steele justice (robert boris, usa 1987)

Veröffentlicht: März 26, 2016 in Film
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steelejusticeIch weiß nicht genau, wie lange ich diesem Film schon hinterherjage: Es war ein Screenshot des mit Tarnfarben bemalten Martin Kove, der in meinem jugendlichen Selbst den unbändigen Wunsch wachsen ließ, STAHL-JUSTIZ (wie er hierzulande in einer fast Ernstjünger’schen Interpretation des Originaltitels heißt) zu sehen. Dummerweise ist er mir in all den Jahren nie über den Weg gelaufen, weder als VHS-Tape noch als DVD. Umso größer die Freude, als ich ihn vor kurzem endlich, endlich auftreiben konnte. Wie STEELE JUSTICE nun eigentlich ist, verkommt angesichts dieses jahrzehntelangen Vorlaufs fast zur Nebensache. Ich sage es mal so: Der Film reicht an sein arschgeiles Poster („You don’t recruit John Steele, you unleash him.“) nicht ganz heran, aber als begeisterter Fan des Achtzigerjahre-Actionkinos nimmt man auch etwas biederere Ware wie diese gern mit, sofern der Spirit stimmt und es ordentlich was auf die Mütze gibt. Und das ist hier durchaus der Fall.

Martin Kove – bekannt für THE KARATE KID und RAMBO: FIRST BLOOD PART II – ist in einer seltenen Hauptrolle als ausgebrannter Vietnamveteran John Steele zu sehen, der es 12 Jahre nach dem Krieg in der Heimat mit seinem alten Rivalen General Kwan (Soon Teck-Oh) zu tun bekommt. Jener ist mittlerweile nicht nur ein angesehener Geschäftsmann, sondern auch Chef der vietnamesischen Mafia. Als Steeles alter Kamerad, der Kriminalbeamte Lee (Robert Kim), samt Ehefrau bei einem Anschlag der Mafia das Leben lassen muss, begibt der sich mit freundlicher Genehmigung von Polizeichef Bennett (Ronny Cox) auf einen zerstörerischen Rachefeldzug.

STEELE JUSTICE ist, wie man dieser Zusammenfassung unschwer entnehmen kann, streng genommen Dutzendware und Regisseur Robert Boris fehlt es deutlich an Finesse und Profil, um seinem Film das Epigonale, Fernsehhafte auszutreiben. So richtig wehtun will er keinem: Großkalibrigen Ballereien mit reichlich Aderlass stehen süßlich-kitschige Szenen mit der jugendlichen Tochter von Steeles totem Kumpel sowie humorige Momente gegenüber, die sich um die Lebensunfähigkeit des Protagonisten drehen und sein raubeiniges Gammlertum zur liebenswerten Marotte verklären. Wie so viele Actionfilme um Vietnamveteranen handelt auch STEELE JUSTICE eigentlich von posttraumatischem Stress, von den tiefen Wunden, die die Erfahrung des Krieges hinterlässt, von der Unfähigkeit der Betroffenen, danach zur Normalität zurückzukehren. Aber eine echte Auseinandersetzung mit diesem Thema findet erwartungsgemäß nicht statt, es scheint noch nicht einmal das Bewusstsein für diese krankhafte Disposition vorhanden zu sein. Stattdessen trauert Steele im Verständnis des Films dem Krieg nach, weil er da noch seinen Freund hatte, sich nicht ständig vor dem Gesetz verantworten oder vor der strengen Ex-Frau rechtfertigen musste.

Robert Boris – größte Leistung: das Drehbuch für Mark L. Lesters EXTREME JUSTICE – hat eher seichte Unterhaltung im Sinn, garniert seinen Film dann auch mit den damals gängigen Trainings- und Videoclip-Montagen, ohne jedoch jemals an die visuelle Raffinesse anknüpfen zu können, die Filmemacher vom Schlage eines George Pan Cosmatos oder Michael Mann bei solchen in die Waagschale warfen. Kove macht seine Sache gut, aber er ist als Typ etwas zu durchschnittlich, um einen solchen Film als Hauptdarsteller tragen zu können. Nicht zuletzt wegen ihm wirkt STEELE JUSTICE ein bisschen wie der Pilotfilm für eine nie in Produktion gegangene Serie. Auch andere, etwas alberne Elemente tragen dazu bei: So hat Steele als Haustier stets eine giftige Schlange bei sich, die trotz offensichtlich wenig artgerechter Haltung nicht nur satte 12 Jahre lang, vom Vietnamkrieg bis in die Gegenwart des Films, bei ihm überdauert, sondern am Ende auch einen der Schurken abräumt (die kurze Netzrecherche ergab, dass es sich bei der Schlange um eine völlig ungiftige Königsnatter handelt). Das Finale erinnert mit dem Superpanzer in der Fabrikhalle nicht wenig an Andrew Davis‘ CODE OF SILENCE, sein Einsatz bleibt aber ebenso antiklimaktisch wie der hüftsteife Schwertkampf gegen Kwan. Wie dem auch sei: STEELE JUSTICE ist leider nicht der von allen vergessene Klassiker der Eighties-Action, aber doch ein sehenswerter Vertreter des Genres, der so etwas wie die gehobene Mittelklasse verkörpert.

 

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