hardbodies (mark griffiths, usa 1984)

Veröffentlicht: März 28, 2016 in Film
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hardbodies-movie-poster-1984-1020248512Die amerikanische Teenie-Sexkomödie krankt meist daran, dass sie ein ausgesprochen verklemmtes Verhältnis zu ihrem Kernthema hat. Zum Teil liegt das natürlich daran, dass ihre Protagonisten selbst noch unreif sind, aber oft merkt man diesen Filmen an, dass sich ihre Macher vom Alter ihrer Zielgruppe bereits um einige Jahrzehnte entfernt haben. HARDBODIES hebt sich vom Gros des Genres schon deshalb äußerst wohltuend ab, weil es nicht so sehr um Jugendliche geht, sondern um das Verhältnis zum anderen Geschlecht (Homosexualität kommt hier nicht vor, dankenswerterweise auch nicht in der Form dummer Späße) generell. Und der Film nimmt sich dabei selbst nicht aus der Rechnung.

Hauptfigur ist Scotty (Grant Cramer), ein blonder, humorvoll-cleverer Surfertyp, der mit der süßen Kristi (Teal Roberts) liiert ist und kurz vor dem Rauswurf aus seiner runtergekommenen Bude in Venice Beach steht. Scotty ist Kristi treu, aber er hat trotzdem ein großes Faible für die „Hardbodies“, die sportlichen und gebräunten Strandmädchen, die seine Heimat in Scharen bevölkern, und er versteht es wie kein Zweiter, sie mit seinem Charme um den Finger zu wickeln. Das bekommt Hunter (Gary Wood) mit, ein erfolgreicher Geschäftsmann in den „besten Jahren“, der sich mit seinen beiden Freunden Rounder (Michael Rapport) und Ashby (Sorells Pickard) soeben ein nobles Strandhaus geleistet hat, um es dort noch einmal so richtig krachen zu lassen. Weil die drei Männer mit ihren eigenen Eroberungsversuchen bisher aber kläglich gescheitert sind, engagieren sie Scotty kurzerhand als Trainer.

HARDBODIES schockiert in seiner ersten Hälfte geradezu mit seiner ungebremsten Offenheit: Nicht nur weil die „Hardbodies“ da wie Lustobjekte ausgestellt und zum Freiwild erkoren werden, sondern auch, weil Griffiths sich einen Kommentar zu den Avancen der Männer ganz und gar verkneift. Gibt es etwas Schmierigeres als gestandene Männer, die sich an Mädchen ranmachen, die ihre Töchter sein könnten, um mit ihnen reue- und folgenlosen Sex zu haben, und dazu nicht zuletzt ihre finanzielle Affluenz als Werkzeug benutzen? HARDBODIES scheint das zunächst nicht so zu sehen, folgt den Bemühungen der Männer mit amüsierter Distanz, widmet sich dann den Turbulenzen, die ihre ersten Erfolge nach sich ziehen. In der Welt von HARDBODIES sind Männer immer geil, dabei wenig wählerisch, Mädchen potenziell willig, sobald die äußerste Schale erst einmal geknackt ist, und meist ziemlich naiv, um nicht zu sagen dumm. Hier liegt Griffiths Film also noch voll „auf Linie“. Aber irgendwann schwenkt die Stimmung um, nämlich in dem Moment, als Hunter sich ein Mädel angelt, das dafür berüchtigt ist, Männer stundenlang erbarmungslos anzuspitzen, ohne ihnen dann die sehnlich gewünschte „Entladung“ zu bieten. Sein Beinahe-Vergewaltigungsversuch wird soeben noch von Scotty gestoppt, in dessen Armen das Mädchen dann einen Zusammenbruch erleidet: Sie wolle doch nur Aufmerksamkeit, gesteht ihm die plötzlich gar nicht mehr so provokante Blondine unter Tränen. Es ist der Moment, in dem klar wird, dass da Menschen hinter den „Hardbodies“ stehen, und er lässt das Vorangegangene in einem komplett anderen Licht erscheinen.

Vielleicht muss man ein Mann sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass Griffiths diese beiden eigentlich unvereinbaren Ansätze sehr gut unter einen Hut bringt. Ich fand HARDBODIES überraschend spritzig und interessant, was für einen Vertreter der jugendlichen Sexkomödie nicht eben selbstverständlich ist (dass es viele schöne Frauen und ebensolche Brüste zu bestaunen gibt, schadet natürlich auch nicht). Es handelt sich darüber hinaus um einen fast schon prototypischen Achtzigerjahre-Film: Von oberflächlichen Aspekten wie Mode oder Musik abgesehen, kommt im Verhalten der drei Männer jenes Entitlement und die Anything-goes-Mentalität zum Ausdruck, die diese Ära so entscheidend auszeichneten. Der Begriff „Hardbodies“ sollte dann ja auch einige Jahre später im Mund des Psychopathen Patrick Bateman ganz zu sich kommen und die materialistische Gesinnung, die sich hinter ihm verbirgt, gnadenlos offenlegen. Die Bedrohung durch AIDS, die ab Mitte des Jahrzehnts die ausgelassene Stimmung trübte, war bei HARDBODIES noch in weiter Ferne, ebenso wie die Reflektion über den eigenen Exzess. Dass Griffiths da weiter ist als seine Figuren, ist indes schon ein Zeichnen des bevorstehenden Umbruchs. Guter Film, in dem man überdies von den späteren Hardrock-Mädels von Vixen was auf die Ohren bekommt.

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