top girl (joe d’amato, italien 1996)

Veröffentlicht: März 6, 2016 in Film
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zp4ste0zcxnipixtfprtuyq4lfbDie Idee ist gut: Weil der unangefochtene weibliche Star einer erfolgreichen Daily Soap ausgestiegen ist, sucht der zuständige Sender händeringend nach Ersatz. Der „Mass Media Expert“ Mike (Robert Madison) bietet sich beim Boss an, die Lösung des Problems in Angriff zu nehmen. Seine Kollegin und Sexpartnerin Cathy (Sonia Topazo) hat die entscheidende Idee: einen Wettbewerb, bei dem das Publikum über die neue weibliche Hauptrolle mitbestimmen darf.

Leider wird dieser Jahre vor dem Ausbruch des großen Castingshow-Booms erdachte Einfall von D’Amato jedoch gleich wieder fallen gelassen. Wie es dazu kommt, dass Mike ein vom Computer erstelltes Foto in den Händen hält, das die Vorstellungen des Publikums zum Porträt einer Frau zusammengefügt hat, bleibt das Geheimnis von TOP GIRL, einem der raren Nicht-Pornos, die der Regisseur in den Neunzigerjahren inszenierte. Im Folgenden ist er eher damit beschäftigt, die amourösen Verstrickungen der neuen Hauptdarstellerin Pamela (Carla Solaro) aufzudröseln, einer Amateurin, die ihren ständig von Babys und Eigenheim faselnden, nichtsnutzigen Freund kurzentschlossen zu Hause sitzen lässt, um ihre Träume von Ruhm und Erfolg im großen L.A. in die Tat umzusetzen. Der stellt sich auch ein, nachdem sie die Verantwortlichen erst mit ihrer Schönheit (naja), dann mit ihrer emotionslos absolvierten Probeaufnahme total weggeflasht hat, aber zu welchem Preis: Ihr Mentor Mike nutzt sie aus, ihr Boss macht sie besoffen und vergewaltigt sie, was aber kein größeres Problem darstellt, danach wird von den beiden eifersüchtigen Männern eine Schmierkampagne lanciert, die den Ruf der naiven Dame ruinieren soll. Am Ende ist aber alles wieder gut: Mike schenkt ihr einen Strauß Blumen und gelobt Besserung. Hach.

TOP GIRL ist ultrabillige Softerotik, die vom Porno dann doch nur die Explizität trennt. Nach den in regelmäßigen Abständen den Erzählfluss ausbremsenden Sex- und Fummelszenen kann man die Uhr stellen, die Schauspieler agieren, als hätten sie einen Stock im Arsch, passen sich mit der Intonation ihrer Dialogzeilen der anämischen Inszenierung an, werden eins mit den bestenfalls zweckmäßigen Settings. Das Büro des Senderchefs würde jeder Angestellte als Beleidigung betrachten, der große Glamour von Pamelas Karriere äußert sich in einem scheußlichen Kleid, das sie immer wieder tragen muss, und einer tristen Zwei-Zimmer-Wohnung, in die sie manchmal jämmerliche Blumensträußchen geliefert bekommt, wenn sie gerade mal wieder nur mit T-Shirt und Unterhose bekleidet herumläuft. Von der megaerfolgreichen Soap Opera sieht man gar nichts, das Studio, in dem sie gedreht wird, besteht aus einer Halle, in der eine Leiter rumsteht, das Sendergebäude wird immer und immer wieder mit demselben Establishing Shot eingeleitet. Ein bisschen Footage von Hollywood hätte dringend benötigte Schauwerte abseits von Brüsten und Hintern gebracht, aber für mehr als eine kurze Aufnahme des Chinese Theater (in dem gerade THE ISLAND OF DR. MOREAU läuft) und Bilder zweier eher anonymer Straßenzüge hat es leider nicht gereicht. Wahrscheinlich war der Drehplan zu eng gesteckt.

Was TOP GIRL abseits der Reize von D’Amatos „Kino der Dürftigkeit“ (Copyright Thomas Groh) sehenswert macht, sind die unerklärlichen Wege des Drehbuchs. So ist der Protagonist Mike in seinem amoklaufenden Egoismus selbst für den größten Menschenfreund nicht zu verteidigen und mit den Worten der sitzengelassenen Cathy bestens beschrieben: Sie nennt ihn einmal einen „cynical asslicker“ und beschert dem Film damit einen der raren Momente, in dem die sterile Atmosphäre der Rammdösigkeit aufgebrochen wird. Er vögelt neben seiner Affäre mit Cathy auch noch mit seiner Sekretärin Lauren (Linda Gucciardo) rum, der er im Gegenzug eine große Karriere im Sender verspricht, aber sie beim Chef als inkompetent verpetzt und ihre Versetzung erwirkt, als sie ihm anfängt auf die Nerven zu gehen. Cathy lässt er für Pamela fallen, kaum dass die einen Fuß in die Stadt gesetzt hat, beschimpft diese dann aber als untalentiert und nichtsnutzig, als die ersten Folgen mit ihr nicht den gewünschten Quotenerfolg bringen. Und als sein Boss eine Affäre mit ihr beginnt, steckt Mike dem erstbesten Reporter, dass Pamela nicht nur mit jedem ins Bett springe, sondern auch ein handfestes Alkoholproblem habe. Von ihr dafür zur Rede gestellt, entschuldigt er sich damit, dass er ja nur einmal mit einem Journalisten geredet habe und danach nie wieder. Man kann ihm einfach nicht böse sein. Ein feiner Kerl, mit dem man sich gern für 90 Minuten identifiziert. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass Pamela auch nicht gerade the sharpest tool in the shed ist. Als Lösung, wie man ihren Seriencharakter beliebter machen könne, präsentiert sie die Erkenntnis, dass man ihr Eigenschaften zuweisen müsse, die das Publikum angenehm findet. Sprach es und ließ sofort die Hüllen fallen, um sich vom begeisterten Mike die Nippel lecken zu lassen. Ein echtes Top-Girl eben!

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