zhui sha (Stanley Wing Siu, Hongkong 1973)

Veröffentlicht: Mai 29, 2016 in Film
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fliegenden-feuerstuehleMit BRUCE LEE GEGEN DIE SUPERMÄNNER und Godfrey Hos NINJA THUNDERBOLT haben sich bislang zwei Vertreter des chaotischen und eher preiswerten, um nicht zu sagen „billigen“, Hongkong-Kinos auf die vorderen Plätze meiner bisherigen Jahresliste gekämpft. Die Hoffnung, dass DIE FLIEGENDEN FEUERSTÜHLE an deren Verstrahltheit würde anknüpfen können, zerschlug sich leider jedoch recht schnell: Stanley Wing Sius Film ist zwar ähnlich entfesselt und wahnsinnig in seiner Aneinanderreihung konfuser Actionszenen, ähnlich mutig und unverdrossen dabei, trotz widrigster budgetärer Bedingungen auf dicke Hose zu machen, aber leider nicht ganz so finessenreich wie die genannten Filme. Seine endlosen Fights zeichnen sich neben der wuseligen Geschäftigkeit eines Ameisenhaufens vor allem durch eine Brachialität aus, die sich mangels entsprechender Resultate aber selbst ad absurdum führt: Ob sich die Kontrahenten mit bloßen Fäusten oder Eisenstangen die Fressen polieren, es macht nicht wirklich einen Unterschied. Ich fand DIE FLIEGENDEN FEUERSTÜHLE über die volle Distanz dann auch eher ermüdend als wirklich anregend.

Was nicht heißen soll, dass es hier nicht einiges zu entdecken, zu bestaunen und lachen gibt: Die Geschichte um ein ungleiches Brüderpaar und ihre Verwicklung ins desorganisierte Verbrechen und eine Drogengeschichte ist herrlich bescheuert und naiv, als sei das Drehbuch von Achtjährigen im Zuckerrausch geschrieben worden, die Inneneinrichtungen machten auch einem Film von Jürgen Enz alle Ehre, die Musik wurde wieder einmal aus allen Himmelrichtungen zusammengeklaut und die typischen Kapriolen solcher Hongkong-Billigaction lassen die graue Wolkendecke immer wieder aufreißen und für Sekunden die Sonne herabstrahlen. Zeit und Raum verlieren jegliche Bedeutung, wenn ein Schnitt ausreicht, um die Akteure von einer Kiesgrube in einen alten Hafen zu führen, und die Ensthaftigkeit des Ganzen wird immer wieder infrage gestellt, wenn Keilereien kurz unterbrochen werden, damit die Kämpfenden sich einen anderen attraktiven Hintergrund aussuchen können. Der absurde Höhepunkt ist gewiss der Raum, der mithilfe großzügig applizierter Tesafilmstreifen mit grünen Papierbahnen „tapeziert“ wurde, aber die gerahmte Schwarzwaldimpression in Öl und der traurige Plüschpanda, die die mit Requisiten vom Flohmarkt ausgestattete Harz-IV-Empfänger-Bude des Love Interests schmücken, sind auch nicht zu verachten. Gut möglich, dass ich DIE FLIEGENDEN FEUERSTÜHLE unter anderen Umständen richtig toll gefunden hätte; so kann ich nur sagen, dass der sehr putzig aber eben auch eher tendenzstählern ist. „Geil langweilig“, pflege ich so etwas zu bezeichnen.

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