top model (joe d’amato, italien/usa 1988)

Veröffentlicht: April 7, 2016 in Film
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topmodelDer Titel TOP MODEL ist gleich in zweierlei Hinsicht irreführend: Zum einen handelt es sich bei diesem Film des fleißigen Joe D’Amato um ein Sequel zu dessen 9 1/2 WEEKS-Rip-off 11 DAYS, 11 NIGHTS aus dem Jahr zuvor, das damals sogar einen deutschen Kinostart bekam. (Der Alternativtitel von TOP MODEL lautet dann auch wesentlich weniger geheimniskrämerisch 11 DAYS, 11 NIGHTS PART 2: THE SEQUEL.) Zum zweiten gibt es im ganzen Film kein einziges Top-Model zu bewundern, vielmehr müsste man die Protagonistin richtigerweise als „Upper Middle Class Prostitute“ bezeichnen, was zugegebenermaßen nicht ganz so glamourös und griffig klingt und auch schlechter auf ein Videokassetten-Cover passt.

Wie zuvor geht es um die gar nicht prüde Sarah Asproon (Jessica Moore): Sie arbeitet im vornehmen Callgirl-Betrieb von Dorothy (Laura Gemser), die – wenn ich das richtig verstanden habe – auch als ihre Verlegerin fungiert. Sarah ist nämlich eine Art Kreuzung aus Günther Wallraff und Erika Berger, und nachdem sie zuvor einen Bestseller über ihre Sexerlebnisse als clevere Aufreißerin geschrieben hatte, soll sich in ihrem neuen Buch nun alles um die verschiedenen Freier drehen, die sie bedienen muss. Da ist zum Beispiel der schwitzige Brillenfettsack, der sie in einem mit nackten Schaufensterpuppen ausgestatteten, sonst völlig leeren Loft empfängt und sie dann dabei fotografiert, wie sie Sex mit diesen simuliert. Oder ein fieser Geschäftsmann, der sie in einer Lagerhalle für Mardi-Gras-Umzugswagen vögelt und das Spektakel per Kamera in ein kleines Büro überträgt, wo seine Kumpels anerkennend mit der Zunge schnalzen. Dann gibt es da noch einen großen, sehnigen Schwarzen mit einem riesigen, extraordinär frisierten Schnauzbart, der wahre Sturzbäche der Lust schwitzt, während Sarah ihm … ja was denn eigentlich? Der Kameraperspektive und ihren Bewegungen zufolge vermute ich, dass sie ihm lustvoll die Kniescheiben massiert, aber ich kann mich natürlich irren, kenne mich schließlich nicht aus im Business.

Naja, wie dem auch sei, jedenfalls lernt Sarah eines Tages Cliff (James Sutterfield) kennen, der in Dorothys Agentur irgendwas mit den Computern machen soll. Er verguckt sich in die stets provokative Sarah, die von seiner Mischung aus jungenhafter Schüchternheit und durchtrainiertem Hardbody sogleich auf Betriebstemperatur gebracht wird. Nun kommt das eine Problem ins Spiel, das sich der Film gönnt – als „Konflikt“ kann man es kaum bezeichnen: Cliff ist während seines Aufenthalts in N’Awlins, wo der Film wie fast alles, was D’Amato in dieser Zeit gedreht hat, spielt, bei seinem Freund untergekommen, der seinerseits auf Geschäftsreise ist und gern eine Beziehung mit Cliff führen würde. Cliff ist sich nämlich über seine Sexualität nicht so recht im Klaren, zumindest sollen das seine hadernde Blicke und eine Szene, in der er ein Foto seines Freundes anhimmelt, suggerieren. Aber mit seiner inneren Zerrissenheit ist es dann doch nicht so schlimm, denn er nutzt jede sich bietende Gelegenheit, sich mit Sarah zu treffen und sich von ihr in die weite Welt der heterosexuellen Liebe einführen zu lassen. Diese Sarah ist wirklich bemerkenswert: Wo andere Prostituierte zwischen zwei Freiern froh wären, sich vom Job erholen zu können oder mal was ganz anderes zu machen, zum Beispiel neues Laminat verlegen oder die Fugen im Bad nachziehen, da trifft sie sich noch zum privaten Ficken. Da hat jemand wahrlich sein Hobby zum Beruf gemacht! Was in den seligen Eighties alles möglich war! Natürlich darf nach 9 1/2 WEEKS auch eine Szene nicht fehlen, in der Nahrungsmittel lüstern zweckentfremdet werden, in diesem Fall eine ganze Box mit Garnelen, die Cliff seiner Geliebten über den nackten Körper zieht (also die Gernelen, nicht die Box). Findet das wirklich irgendjemand geil auf diesem Planeten? Wenn ja, more power to them, aber zum Angucken ist das wirklich nix.

Ganz, ganz zum Schluss, man fragt sich schon, wo diese träge Aneinanderreihung von supersoft gefilmten Sexszenen eigentlich hinführen soll, kommt dann der Moment der Eskalation, auf den in RomComs so verlässlich wie das Amen in der Kirche eine Montagesequenz folgt, die die beiden eigentlich füreinander Bestimmten, nun aber durch ein dummes Missverständnis Getrennten dabei zeigt, wie sie traurig die Orte des verflossenen gemeinsamen Glücks aufsuchen, bedröppelt bei ihren ausgelassen lachenden Freunden sitzen oder sich in Jogginghose und Unterhemd zwischen aufgerissenen Chipstüten und Kleenexpackungen gehen lassen: Sarah sieht Cliff, wie er auf dem Flughafen seinen zurückkehrenden Freund abholt und dieser ihm vertraulich die Hand auf den Arm legt. Ich wusste ja, dass Amerikaner als keusch gelten, aber ob diese kleine Freundschaftsbekundung wirklich jenes Entgleisen der Gesichtszüge rechtfertigt, das Sarah danach befällt? Aus der oben skizzierten Trauer und der folgenden tränenreichen Versöhnung wird leider nichts, denn kaum hat Sarah sich umgedreht, um in eine Zukunft ohne Cliff zu schreiten, kommt der auch schon hinter ihr hergerannt und es gibt eine Umarmung, die sagt: „Lass uns heiraten! Ach nee, lass uns erst einmal irgendwas Geiles mit unseren Geschlechtsteilen machen.“ Wer will es Cliff verdenken? Wer sich einmal von Sarah die Kniescheiben hat massieren lassen, ist für homosexuelle Popoliebe für immer verloren.

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