the people that time forgot (kevin connor, großbritannien 1977)

Veröffentlicht: März 20, 2016 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

the-people-that-time-forgotIm Januar durfte ich mich beim Mondo-Bizarr-Weekender vom staubig-gummigen Matinee-Charme des schon 1975 wie aus der Zeit gefallen scheinenden THE LAND THAT TIME FORGOT verzaubern lassen. Die Verfilmung Kevin Connors eines alten Romans von Edgar Rice Burroughs begeisterte mit ihren herrlich altmodischen, aber liebevollen Puppeneffekten und Rückprojektionen, schaffte es spielend, für knapp 90 Minuten das Kind in mir zu wecken, und zeigte wieder einmal, dass der Realismus heutiger CGI-Orgien längst nicht alles ist.

Das zwei Jahre später entstandene Sequel bemüht sich händeringend darum, das Erfolgsrezept noch einmal zu ähnlichem Effekt zu bemühen. Das Herz geht einem auf, wenn gleich in den ersten Einstellungen ein Modellschiff zu sehen ist, das durch eine mit Plastik-Eisbergen bestückte Badewanne schippert, und wenig später gibt es einen schönen dogfight zwischen einem Doppeldecker und einem Pterodactylus zu bestaunen sowie, am Boden angekommen, einen gemütlichen Stegosaurus. THE PEOPLE THAT TIME FORGOT knüpft auch inhaltlich an den Vorgänger an, schildert die Bemühungen des amerikanischen Chauvis Ben McBride (Patrick Wayne), seinen alten Kumpel Bowen Tyler (Doug McClure) auf der geheimnisvollen Insel Caprona ausfindig zu machen, von der der in einer Flaschenpost berichtet hatte. Das Rettungsteam, zu dem auch die selbstbewusste – und deshalb sogleich von Ben eingenordete Journalistin Charlie (Sarah Douglas) – gehört, stößt erst auf die Höhlenfrau Ajor (Dana Gillespie), die von Tyler Englisch gelernt hat, dann auf ein Volk gefährlicher Krieger, die mit ihren Rüstungen ein wenig an Samurai erinnern und in einem Tempel, der gleichermaßen Castle Grayskull wie Indiana Jones‘ Tempel des Todes vorwegnimmt, einen Vulkankrater anbeten. Sie treffen Tyler, der ein trauriges Dasein als Gefangener fristet, befreien ihn, nehmen den Kampf gegen die Unholde auf und entfliehen in letzter Sekunde einem Vulkanausbruch, der Caprona in Schutt und Asche legt.

THE PEOPLE THAT TIME FORGOT bietet wieder jede Menge Gummisaurier und Auseinandersetzungen mit den Einheimischen, darüber hinaus deutlich mehr Action und Remmidemmi als der Vorgänger, büßt über dem ganzen Krawall aber leider jene naive Unschuld ein, die diesen so liebenswert machte. Schlüssel zum Erfolg von THE LAND THAT TIME FORGOT war die Tatsache, dass man die geheimnisvolle Insel durch die Augen der staunenden Entdecker betrachtete, sie mit ihnen gemeinsam erkundete und für ihre Andersartigkeit respektierte. Zwar mussten auch die damaligen Protagonisten sich gegen einige der Gefahren zur Wehr setzen, aber im Wesentlichen beschränkten sich die Aggressionen auf den Konflikt zwischen den Gestrandeten. Das ist im Sequel  mit seiner latent militaristischen Invasions- und Befreiungsdramaturgie grundlegend anders. Die fremdartige Flora und Fauna sind nichts mehr, was den sense of wonder anspricht, sondern bloße Hindernisse, die stumpf beiseite geräumt werden müssen, um zum Ziel zu gelangen. Das ist nicht nur weniger sympathisch, sondern auch einfach langweiliger: THE LAND THAT TIME FORGOT gewann seine Spannung nicht zuletzt daraus, dass da zwei eigentlich verfeindete Parteien – Deutsche und Engländer – miteinander kooperieren mussten. In THE PEOPLE THAT TIME FORGOT werden als Antagonist die gesichtslosen Schurken aus dem Hut gezaubert, über die man nichts erfährt, außer dass sie böse sind. Spannung kommt da leider nicht auf. Und so entspricht diese Fortsetzung der ernüchternden Rückkehr zu einem verbundenen, unberührten Urlaubsort, mit dem man schöne, lebhafte  Erinnerungen verbindet, die sich mit der Realität von inzwischen errichteten Betoburgen  und dem Einzug des Massentourismus leider nicht mehr decken wollen. Sequel-Business as usual, auch hier. Schade drum.

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s