ahí va el diablo (adrían garcía bogliano, mexiko 2012)

Veröffentlicht: März 23, 2016 in Film
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here-comes-the-devilBlöderweise deckt sich diese Rezension zu annähernd 100 % mit meinem Seherlebnis, was nicht so schlimm wäre, hätte ich sie nicht vor Verfassen meines eigenen Eintrags gelesen: Jetzt habe ich nämlich eigentlich gar nix mehr zu sagen. In meiner Wahrnehmung (die täuschen kann) war dieser mexikanische Horrorfilm, der unter dem internationalen Verleihtitel HERE COMES THE DEVIL vermarktet wurde, von der Kritik ziemlich gelobt worden. Meine entsprechend hohen Erwartungen wurden leider jedoch nicht erfüllt. Solchermaßen underwhelmed, wollte ich sogleich nachlesen, was mir bei meiner Sichtung möglicherweise durch die Lappen gegangen sein könnte, nur um mich durch obigen Text darin bestätigt zu sehen, dass AHÍ VA EL DIABLO es nach überaus ansprechendem Aufbau versäumt, entsprechend nachzulegen.

Potenzial ist indessen reichlich vorhanden: AHÍ VA EL DIABLO lässt sich als pulpige Variante von Peter Weirs PICNIC AT HANGING ROCK lesen, der die im Vorbild verhaltenen und subtilen sexuellen Andeutungen überdeutlich ausformuliert. Der Film beginnt mit einer lesbischen Sexszene und einem brutalen Mord, wendet sich dann einem mexikanischen Mittelklasse-Ehepaar zu, dessen Tochter bei einem Wochenendtrip von ihrer ersten Periode überrascht wird. Die folgenden, äußerst ungelenken Aufklärungsbemühungen der Eltern werden vom Auftritt eines Spanners flankiert, der gierig den blutigen Slip des Mädchens beäugt, führen schließlich zu einem Parkplatz, auf dem das Ehepaar zurückbleibt und sich auf den Sitzen des Autos verlustiert, während die beiden Kinder den nahegelegenen Hügel erkunden. Als sie nicht wieder zurückkommen, ist das schlimmste zu befürchten, und auch als sie dann doch völlig unversehrt wieder auftauchen, nehmen die Sorgen damit kein Ende, denn der Verdacht, dass sie missbraucht worden sein könnten, nimmt immer konkretere Formen an.

Die Ausgangslage ist also durchaus spannend, scheint eng an das seltsam heikle Verhältnis des Ehepaars zur körperlichen Zweisamkeit geknüpft (die oben erwähnte Sexszene der beiden wirkt gleichermaßen kinky wie unangenehm repressiv). Dass die Höhle, die die Geschwister auf ihrem mit dem Sex der Eltern parallel montierten Erkundunsgang entdecken, an eine Vagina erinnert, stützt den dahingehenden Verdacht des Zuschauers. Doch leider liegt diese Bedeutungsebene in der zweiten Hälfte des Films, in der er sich in eine wenig originelle Naturdämonen- und Besessenheitsgeschichte verwandelt, völlig brach. Immerhin kann man Bogliano eine Inszenierung zugutehalten, die stets slightly off-kilter ist, auch banale Szenen noch rätselhaft und beunruhigend erscheinen lässt. Die vorzügliche Kameraarbeit, die stets eine peinliche Distanz zu den Figuren hält, trägt entscheidend zum befremdlichen Eindruck bei. Vor den Tricks und Kniffen, die der gemeine Genreregisseur so in petto haben muss, nimmt Bogliano leider dennoch nicht gänzlich Abstand: Da darf es aus dem Nichts bedeutungsschwer rummsen und krachen, flackern die Lichter, stehen Menschen regungslos-schattenhaft im Dunkel rum und starren ins Nichts. Ganz sicher entfalten solche Momente im dunklen Kinosaal und auf großer Leinwand eine Wirkung, die sich bei mir – tagsüber und auf dem Fernseher – nicht einstellen wollte. Aber auch, wenn ich das strafmildernd berücksichtige, bleibt ein Film, der leider nicht halb so clever ist, wie es zunächst den Anschein macht.

 

 

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