rolling vengeance (steven hillard stern, kanada 1987)

Veröffentlicht: März 27, 2016 in Film
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RollingvenDer Monstertruck, ein Relikt der Achtzigerjahre, als alles etwas größer sein musste. Da gab es ein richtiges kleines Monstertruck-Subgenre, mit Filmen wie diesem hier, Harley Cokeliss‘ BATTLETRUCK oder dem von Abel Ferrara inszenierten THE GLADIATOR. Eigentlich eine höchst dämliche Erfindung, so ein Monstertruck, in Zeiten damals schon sprunghaft ansteigender Verkehrsdichte und schrumpfender Parklücken vollkommen unpraktisch, als Schwanzersatz eine maßlose Überkompensation und als Waffe so subtil wie eine Keule mit der Aufschrift „Keule“.

Trotzdem gelingt es dem Protagonisten von ROLLING VENGEANCE, dem jungen Lastwagenfahrer Joey Rosso (Don Michael Paul), der seine ganze Familie an den miesen, kleinkriminellen Titten- und Truckerbar-Besitzer Tiny Doyle (Ned Beatty mit unglaublicher Rockabilly-Frisur) und seine gehirnamputierte Redneck-Brut verloren hat, dieses Ungetüm auf vier Rädern vor einer ganzen Kleinstadt geheimzuhalten. Und das unter der erschwerten Bedingung, dass es doch ziemlich eindeutig ist, wer ein Interesse daran haben könnte, die miesen Doyle-Bastarde mit einem Monstertruck zu Mus zu zerquetschen. Aber den ganzen Film über kommt niemand auf die Idee, Joey nach einem Alibi zu fragen oder in seiner Scheune nachzuschauen, in der er das Gerät geparkt hat. Natürlich liegt das auch daran, dass der örtliche Sheriff ganz froh darüber ist, dass ihm jemand die Arbeit mit den ungeliebten Proleten abnimmt. Aber es zeigt doch auch, mit welcher Einfalt ROLLING VENGEANCE gescriptet wurde: Die Böse sind böse, die Guten sind gut, ein Monstertruck macht alles platt und am Schluss geht das Liebespaar in den Sonnenuntergang. Für Spielverderber ist in diesem Konzept kein Platz und das passt ja auch, schließlich handelt es sich bei ROLLING VENGEANCE eben um einen Monstertruck-Film, von dem von vornherein man keine Exkurse in die Quantenphysik oder die Sozialwissenschaften erwartet, sondern eben einen Monstertruck, der alles plattwalzt, was sich ihm in den Weg stellt.

Der Film leistet dann auch über 90 Minuten gemütliche, weil vorhersehbare Unterhaltung. Viel mehr als an einer glaubwürdigen Motivation der einzelnen Charaktere ist Regisseur Stern an der Affektsteuerung gelegen und da ist es natürlich enorm zuträglich, wenn die Schurken so richtig schön irrational und asozial sind, feixend und gröhlend eine Mama mit ihren beiden Kindern in den Tod durch Frontalzusammenstoß mit Lkw treiben oder von einer Brücke mit Betonklötzen nach dem heranbrausenden Truckerpapa schmeißen. Nach der Gerichtsverhandlung, bei der sie natürlich straffrei davonkommen, üben sie sich nicht etwa in Diskretion und Demut, sondern verhöhnen und provozieren im Vollrausch die Hinterbliebenen, bis es zu einer wilden Keilerei kommt. Und manchmal hilft dann eben einfach nur der Monstertruck, den man seit Monaten in der heimischen Scheune zusammenschraubt. Man könnte auch sagen: Die Doyles haben sich das Von-einem-Monstertruck-plattgewalzt-Werden redlich verdient.

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