demon wind (charles philip moore, usa 1990)

Veröffentlicht: April 24, 2016 in Film
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demon windDEMON WIND ist mir als einstig fleißigem Studenten diverser Horrorfilm-Lexika und ihrer akribischen Qualitäts- und Härtepunktwertungen schon lange ein Begriff, gesehen habe ich ihn aber jetzt zum ersten Mal. In „Fachpublikationen“ wie dem „Hölle auf Erden“ blitzten neben seinem Titel die verheißungsvollen Totenkopfsymbole in Reihe auf, die jede Menge Splatter und Gematsche versprachen und einen mehr als einmal zugreifen und die Ahnung, dass sonst nicht viel mehr geboten würde, missachten ließen. Der Staatsanwaltschaft war die rührende Unzulänglichkeut dieses Films, der auch vor nunmehr 26 Jahren kaum dazu geeignet war, irgendjemandem ernsthafte Albträume zu bescheren,selbstverständlich kein Grund, ihn nicht trotzdem  zu beschlagnahmen und ihn so endgültig zum Kultobjekt zu stilisieren. Ein Ruf, den diese billig runtergekurbelte EVIL DEAD-Variation – in Deutschland konsequent als TANZ DER DÄMONEN vermarktet – kaum verdient, auch wenn in die Masken und Spezialeffekte sichtlich Mühe und Herzblut gegossen wurde.

Es geht wieder einmal um ein am Arsch der Welt gelegenes Grundstück, das traditionell von Dämonen heim- und in der Gegenwart des Films von einem jungen Mann und seinen nervtötenden Freunden aufgesucht wird. Dessen Großeltern ließen dort einst auf ungeklärte Art und Weise ihr Leben und auch den Twens geht es im Folgenden übel an den Kragen. Auf Länge gebracht wird diese „Story“ durch jede Menge trantütiges Gestapfe durch die ländliche Ödnis, nervige Zickereien unter den Protagonisten und schließlich ein großes Aufgebot an aknekranken Höllenbewohnern und lustigen Zaubertricks, mit denen sie die jungen Leute ins Bockshorn jagen. Ich möchte den Machern gar nicht absprechen, dass sie sich redlich bemühten, einen Film auf die Beine zu stellen, der wie das große Vorbild neben den wüsten Effekten auch eine gewisse Atmosphäre aufzubieten hat: Man merkt dieses Bemühen vor allem in der ersten halben Stunde, in der die Tristesse der wie leergefegt anmutenden Hügellandschaft, in der DEMON WIND angesiedelt ist, durchaus effektiv eingefangen wird. Aber es gibt dann eben doch einen feinen Unterschied zwischen Traumgleichheit und unheilvoller Stimmung und Langeweile, den Regisseur Moore indes leider nicht so ganz erkannt zu haben scheint. Mein grundsätzlicheer Goodwill, durch die ein der andere putzige Unbeholfenheit der Inszenierung und das sedierte Spiel der Darstellerriege, die einen hoffnungslosen Kampf gegen ihre Klischeefiguren kämpft, noch einige Zeit am Leben gehalten, löste sich irgendwann in Luft auf: Das sich eine gefühlte Ewigkeit hinziehende „Finale“ stellte die eh schon strapazierte Geduld noch einmal sehr auf die Probe, das Einsetzen der Schlusscredits kam einer Erlösung gleich.

DEMON WIND ist bestimmt nicht der schlechteste Film, den ich je gesehen habe, und ich bin gern bereit, ihm seine eklatanten Schwächen angesichts seiner offenkundigen Semiprofessionalität zu verzeihen. Man merkt, dass die meiste Arbeit in die Spezialeffekte gesteckt wurde, die sich dann auch durchaus sehen lassen können, mehr jedenfalls als der Rest des Films. Wie sehr haben sich die Zeiten seit damals doch geändert: Hier ist das noch kein Problem, dass der prollige Jock der Clique seine beiden sich umarmenden Kumpels als „Homos“ beschimpft, wird der bizarre Tod einer Freundin kaum zur Kenntnis genommen, sondern gleich zur Tagesordnung übergegangen, während ihr Lover dreinschaut, als habe er gerade sein neues Auto zu Schrott gefahren. DEMON WIND ist absolut typisch für seine Zeit, in der der DTV-Horrorfilm ein ertragreiches Geschäftsfeld war und es für den Videothekenhit unter Umständen reichte, ein geiles Covermotiv und ein paar lustige Splattereien aufzubieten. Insofern ist es auch ein nostalgisches Erlebnis, sich diesen Film zu Gemüte zu führen. Aber eher eines, das einem verdeutlicht, dass damals auch nicht alles gut und der eigene Geschmack mitunter reichlich unterentwickelt war.

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