lussuria (joe d’amato, italien 1986)

Veröffentlicht: März 7, 2016 in Film
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s-l1000LUSSURIA, der vorletzte Teil von D’Amatos Dreißigerjahre-Tetralogie (nach L’ALCOVA und IL PIACERE, aber vor VOGLIA DI GUARDARE) ist der handlungsärmste der vier, derjenige, der am wenigsten mit der materiellen Welt und am meisten mit den erotischen Fantasien selbst befasst ist. Während alle Teile der Reihe erheblich von ihrer schwülen bis kalten Atmosphäre der Dekadenz leben, ist LUSSURIA derjenige, der am wenigsten darauf bedacht ist, diese Atmosphäre noch in einer Handlung zu gründen. Eher scheint es anders herum: Zuerst waren da Bilder, Farben und Licht, dann erst wurde eine fragmentarische Geschichte dazu erdacht.

Im Mittelpunkt von LUSSURIA steht Alessio (Martin Philips), der jugendliche Sohn des erfolgreichen Anwalts Roberto (Al Cliver). Seit dessen Gattin, die Mutter Alessios, vor Jahren verstarb, hat der Junge kein Wort mehr gesprochen. Die Ärzte können weder organische Schäden feststellen noch eine wirksame Therapie anbieten. Geduld sei oberstes Gebot. Um dem Jungen Erholung zu gewähren, wird er zu seiner Tante Marta (Lilli Carati) aufs Land gebracht. Im Haus der verführerischen Frau geht die Fantasie mit Alessio durch: Immer wieder malt er sich aus, von Marta, ihrer Hausdienerin oder der zur Restauration eines Wandgemäldes anwesenden Studentin verführt zu werden. Als Roberto der Schwester mit seiner neuen Lebensgefährtin einen Besuch abstattet, wird das Haus auch in der Realität zum Schauplatz wilder sexueller Aktivität …

D’Amato strukturiert schon seine Exposition als Collage aus gegenwärtigen Szenen und Erinnerungen Alessios an Vergangenes, ohne beide visuelle deutlich voneinander zu trennen. Später, wenn der Junge bei seiner Tante angekommen ist, wird diese Erzählstrategie nicht nur weitergeführt, sondern noch verschärft. Die erotischen Fantasien Alessios stehen absolut gleichberechtig neben den „echten“ Ereignissen, beginnen diesen sogar den Rang abzulaufen. Das bedeutet aber auch, dass LUSSURIA mit fortschreitender Spieldauer zunehmend repetitiv und redundant wird: Alessio spielt mit allen im Haus ein- und ausgehenden Frauen immer wieder ein- und dasselbe Szenario durch, wobei er nur von seinen voyeuristischen Eskapaden unterbrochen wird. Während er sich in erotische Tagträume flüchtet, machen Tante Marta, Papa Roberto und die Steifmutter nämlich Ernst und pflügen ihrerseits in wechselnden Konstellationen durch die Betten. Die Reduktion auf Sex als alles bestimmende, den ganzen Film durchdringende Größe ist höchst konsequent, entledigt LUSSURIA aller erzählerischer Prätention, macht ihn über die ganze Länge aber auch etwas eindimensional. Vielleicht hat es aber auch nur an dem etwas traurigen, dunklen und farbarmem VHS-Rip gelegen, dass der Funke nicht ganz so zündelnd überspringen wollte, wie bei den anderen D’Amatos.

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