11 days, 11 nights 2 (joe d’amato, italien 1990)

Veröffentlicht: April 12, 2016 in Film
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11days11nights2movieposterturkishJetzt ist die Verwirrung perfekt: Die nominelle Fortsetzung von D’Amatos 11 DAYS, 11 NIGHTS ist eigentlich schon der dritte Film um die erotischen Abenteuer der „Gesellschaftsautorin“ Sarah Asproon. Doch weil der zweite Teil unter dem höchst irreführenden Titel TOP MODEL vermarktet worden war, bekommt Teil drei nun die Nummer 2 verpasst und somit die große Ehre, sich „offiziell“ schimpfen zu dürfen.

Alle Welt wartet auf das neue Buch von Sarah (Kristine Rose), die soeben ihre Scheidung (?) hinter sich gebracht hat, aber ihr fehlt noch die zündende Idee, was ihrer Verlegerin, die jetzt zwar Jackie heißt, aber immer noch von Laura Gemser gespielt wird, gar nicht gefällt. Zum Glück platzt just in diese kreative Dürre ein unscheinbarer Briefumschlag, der sich als Testament eines verflossenen Lovers von Sarah entpuppt. Sie soll in sein Haus einziehen und entscheiden, welcher seiner Verwandten seines Erbes würdig ist. Die Baggage entpuppt sich als einzige Schlangenbrut, jeder hintergeht jeden und hat eine Leiche im Keller. Kein Hindernis für Sarah, nicht zumindest die männlichen Vertreter auf die Matratze zu zerren, um ihre Geheimnisse ans  Tageslicht zu bringen …

Und los geht es, das schlaftrunkene Softcore-Georgel zu Neunziger-Synthiemucke, die sich mit Akkordeon-Einsatz als schwerst Lambada-geschädigt erweist. Kristine Rose, die die kecke, pausbäckige Jessica Moore in der Hauptrolle ablöst, wirft platinblondes Haar und schmerzhaft euterförmige Silikonbrüste ins Rennen, hat null Charisma, aber dafür das ausdruckslose Gesicht, das die perfekte Projektionsfläche für D’Amatos Schmierenkomödie ist. Jede Szene läuft mit pornöser Zielstrebigkeit auf das nächste Nümmerchen hinaus, kein Wunder, dass alle Charaktere so wirken, als litten sie unter Rückenmarksschwund und akuter Hirnerweichung. Schon dass die Welt da händeringend auf die mittlerweile dritte Ausgabe der gesammelten Fickgeschichten dieser höchst langweiligen Sarah wartet, stellt der Menschheit kein gutes Zeugnis aus, doch dass alles noch sehr viel schlimmer ist, beweist der desolate Zustand der Durrington-Sippe. Der Höhepunkt der Niedertracht wird in einer Rückblende erreicht, in der der Vater die Studienfreundin seines Sohnes betäubt und vergewaltigt, um den Sohnemann, der gerade noch rechtzeitig eintrifft, um seinen Papa balls deep in action vorzufinden, in die bis in die Gegenwart des Filmes vorhaltende Impotenz zu stürzen. (Ihr dürft raten, wer den armen Tropf wieder auf Vordermann bringt.) Die immer besoffene Mama, bei der man den ganzen Film über vergeblich darauf wartet, dass ihr ein Sabberfaden aus dem stets geöffneten Mund tropft, fällt da kaum noch ins Gewicht.

Die Atmosphäre des Films ist superseltsam, dunkel, irgendwie steif (hihi) und künstlich, und einige rätselhafte Regieeinfälle und Dialogzeilen verstärken diesen Effekt noch. Zu Beginn sieht man Sarah und Jackie zusammen joggen und als sie eine Pause machen, schaut Jackie auf die Uhr und bemerkt freudig, dass sie heute „10 Minuten“ schneller gewesen seien als sonst. Das nennt man wohl Trainingsfortschritt. Toll ist auch ein anscheinend defekter Fernseher, der in einem der Zimmer des ausladenden Hauses der Durringtons herumsteht: Er dient als Ständer für einen anderen, kleineren Fernseher und auf seiner Mattscheibe klebt ein Sticker mit der Aufschrift „Drink Responsely“, was gut gemeint, aber nicht wirklich übersetzbar ist. D’Amatos Talent, vielsagende Pullover für seine Figuren auszuwählen, das man schon in BLUE ANGEL CAFE bewundern konnte, wird hier mit gleich zwei beeindruckend schlimmen Strickpullis in einer Szene auf die nächste Stufe katapultiert. Und dann ist da natürlich der absolut denkwürdige Schlusstwist, der allein das Ansehen von 11 DAYS, 11 NIGHTS 2 lohnt und Hollywood vormacht wie das funktioniert mit den ordentlich reinknallenden Überraschungen in letzter Sekunde. Sehr schön finde ich ja auch, dass die Drehbuchautorin Rossella Drudi – die auch in zahlreichen Filmen u. a. von Claudio Fragasso, Bruno Mattei und D’Amato mitwirkte – unter dem Pseudonym „Sarah Asproon“ arbeitete: Das wirft vielfältige Deutungsmöglichkeiten und Fragen (u. a. über ihren Lebenswandel) auf, unterstreicht aber vor allem den pseudoaufklärerischen, in Wahrheit aber nur sensationalistischen Charakter der Filme, mit dem sie etwas an die Reihe der „Reports“ und Mondofilme von einst erinnern. Nur bei D’Amato kann eine von Bett zu Bett hüpfende Nymphomanin als große Gesellschaftskritikerin, Vorzeigefeministin und intellektuelle Vordenkerin firmieren. Ich bin gespannt, welche Wahrheiten sie als nächstes unter der Bettdecke hervorzerrt.

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