zoolander 2 (ben stiller, usa 2016)

Veröffentlicht: Mai 27, 2016 in Film
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zoolander-2-posterIch habe einen besonderen Platz in meinem Herzen für ZOOLANDER reserviert, eine Komödie aus dem Jahr 2001, die auf einem Charakter basiert, den Ben Stiller für eine Reihe von MTV-Sketchen erdacht hatte. In Deutschland gab es mangels Bekanntheit dieser Sketche eigentlich gar keinen Markt für diesen Film, aber als ich ihn in völliger Unkenntnis seiner Basis zu Gesicht bekam war es trotzdem um mich geschehen. In den folgenden Monaten und Jahren avancierte ZOOLANDER in meinem Freundeskreis zur beliebten Stimulanz und als selbst meine neueste weibliche Eroberung bei einer unserer allerersten gemeinsamen Filmsichtungen über die Grimassen lachen musste, die Will Ferrells verrückter Modedesigner Jacobim Mugatu seinem androgynen Sidekick Todd (Nathan Lee Graham) zuwirft, wusste ich, dass ich sie ruhigen Gewissens heiraten kann.

In den Jahren nach ZOOLANDER boomten die Komödien um seine Stars und deren erweitertes Umfeld und eine mögliche Fortsetzung geriet im Trubel der Geschäftigkeit in Vergessenheit. Mittlerweile ist das einst als „Frat Pack“ bezeichnete Ensemble längst von der nächsten Generation von Komikern abgelöst worden: Ben Stiller verdient sein Auskommen heute vor allem mit ebenso sicheren wie uninteressanten FOCKERS- oder NIGHT IN THE MUSEUM-Sequels, Owen Wilson ist seit seinem Selbstmordversuch vor einigen Jahren aus dem großen Rampenlicht verschwunden, von jemandem wie Vince Vaughn hört man nach einigen harschen Flops fast gar nichts mehr. Der einzige, der noch regelmäßig und mit einigem Erfolg Komödien im bewährten Stil liefert, ist der anscheinend unkaputtbare Will Ferrell. Man kann also nicht gerade sagen, dass Stiller mit ZOOLANDER 2 offene Türen einrennt, auch wenn sich Fans des Originals sicherlich gefreut haben. Trotzdem: Die Zeiten haben sich geändert und das merkt man auch dem Sequel an, das glücklicherweise nicht den Fehler macht, so zu tun, als wäre nichts gewesen.

Die einstigen Supermodels Zoolander (Ben Stiller) und Hansel (Owen Wilson) sind mittlerweile in Vergessenheit geraten, finden bei ihrem Comebackversuch eine Modewelt vor, die sich massiv verändert hat und in der kein Platz mehr für selbstverliebte Gecken und die Publicity-Stunts von vor 15 Jahren zu sein scheint. Wenn der neueste It-Designer Don Atari (Kyle Mooney) seinen Mund aufmacht, verstehen die Protagonsten kein Wort und ihr überkommener Style macht sie bei einer Modenschau zum Gespött des Publikums. Das lässt sich auch auf den Film als solches übertragen, der sich in den Szenen um seine beiden Helden in erster Linie auf bereits bewährte und noch einmal aufgewärmte Gags verlässt und so einen etwas müden Eindruck macht, der aber durchaus zur Verfassung seiner Helden passt. Es stellt sich heraus, dass man Stiller und Wilson in ihren Rollen zwar immer noch gern zuschaut, sie ihren Charakteren aber auch nichts wirklich Neues abzuringen wissen. Konzeptionell folgt der Film dem Vorgänger, bietet wie dieser zahlreiche Cameos und Gastauftritte auf, die die ganze Bandbreite von „gezwungen“ (Katie Perry ist einfach nur da) bis „gelungen“ (Sting, der sich als leiblicher Vater Hansels herausstellt, oder Benedict Cumberbatch als hermaphroditisches Model namens „All“) abdecken, und steigert sich in ein absurdes Szenario hinein, das Elemente der Bond-Reihe mit esoterischem Verschwörungsschwurbel verknüpft und herrlich bescheuert ist. Die echten Höhepunkte gehören auch diesmal wieder den Nebendarstellern: Man spürt förmlich, wie ZOOLANDER 2 abhebt, seinen dringend benötigten Adrenalinschub erhält, wenn Will Ferrell endlich als Mugatu auftreten darf, und zuvor zeigt Kristen Wiig als Modezarin Alexanya Atoz, warum sie derzeit eine der gefragtesten Komödiantinnen Hollywoods ist: Unter dickem Make-up nicht wiederzuerkennen, verleiht sie ihrer Figur einen haarsträubenden Fantasieakzent, von dem man gern noch mehr gehört hätte.

Ob einem ZOOLANDER 2 am Ende des Tages gefällt oder nicht, hängt wohl davon ab, wie sehr man den Vorgänger mochte. Ich habe mich über das Wiedersehen gefreut und fand die Wiederbegegnung kurzweilig und amüsant genug, um auch mit den unübersehbaren Schwächen leben zu können. Der ganz ähnlich gelagerte ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES hat mir da zum Beispiel deutlich weniger gut gefallen. Wer aber schon mit ZOOLANDER nichts anfangen konnte, kann auch hier getrost passen.

Kommentare
  1. zorafeldman sagt:

    Moooooooment.😀 Ich hatte Zoolander schon im Kino gesehen, bevor wir uns kannten.
    Aber es war trotzdem ein guter Grund, einander zu heiraten.❤

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