cheerleader camp (john quinn, usa 1988)

Veröffentlicht: März 18, 2016 in Film
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cheerleader_camp_dvd_coverEin unerwartetes Wiedersehen: Hinter CHEERLEADER CAMP verbirgt sich ein Slasherfilm, den ich unter seinem deutschen Titel BLOODY POM-POMS bei seiner Ausstrahlung 1990 auf RTL als 14-Jähriger aufgezeichnet und damals mangels Alternativen in meine „Heavy Rotation“ aufgenommen hatte. Der Film war recht blutig, ohne dabei auch nur annähernd verstörend zu sein, es gab jede Menge hübscher Bikinimiezen zu bestaunen, ein paar doofe Sprüche – was wollte ich mehr? Ich meine aber mich daran zu erinnern, schon als Halbwüchsiger nach relativ kurzer Zeit festgestellt zu haben, dass CHEERLEADER CAMP doch nicht so megaknorke ist, wie es beim ersten Gucken den Anschein hatte. Und satte 26 Jahre später entpuppt sich dieser Spätslasher dann auch als ziemlich lahm und vor allem saudumm. Allerdings auf eine Art und Weise, die dem Film auf Umwegen, gewissermaßen von hinten durch die Brust ins Auge, und ganz sicher von den Machern völlig unbeabsichtig, zum Vorteil gereicht.

Ein siebenköpfiges Team reist zu einem Cheerleader-Wettbewerb. Unter den vier Cheerleaderinnen befindet sich Alison (Betsy Russell), der Star der Mannschaft, ein hübsches, talentiertes, beliebtes Mädel, das zudem mit dem Coach Brent (Ex-Kinderstar Leif Garrett) liiert ist, aber von Minderwertigkeitskomplexen, Versagensängsten und Albträumen geplagt wird. Neben ihren drei Partnerinnen gehören auch die als Maskottchen nur wenig ernst genommene Cory (BREAKIN‘-Star Lucinda Dickey), besagter Trainer und der dicke Spaßvogel Timmy (Travis McKenna), der den Wettbewerb auf Video aufzeichnet, zum Tross. Im Camp angekommen, geht das übliche Spielchen los: Angeheizt von der zickigen Leiterin (Vickie Benson) ergehen sich die Teilnehmerinnen in Konkurrenzkampf, Zickenkrieg und Eifersüchteleien, und buhlen um die wenigen anwesenden Männer, ganz egal, ob diese schon vergeben sind oder nicht. Als es die erste Tote – anscheinend ein Selbstmord – zu beklagen gibt, versuchen alle verzweifelt, den schönen Schein aufrecht zu erhalten. Doch es folgen natürlich weitere Tote …

CHEERLEADER CAMP ist Wasser auf die Mühlen der raren Vertreter jener leider noch nicht allzu weit verbreiteten These, dass es beim Slasherfilm nicht etwa um die blutige Reinstallation verlorengegangener Moral durch einen blutgierigen puritanischen Rächer geht, sondern vielmehr um die bescheidene Mittelmäßigkeit der „teenage experience“ als solcher. Was da von der Veranstalterin, aber auch den Teilnehmern zu einem Wettbewerb mit für die weitere Laufbahn wegweisender Bedeutung stilisiert wird, ist ein amateurhaft organisiertes Tingeltangel ohne jede Bedeutung. Anstatt sich dem Leben und der Liebe zu widmen, ihre Jugend und Schönheit zu genießen, lassen sich die Kandidaten in einen idiotischen Wettbewerb pressen, in dem sie auf Geheiß falschen Idealbildern nachjagen, und sich gegeneinander aufhetzen. Wie tragisch ist es, dass die Jungs und Mädels ausgerechnet hier ihr Leben lassen müssen, inmitten der trostlosen amerikanischen Pampa, wo es an ein paar stumpfsinnigen, empathieunfähigen Rednecks ist, ihren Tod zu verwalten. Am Ende stellt sich – Vorsicht, dicker SPOILER – heraus, dass es die nette Cory war, die die Morde verübte, um sie mit einem genialen Schachzug der eh schon labilen Alison in die Schuhe zu schieben. Das Schlussbild zeigt sie im begehrten Cheerleader-Trikot, als Nummer eins des nun nicht mehr existenten Teams, während die völlig aufgelöste Alison als wahnsinnige Mörderin abtransportiert wird.

Der geheime Clou von CHEERLEADER CAMP ist, dass er völlig blind für seine eigenen Wahrheiten ist, keinerlei Verhältnis zu sich selbst oder seinen Protagonisten findet. Er ergeht sich fast eine Stunde lang in ebenso belanglosem wie mitunter hirnrissigem Schabernack, beobachtet die gut gebauten Mädchen beim Sonnenbaden und Brustvergleich, ergeht sich in den genreüblichen Scherzen und Fake Scares, steht den üblen Gesellschaftsspielchen des servilen Gehorsams nach oben und dem Treten nach unten völlig teilnahmslos gegenüber. Mehr noch: Er scheint das alles für einen großen Spaß zu halten. Seine beiden Protagonistinnen zeichnet er mit ihren Probleme daher im einen Fall als komplexbeladenen Trauerkloß, der einfach nicht in der Lage ist, sich locker zu machen und seine Popularität zu genießen, sich stattdessen in Selbstmitleid ergeht und dringend zu einem Therapeuten müsste, im anderen Fall als vom Neid auf die Schöneren und Besseren zerfressene Schlange, die mit ihrem Außenseitertum nicht mehr anders umzugehen weiß, als alle umzubringen. Der Punkt: Die Unfähigkeit von Alison und Cory, sich in eine durch und durch oberflächliche Welt einzugliedern, ist das einzige an CHEERLEADER CAMP, das annähernd echt und wahr scheint. Wie tragisch, dass er ihnen nicht einmal dieses Zugeständnis machen kann.

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