Antonio Cantafora) und versetzt sie am Ende, wenn sie auf den Mafiaboss Thrush Feather (Ian Hendry) trifft, für den sie nur ein kleiner Spielball ist, in die Position ihres Opfers Tony aus THE STUD.

Der Tonfall des Films, der etwas an Gaunerkomödien aus den Sechzigerjahren erinnert (man erwartet ständig, dass David Niven vorbeischaut, aber der hätte wohl auf dem Absatz kehrtgemacht, aus Angst, sich mit Siphylis zu infizieren), ist spielerischer, die Geschichte weniger tragisch, alles soll wohl – der Sequellogik zufolge – etwas größer als im Vorgänger anmuten, wirkt aber stattdessen, und das ist sehr schön, geschmackloser, billiger, schäbiger, armseliger. (Während der Titlesequenz kurvt etwa ein Helikopter unmotiviert über Manhattan rum, aber der Film verlässt die amerikanische Ostküstenmetropole schon nach wenigen Minuten Richtung London, von dem man kaum etwas zu sehen bekommt.) Das hängt unmittelbar mit der Hauptfigur Fontaine zusammen, die ja schon im Vorgänger als neureicher Gold Digger gezeichnet wurde, der allein vom Status ihres Gatten profitierte. Nun, wo sie auf sich allein gestellt ist, ihr keinerlei Schranken mehr durch einen auf seinen guten Ruf bedachten Ehemann gesetzt sind, sie jedem ihrer Impulse sofort nachgeben kann, kommt das ganze Grauen ihrer Geschmacksverwirrung ungehindert ans Tageslicht: Ihr Nachtclub heißt etwa allen Ernstes „Hobo“ und trotzdem wundert sie sich, dass das Geschäft nicht läuft. Ihre Freunde sind noch selbstverliebter, -besoffener, lauter und oberflächlicher, die Klamotten noch schriller, der Sex noch bedeutungsloser, die Musik steriler, die Tanzszenen dafür aber länger.

Während THE STUD auf dem Höhepunkt der Disco-Ära erschien, verkörpert THE BITCH eindeutig den Hangover nach dem Rausch, das traurige Erwachen am nächsten Morgen, nur dass niemand der Bedröhnten bemerken will, dass der Lack an allen Ecken und Enden abblättert, weil sich alle immer noch verkrampft an ihrem gewohnten Lifestyle festklammern, der längst für alle anderen als hoffnungslos überkommen und leer erkennbar ist. Für Fontaine und ihre Freunde (eher: Nutznießer) ist das Leben immer noch eine einzige Party, aber die Poolorgie, die hier erneut den „Höhepunkt“ bildet, spielt sich in THE BITCH nun in einem sehr tristen Indoor-Schwimmbad mit hässlichen holzvertäfelten Wänden ab, wo im Vorgänger noch ein architektonischer Fiebertraum von einem Haus aufgeboten wurde. Alles ist flacher, blöder und weniger fokussiert, der Film mäandert so herum, ohne dass er selbst ein Bewusstsein dafür entwickeln würde, aber dem Vernügen tut das aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Irgendwie hatte ich sogar das Gefühl, das THE BITCH eine ganze Nummer ehrlicher ist, letztlich mehr zu sich kommt, als der in seinen Ausflügen Richtung Klassendrama doch etwas überforderte Vorläufer. THE STUD lieferte gewissermaßen Sleaze im Quadrat, THE BITCH hingegen kübelt den Schmier gleich kubikmeterweise aus. Und das ist gut.

 

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