chinese kamasutra (joe d’amato, italien 1993)

Veröffentlicht: April 18, 2016 in Film
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chinese-kamasutra-movie-poster-1993-1020378132Die amerikanische Sinologin Joan Parker (Giorgia Emerald) verschlägt es zu Studienzwecken nach China, wo sie auf der Suche nach, wie sie sinngemäß sagt, „wenig bekannten kulturellen Phänomenen Chinas“ auf das Kamasutra stößt. Man verzeiht ihr die scheunentorbreite Bildungslücke, denn obwohl Joan ein heißer Feger ist, wirkt sie ziemlich spröde und schaut zudem drein wie ein ausrangiertes Auto aus einem ehemaligen Ostblockstaat. Die Lektüre des selbst in der chinesischen Bibliothek mit „Chinese Kamasutra“ beschrifteten Folianten bringt ihr träges Blut zwar ziemlich in Wallung, nur wo sie mit der ganzen tosenden Lust hin soll, das weiß sie nicht. Ihr Kollege würde ja gern mal ran, aber Joan scheint die Signale nicht zu erkennen. Stattdessen wird sie von einem heruntergekommenen, leerstehenden Haus magisch angezogen, hinter dessen Fenstern angeblich ein Mann stehe und ihr anzügliche Blicke nachschicke. Als Joan vor lauter Neugier das Haus betritt, trifft sie dort eben jenen Mann, einen bärtigen Chinesen mit Stirnband und Cape, der ihr eine Geschichte auftischt, die viel zu verrückt ist, als dass sie sie nicht sofort für bare Münze nehmen müsse: Joan sei seine wiedergeborene Geliebte, eine Prinzessin, und er der Geist eines ermordeten Prinzen, der nun in der Ewigkeit darauf warte, mit der Verflossenen wiedervereint zu werden. Warum sie zu diesem Zweck in diverse fantasievolle Sexspielchen einbezogen werden muss, habe ich nicht ganz verstanden – man steckt halt nicht drin im Chinesen -, auch nicht, ob sie das nun alles geil findet oder doch eher befremdet ist: Ihr Blick legt letzteres nahe, aber da sie auch nichts Besseres zu tun hat …

Kann sein, dass es an ihrer Verwirrung liegt, die die Verwischung der Grenze zwischen Traum und Realität verursacht, aber vielleicht ist sie tatsächlich auch nur enttäuscht: CHINESE KAMASUTRA ist (zumindest in der Fassung, die ich gesehen habe) ein Softsexfilm, der sich hier und da lustvoll an den Grenzen zur Hardcore-Pornografie reibt, aber dann doch reichlich trocken bleibt. Das ganze wollüstige Gelecke, ölige Massieren und fingrige Reiben wirkt über die gesamte Spieldauer weniger erregend als vielmehr enervierend. Man möchte den männlichen Protagonisten zurufen, dass sie das Ding doch jetzt endlich mal reinstecken mögen, aber das einzige was eingeführt wird, sind bunte Plastikdildos. In einer sehr bizarren Szene wird Joan von drei hochmotivierten Lustsklaven mit ebensolchen misshandelt und man sieht sehr deutlich, dass sie überhaupt nicht berührt wird. Später serviert man ihr eine Gemüseplatte, deren Centerpiece eine phallisch geschnitzte Möhre ist, die sie mit großem Eifer und unter großem Zungeneinsatz verspeist. Schön, wenn es schmeckt, den Koch wird es gefreut haben. Am Ende fasst sich Joans Kollege, der sie schon seit Tagen nicht mehr gesehen hat und sich Sorgen macht, ein Herz und betritt das Haus: Er sieht so aus wie der Prinz einst und als er Joan auffindet, kommt es dann endlich zur finalen Nummer und der Wiedervereinigung der Wiedergeborenen. Ihr Orgasmus bleibt aber Privatsache, denn CHINESE KAMASUTRA endet just in diesem Moment.

D’Amatos Film sieht zum Teil sehr hübsch aus, vor allem die Rückblenden in die einstige gemeinsame Vergangenheit des Pärchens gefallen dank des ungewöhnlichen Settings, einer verwitterten Ruine, die alles gewesen sein könnte, aber gewiss nicht, wie es in den Dialogen heißt, ein chinesischer Herrscherpalast. Macht nix, denn wenn ich an CHINESE KAMASUTRA etwas wirklich hervorheben möchte, dann definitiv die Tatsache, dass es D’Amato sehr schön gelungen ist, seinen Film in einem Raum anzusiedeln, der weniger geografisch als vielmehr mental verortbar ist. Er entfaltet sich wie ein Traum, schwerelos, redundant, völlig bescheuert, dann wieder mit immenser unklarer Bedeutung aufgeladen, an der nicht nur die teilnahmslose Protagonistin abprallt. Am allertollsten finde ich aber, dass D’Amato, der nie um ein Pseudonym verlegen war, diesen Film tatsächlich unter dem Namen „Chang Lee Sun“ inszeniert hat. Das zeugt von Humor und Stil. Ich glaube daher, dass er den Koch, der so tolle Penisgemüse schnitzt, von zu Hause mitgebracht hat. Oder war das hinterher gar das Werk von Laura Gemser?

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