spy (paul feig, usa 2015)

Veröffentlicht: April 12, 2016 in Film
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v1.bTsxMTE5MDkyNjtqOzE3MDE1OzIwNDg7MjAyNTszMDAwPaul Feig macht konsequent da weiter, wo er mit THE HEAT aufgehört hat: Bezog der seinen Witz in erster Linie daraus, typischerweise von Männern ausgefüllte Rollen – den linientreuen, karrieristischen FBI-Agenten im Anzug und den ausgebrannten, die Grenzen der Legalität bewusst übertretenden Bullen von der Straße – von Frauen interpretieren zu lassen, konfrontiert er seine Lieblingsschauspielerin Melissa McCarthy in SPY mit der glamourösen Welt der internationalen Spionage, wie sie sich in den Bond-Filmen darstellt und in der seine Heldin aufgrund ihres nur durchschnittlichen Aussehens mit aggressiver Herablassung behandelt wird.

McCarthy spielt die Agentin Susan Cooper, die den Einsatz im Feld gegen einen Job in der CIA-Zentrale eingetauscht hat. Sie ist der kongeniale Partner des weltgewandten, eleganten und selbstbewussten Superagenten Bradley Fine (Jude Law), den sie als Stimme im Ohr aus der Distanz durch die schwierigsten Situationen navigiert. Ihre heimliche Bewunderung für Fine fällt aber nicht auf fruchtbaren Boden, vielmehr behandelt er sie zwar wie einen guten Bekannten und geschätzten Kollegen, aber auch ein wie völlig asexuelles Wesen und eine wandelnde Slapstick-Einlage. Als Fine bei einem Einsatz der schurkischen Rayna Boyanov (Rose Byrne) zum Opfer fällt, wittert Susan ihre große Chance, sich endlich einmal in freier Wildbahn zu beweisen. Weil sie im Gegensatz zu ihren Kollegen völlig unbekannt ist, erhält sie den Zuschlag, sehr zum Missfallen ihres aufbrausenden – und etwas dümmlichen – Kollegen Rick Ford (Jason Statham), der sich sofort an ihre Fersen heftet …

Die Story von SPY ist nur mäßig interessant und der Film mit einer Laufzeit von zwei Stunde auch etwas zu lang geraten, aber wie in den Filmen zuvor gelingen Feig gerade in der Zeichnung und dem Miteinander seiner Charaktere immer wieder glorreiche Momente und Gags, die über manche Länge hinwegtragen. Die „Nettigkeiten“, die Susan aufgrund ihrer Figur und ihres nur wenig aparten Aussehens in einem Fort über sich ergehen lassen muss, sind ein Running Gag mit durchaus schmerzhafter Komponente, ahnt man doch, dass sie einen wahren Kern haben, mit dem Frauen in unserer oberflächenfixierten Welt täglich zu kämpfen haben. Wunderbar ist wieder einmal Rose Byrne als krasser Gegenpol zur Hauptfigur, eine attraktive, modebewusste und schlanke Dame, die ihre Überlegenheit und die von Susans Durchschnittlichkeit ausgelöste Langeweile offensiv heraushängen lässt. Allein ihr ständiges Augenrollen, das genervte Sich-Abwenden und ihre von Beleidigungen nicht zu unterscheidenden Komplimente lohnen die Sichtung des Films. Dann ist da natürlich noch Jason Statham, der seine Actionfilm-Persona mit Verve aufs Korn nimmt. Absolut göttlich ist sein langer Monolog, in dem er Susan aufzählt, was für selbstmörderische Aktionen und tödliche Verletzungen er bereits überstanden habe. Es ist die egomanischer Wendung des typischen „How bad is he?“-Monologs, eines Actionfilm-Standards, den herauszustreichen ein Verdienst des wunderbaren Vern ist. Die eigentliche Entdeckung von SPY ist aber Miranda Hart als Susans Freundin und Kollegin Nancy, eine lange, kaum weniger durchschnittliche Erscheinung, die sich am Ende mit dem Enthusiasmus des Amateurs in die Schlacht wirft, um Susan zur Seite zu stehen.

Leichte Abnutzungserscheinungen lassen sich nach BRIDESMAIDS und THE HEAT nicht ganz verhehlen, aber solange dabei trotzdem eine Komödie vom Format von SPY herauskommt, kann ich damit gut leben. Wer eine intelligente Verballhornung männlicher Actionfilme, neue kreative Flüche und Beleidigungen oder auch nur den neusten Schwanzwitz sucht (nur in der Extended Version) macht hier also definitiv nichts falsch.

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