killer workout (david a. prior, usa 1987)

Veröffentlicht: März 16, 2016 in Film
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killer-workout-3Ein irrer Killer, der in einem Fitnessclub umgeht und dort Aerobicmiezen und Bodybuilder umlegt: Da kommt zusammen, was in den Achtzigern einfach zusammengehörte. Man muss sich angesichts der Ubiquität des Spandexsports in unserer aller Lieblingsjahrzehnt ja fast darüber wundern, dass es nicht ein ganzes Subgenre von Aerobic-zentrierten Horrorfilmen gab. DEATH SPA fällt mir noch ein, mit zwei zugedrückten Augen und viel Goodwill könnte man auch Fulcis MURDEROCK noch dazuzählen, aber dann hört es auch schon auf. Aber David A. Prior, der Tausendsassa des billig und unverdrossen eingekurbelten Videothekenhobels, der wusste genau, wonach die benackenspoilerte Masse lechzte und knallte nur vier Jahre nach seinem unvergesslichen Debüt SLEDGEHAMMER den Aerobicslasher KILLER WORKOUT raus, der in Deutschland in einem Anfall von Genialität als AEROBICIDE veröffentlicht wurde – ein Kunstwort, das allerdings dem Film selbst entlehnt wurde, so viel Ehrlichkeit muss sein.

Kluge Menschen sagen dem Slasherfilm ja nach, er sei ähnlich des Pornos in „Nummern“ gegliedert, was heißen soll, dass seine eigentlichen „Höhepunkte“ die Mordszenen sind, die dann durch eine austauschbare Handlung miteinander verknüpft werden. Und so eine Aerobicstunde ist ja auch in Nummern gegliedert, schmissige, synthiegetriebene Popsongs, zu denen man die bestrumpften Beine und die blondierte Mähne schwingt sowie das nur knapp verhüllte Popöchen kreisen lässt. Alles fügt sich also wunderbar zusammen, idealtypisch geradezu: Der obergeile Soundtrack reiht einen hochinfektiösen Popsong an den nächsten, die Mädels tanzen und hüpfen, dass einem ganz schummrig wird, und zwischendurch kommt der gesichtslose Spielverderber und macht „Pieks“: Seine bevorzugte Waffe ist nämlich eine aufgeklappte Jumbo-Sicherheitsnadel, was so ziemlich die bescheuertste Idee ist, die mir in den letzten Monaten untergekommen ist, und ich habe in diesem Zeitraum immerhin MR. BOOGIE gesehen.

KILLER WORKOUT ist komplett spannungsarm, begnügt sich tatsächlich mit einer chronologisch geordneten Abfolge von Szenen, die nur bedingt irgendwohin führen. Die vermeintliche Protagonistin Jaimy (Teresa Van Der Woude) stirbt, nachdem sie uns als Identifikationsfigur angeboten wurde, kurz und mitleidlos, ohne dass man sich deshalb genötigt fühlte, Vergleiche zu PSYCHO zu ziehen. Ted Prior, Bruder und Stammschauspieler des Regisseurs, gibt einen dubiosen Unbekannten, der sich als Privatdetektiv entpuppt, dann aber, nach etlichen letztlich folgenlos bleibenden Szenen, in denen er vielsagend durch die Gegend schleicht, von dickbusigen Hupfdohlen verführt wird oder sich mit dem Proleten Jimmy (Fritz Matthews, ebenfalls ein Dauergast in den Filmen von David A. Prior) von der Fitnessstudio-Besitzerin Rhonda (Marcia Karr) prügelt, aus dem Weg geräumt wird, ohne irgendetwas zur Aufklärung beigetragen zu haben. Super ist die Szene, in der er einen armen Tropf, der das Pech hat, zwei Leichen gefunden zu haben, mit einer Kombination von vier, fünf gnadenlos ausgeführten Schlägen niederstreckt, ohne auch nur einmal innezuhalten. Besonnenheit ist nicht seine größte Tugend. Die beste Figur im Film ist aber der grummelige Kriminalbeamte Det. Lt. Morgan (David James Campbell), der bei allen seinen Auftritten den harten Hund markiert und großtuerische Sprüche klopft, aber rein gar nichts auf die Kette bekommt, während die Fitnesssüchtigen um ihn herum sterben wie die Fliegen. Dieser ziellose Quatsch ist tatsächlich hochgradig kurzweilig, und als sich die Auflösung anbahnt, scheint Prior sogar noch einen draufsetzen zu können. Leider vergeigt er das Finale aber doch, weil er innerhalb von zehn Minuten alles an Narration nachholen will, worauf er zuvor einen extragroßen Haufen geschissen hatte. Da wird der Killer erst gefasst, kommt wieder frei, wird dann erneut von Morgan geschnappt, der seine Pläne und Beweggründe in einer laaaangen Rede erklärt, nur um dann noch vor Ausübung seines Planes eine Schaufel über den Schädel gezogen zu bekommen. Hätte der Killer ihm nicht gleich das Maul stopfen können? Eine wirklich komplett sinnlose Szene, die den Film treffend repräsentiert. Wie es für den Slasher üblich war, schließt auch KILLER WORKOUT mit einem offenen Ende, doch das Sequel blieb – wer hätte das gedacht? – aus. Ich finde KILLER WORKOUT wie eigentlich alles, was ich von Prior gesehen habe, sehr, sehr putzig in seiner unbeholfenen Art. Und der Soundtrack, Mann, der Soundtrack …

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