splatter university (richard w. haines, usa 1984)

Veröffentlicht: März 11, 2016 in Film
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splatteruniversitySchon erstaunlich, was das Horror-Fandom für Blüten schlägt. SPLATTER UNIVERSITY war eigentlich schon 1984, als der Slasherboom bereits in die Adoleszenzphase eingetreten war, nicht mehr zeitgemäß, seine eklatanten Schwächen hinsichtlich Inszenierung, Schauspiel und Technik – vor allem der Ton ist eine einzige Katastrophe – dürften auch dem genügsamsten Betrachter mehr als augenfällig gewesen sein. Richard W. Haines hat danach mit dem Troma-Klassiker CLASS OF NUKE ‚EM HIGH immerhin einen der besten Filme der umstrittenen Produktionsfirma aus New Jersey inszeniert (was nicht so viel heißt), und ALIEN TERROR war, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, auch ganz putzig, aber SPLATTER UNIVERSITY unterscheidet sich vom gemeinen Amateurfilm nur durch den geringfügig höheren Aufwand. Selbst die Splattereffekte – in die wahrscheinlich die meiste Arbeit gesteckt wurde – locken heute eigentlich keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor, und trotzdem erlebte diese Gurke unlängst ihre Wiedergeburt auf Blu-ray. Da kann man sich. selbst wenn man ein Faible für den suboptimalen Film hat, so wie ich, nur wundern.

SPLATTER UNIVERSITY beginnt für einen so unambitionierten Slasher superumständlich, nämlich mit einer doppelten Rückblende. Die erste führt den Betrachter drei Jahre zurück in eine Nervenheilanstalt, aus der just in diesem Moment ein Irrer ausbricht, beweist aber vor allem, dass man von diesem Setting Abstand nehmen sollte, wenn man nur untalentierte Knallchargen zur Verfügung hat. Die zweite Rückblende spielt in der jüngeren Vergangenheit und zeigt, wie eine Lehrerin in einem leeren Klassenzimmer erstochen wird. Erst danach landet SPLATTER UNIVERSITY in der Gegenwart, lässt die Protagonistin, Prof. Julie Parker (Forbes Riley) neu an der titelgebenden Universität ankommen, wo sie vom Dekan, Father Janson (Dick Biel), darüber aufgeklärt wird, dass zahlreiche Konkurrenten die Stelle aus Gründen des „Aberglaubens“ abgelehnt hätten. Die Helden fragt dann aber nicht warum, was durchaus naheliegend gewesen wäre, bezieht stattdessen ihre einer Professorin unwürdige Butze zur Untermiete bei einer geschwätzigen alten Dame und freut sich auf die kommenden Herausforderungen. Es folgt das Übliche: Der schnöde Uni-Alltag mit unwilligen, demotivierten oder vollkommen hirnamputierten Studenten, die alles im Kopf haben, bloß nicht ihr Studienfach, unterbrochen von Ausflügen in ihr turbulentes Liebesleben, einigen blutigen, aber wenig kreativen Morden an unbedeutenden Nebenfiguren sowie natürlich dem Rätselraten der Protagonistin, wer der Killer sein könnte. Da nicht so viele Verdächtige zur Verfügung stehen – nämlich genau zwei – fällt das große Rätselraten eher bescheiden aus.

Alles wie immer, eigentlich, aber hier besonders spannungsarm und konsequenzlos. Warum sich SPLATTER UNIVERSITY immer wieder den beknackten Studenten zuwendet und damit erhebliche Zeit auf Charaktere verschwendet, die keine andere Funktion haben, als irgendwann zu sterben, bleibt ebenso rätselhaft wie das Versäumnis, eine Verbindung der Protagonistin zum Killer herzustellen: Warum die schöne Professorin (die übrigens total ungeeignet für ihren Job scheint) in besonderer Gefahr schwebt bzw. warum der Zuschauer sich ausgerechnet für sie interessieren sollte, wird nie weiter erklärt. Nun ist der Slasherfilm natürlich eh nicht für seine raffiniert ausgetüftelten Storylines bekannt geworden, aber SPLATTER UNIVERSITY reißt eigentlich schon die Minimalhöhe, scheitert schon daran, für seine Figuren so etwas wie eine Ahnung von Motivation bereitzustellen. Diese Unfähigkeit sowie manch eigenwilliger Szenenaufbau sorgen hier und da durchaus für Heiterkeit, aber insgesamt bleibt Haines‘ Film viel zu bieder, um zum staunend bewunderten Kuriosum oder gar zum berüchtigten „Partyfilm“ zu avancieren. Stattdessen wundert man sich nach 75 Minuten, die man auch als Weigerung aufzufallen interpretieren kann, über das plötzlich sehr eigenwillige und mutige Finale, das man glatt als „packend“ bezeichnen könnte, hätte der Regisseur es zuvor verstanden, irgendeine Bindung zwischen Zuschauer und Figuren herzustellen. So mutet die Nichtigkeit des Ganzen umso sinnloser an. Aber immerhin kann man dieses Nichts heute in voller HD-Herrlichkeit bestaunen. Als wenn damit irgendjemandem geholfen wäre …

Kommentare
  1. Jasmin - wirklich sagt:

    „selbst wenn man ein Faible für den suboptimalen Film hat“
    – ist das nicht ein Widerspruch in sich? kann man eine emotional bedingte Schwäche, also Vorliebe, für etwas haben, das man „suboptimal“ nennt?

    • Oliver sagt:

      Na klar kann man das. Ich liebe die großartig gescheiterten, die unbeholfen, aber unbeirrt zusammengewurschtelten, die sich jedem traditionellen Verständnis der Kunst entziehenden Filme, sprich die hässlichen kleinen Entlein der Filmgeschichte ganz besonders, viel mehr jedenfalls als das Perfekte.

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