dark night of the scarecrow (frank de felitta, usa 1981)

Veröffentlicht: März 28, 2016 in Film
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091229061915763115145848Vor kurzem habe ich bei einem Treffen mit dem lieben Patrick vom Bahnhofskino geplaudert und unser Gespräch führte uns irgendwann auch zu den modernen Fernsehserien, zum Hype um das „Golden Age of Television“ und die damit implizierte Behauptung, Fernsehen sei früher wesentlich schlechter und billiger gewesen. Gut, Serien waren damals noch anders angelegt als das heute der Fall ist, aber der Aufwand hinter ihnen war mitunter kaum weniger beträchtlich. Und ein fürs Fernsehen produziertes Werk wie Frank De Felittas Gruselschocker DARK NIGHT OF THE SCARECROW beweist, dass der Unterschied zwischen Kino und Fernsehen in den frühen Achtzigerjahren noch deutlich weniger ausgeprägt war als heutzutage. Nicht umsonst hat der Film die fast 40 Jahre seit seiner Erstausstrahlung überdauert, ist in dieser Zeit zu einem innig geliebten Klassiker gereift, der außerdem längst den Sprung ins HD-Zeitalter geschafft hat und so manchem heute mit x-fachem Budget fürs Kino gedrehten Horrorfilm locker die Wurst vom Brot zieht.

Die Story ist denkbar einfach und erinnert etwas an die schwer moralischen Schuld-und-Sühne-Fabeln, die im Rahmen der TALES FROM THE CRYPT-Serie verabreicht werden: In einem kleinen Kaff irgendwo im amerikanischen Heartland wirft eine Gruppe von Männern um den Briefträger Hazelrigg (Charles Durning) ein äußerst kritisches Auge auf die Zuneigung des örtlichen Schwachkopfes Bubba (Larry Drake) zu kleinen Kindern. Ihrer Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Unglück geschieht, denn hinter einem geistig Behinderten versteckt sich fast zwangsläufig ein Mörder. Doch noch bevor sie prophylaktische Maßnahmen ergreifen können, tritt anscheinend ein, was sie vorhergesehen haben: Die kleine Marylee stirbt in den Händen des Zurückgebliebenen. Bubba flieht vor dem eilig zusammengetrommelten Lynchmob, verkleidet sich als Vogelscheuche auf einem Feld, wird jedoch aufgespürt und kaltblütig erschossen. Wenig später erfahren die Mörder, dass Marylee mitnichten tot ist, sie bloß das Opfer einer Hundeattacke geworden war und ihr Leben de facto nur dem schnellen Eingreifen Bubbas verdankt. Doch da ist es natürlich schon zu spät. Aufgrund mangelnder Beweise freigesprochen, fallen die nur wenig schuldbewussten Männer wenig später nacheinander einem unbekannten Rächer zum Opfer …

De Felittas Film bietet kaum inhaltliche Überraschungen, läuft mit äußerster Stringenz und Konsequenz auf sein Ende zu. Es ist allein seine Inszenierung, die dafür sorgt, dass man gebannt vor dem Bildschirm ausharrt, bisweilen – vorausgesetzt man schaut den Film nachts und allein – dieses unangenehme Frösteln spürt, das zeitgenössische Filme kaum noch zu erzeugen verstehen, weil sie sich zu sehr zum großen Effektbuhei versteigen. Es sind vor allem diese unangenehme Ruhe, der Verzicht auf Musik im entscheidenden Moment im Gegensatz zum Tosen und Schwellen der Streicher, das heute meist bemüht wird, der Einsatz von Totalen, die die ganze Unausweichlichkeit des Bevorstehenden betonen, und das einfache, aber ungemein effektive Design der Vogelscheuche, die DARK NIGHT OF THE SCARECROW seine beachtliche Wirkung verleihen. Das und Charles Durnings Darbietung: Sein Hazelrigg ist ein hassenswertes Arschloch, der hinter seinem fröhlichen Apfelkuchen-Gesicht die unauslotbaren Abgründe der Bigotterie verbirgt. Wie er im Laufe des Films vom kontrollierten, „kalten“ Vernunftmörder zum hysterisch herumirrenden Angsthasen degeneriert, ist eine wahre Freude. Toll!

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