you better watch out (lewis jackson, usa 1980)

Veröffentlicht: März 17, 2016 in Film
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christmas-evil-posterWarum dieser Film kein heiß und innig geliebter Klassiker von Freunden düsterer Serienmord-Thriller ist, ist mir ein Rätsel. Liegt es vielleicht daran, dass allzu viele seiner potenziellen Verehrer ihn aufgrund seines weitaus bekannteren Titels CHRISTMAS EVIL für bloß einen weiteren Slasherfilm mit Weihnachtsbezug gehalten und deshalb gemieden haben? Ich gebe zu, auch selbst auf die Suggestionen von Titel und DVD-Cover hereingefallen zu sein, hätte auch nichts gegen eine SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT-Variante gehabt, wurde so aber völlig auf dem falschen Fuß erwischt und mehr als positiv überrascht. Puh, was für ein finsteres kleiner Bastard!

CHRISTMAS EVIL beginnt zunächst tatsächlich Slasher-typisch mit einer Rückblende, zeigt den späteren Protagonisten Harry als Kind mit seinem Bruder, die beide Zeuge werden, wie ihre Mama sich vor dem heimischen Kamin von einem lüsternen Weihnachtsmann  vernaschen lässt. Harry (Brandon Maggart) trägt einen mittelschweren Schaden davon, der ihn zwar nicht daran hindert, in die Chefetage einer Spielzeugfabrik aufzusteigen, ihm wohl aber eine gesteigerte Wahrnehmung für die „Sünden“ der Nachbarskinder und Mitmenschen mit auf den Weg gibt. So setzt die biedere Spätvierziger in seiner Freizeit das Werk des Weihnachtsmannes fort, führt akribisch Buch über die Verfehlungen der Blagen von Nebenan (vor allem den kleinen Moss hat er auf dem Kieker, weil der ständig im Penthouse blättert) und mahnt seine Kollegen dazu, bei der Spielzeugproduktion äußerste Sorgfalt walten zu lassen, so als handle es sich bei ihnen um hilfreiche Wichtelmänner. Der Zuschauer ahnt, dass Harrys Marotten bald drastische Auswirkungen nach sich ziehen werden, und so kommt es dann auch.

Was interessant ist an YOU BETTER WATCH OUT ist die Tatsache, dass Harry sich grudnsätzlich dem Guten verpflichtet fühlt. Weil sein Glauben an Santa Claus durch sein Kindheitserlebnis erschüttert ist, will er selbst ein besserer Weihnachtsmann sein, den Menschen den Glauben an ihn zurückgeben, den er einst verloren hat. Hier kommt dann eine milde, niemals predigende Gesellschaftskritik zum Zuge: Weihnachten bedeutet in Harrys Welt einfach nichts mehr, die ramschigen Spielzeuge werden nicht gemacht, um Kinderherzen zu erfreuen, sondern um Geld einzufahren, Nächstenliebe wird als Vorwand genutzt, sich selbst einen Vorwand zu verschaffen. Harry ist einer der vielen psychopathischen Moralisten der Filmgeschichte, aber zunächst will er nichts Böses. Wenn er endlich als Weihnachtsmann mit einer Wagenlandung voller Geschenke unterwegs ist, die er den verwöhnten Kindern aus der Nachbarschaft unter dem Baum weggeklaut hat, zum Krankenhaus fährt, um sie an die stationierten Kinder zu spenden, und vorher noch die perfekte Santa-Claus-Stimme einübt, dann schaut man einem Mann zu, der tut, wozu er offensichtlich gemacht ist. Seine Freude und die Begeisterung für die Idee, die hinter Weihnachten einmal stand, sind greifbar, und man wünschte ihm, dass er damit einen Platz in der Gesellschaft hätte finden können. Leider hat ihn sein Trauma aber auch zum Fanatiker gemacht, der mit alttestamentarischer Härte gegen die kleinen Sünder vorgeht, als der Druck auf ihn zu groß wird.

YOU BETTER WATCH OUT kann sich ganz auf seinen großartigen Hauptdarsteller verlassen, der im letzten Drittel, unter Rauschebart und Mütze verborgen, fast ausschließlich mit seinen Augen arbeitet, zeichnet dessen graduellen Abstieg in den Wahnsinn mit großer Ruhe und einem wachsamen Blick für wirkungsvolle Details und die dem Stoff inhärente Tragik und Komik nach. Die tolle Fotografie kontrastiert abgeschmackten Weihnachtskitsch mit urbaner Tristesse, wirklich sympathische Figuren gibt es nicht, am Ende wird der zum Mörder gewordene Harry von einem aufgebrachten Lynchmob mit Fackeln durch die Straßen gehetzt wie Frankensteins Monster. Aber es gibt ein Happy End für ihn: Als er mit seinem Lieferwagen durch eine Absperrung kracht, stürzt sein Wagen nicht etwa den Abhang hinunter, sondern startet durch zum Mond wie der Schlitten seines großen Vorbilds. Ganz, ganz groß.

 

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