berserker: the nordic curse (jefferson richard, usa 1987)

Veröffentlicht: März 9, 2016 in Film
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berserker_filmposterEs ist mal wieder an der Zeit für einen drittklassigen Slasher aus den späten Achtzigern, als der Hardrock testosteronschwanger vom Soundtrack kreischte, coole Typen sich über die Freizügigkeit ihres Muskelshirts, die Enge der Jeans und die Flockigkeit des Nackenspoilers definierten, ihre Perlen sich hingegen über die Knappheit der Höschen, den Grad der Bauchfreiheit, die Geschmacksverkalkung hinsichtlich ihrer Macker und die Bereitschaft, sich auch an den ungemütlichsten Orten noch euphorisch aufs Kreuz legen zu lassen. Willkommen zu BERSERKER: THE NORDIC CURSE, einem besonders minderbemittelten Vertreter des Genres, der zudem so blutarm ist, dass man noch nicht einmal in Deutschland die Schere anlegte, wo zu jener Zeit selbst ein GLÜCKSBÄRCHI-Film noch die volle Härte der um die Jugend besorgten FSK zu spüren bekam.

Der Film beginnt großspurig mit der Einblendung „10th Century“, doch mehr als den Bug eines aus Sperrholz zusammengeleimten Wikingerschiffs, von dem ein Muskelprotz mit Bärenmaske herabspringt, bekommt man dann doch nicht zu sehen. Danach wird ein altes Ehepaar, das sich im Campingurlaub befindet, beim Spaziergang durch den Wald von etwas attackiert und umgebracht, was ein Bär zu sein scheint. Ob die beiden Szenen wirklich etwas miteinander zu tun haben könnten? Danach geht es weiter wie immer in diesen Filmen, nur noch schmuckloser: Sechs Freunde – drei Jungs, drei Mädels, jeweils zwei davon miteinander liiert – machen sich auf zum Campingsausflug ins Grüne. Der Rädelsführer ist Josh (Greg Dawson), einer jener Typen, bei denen man sich fragt, warum sie eigentlich überhaupt Freunde haben, der Campingplatz ein Ort, den er früher stets mit seinem sonst so strengen Papa bereiste. Der Campingplatzwächter ist der alte Schwede „Pappy“ Nyquist (George „Buck“ Flower“) ein bärtiger Brummbär mit furztrockenem Humor, der mit dem zuständigen Polizisten Officer Hill (John F. Goff) gern des Abends zusammsitzt und Bier trinkt. In der Zwischenzeit vergnügen sich die Kids in ihrer furchtbar heruntergekommenen Blockhütte, die über genau ein Zimmer und kein Klo verfügt. Es kommt, was kommen muss: Das versonnene Erzählen doofer Geschichtchen, das Rauchen eines Joints, das deprimierende Gefummel unter wanzigen Decken und dann das große Gemurkse.

BERSERKER: THE NORDIC CURSE ist einer jener Filme, in denen Figuren, die kurz mal pinkeln müssen, sich auf der Suche nach dem idealen Baum hoffnungslos im Wald verlaufen, das Stolpern über einen herumliegenden Ast todsicher einen Beinbruch nach sich zieht oder 20 Minuten Laufzeit knallhart damit durchgebracht werden, die Protagonisten beim ziellosen Herumirren durch den dunklen Tann zu zeigen. Die Morde durch den titelgebenden Berserker, offensichtlich ein Nachfahre jener sich in einen Rausch hineinmetzelnden Wikingerkrieger, werden allesamt mit seiner Bärentatze ausgeführt, mit denen er blutige Wunden reißt, was aber eher so aussieht, als trüge er großzügig Kirschmarmelade auf Gesicht und Hals auf. Einen echten Showdown gibt es nicht, vielmehr wird der Killer nach erneuter Zeitschinderei, die diesmal dem Typ mit dem gebrochenen Bein, natürlich der intelligenteste der Clique (er liest ein Buch!), gewidmet ist,  vom Officer mitleidlos und kurzentschlossen erschossen, worauf er sich in einem Überblendungeffekt, der mindestens genauso gut ist wie jener in THE WOLF MAN von 1941, in „Pappy“ Nyquist verwandelt. Potzblitz aber auch! Neben einer Szene, in der der Berserker gegen einen echten ausgewachsenen Grizzly kämpft, ist das Poster eindeutig das Beste an diesem Film, weil es sich überaus frech und selbstbewusst beim Artwork für Alan Parkers THE WALL bedient. Der nervtötend „atmosphärische“ Score klingt dann auch wie etwas, was Roger Waters vielleicht nach dreiwöchigem Brechdurchfall komponieren würde.

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