halloween night (jag mundhra, usa 1988)

Veröffentlicht: Juni 15, 2016 in Film
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kp6765pkDas nebenstehende geile Covermotiv, veredelt durch den silbernen Prägedruck des Titelschriftzugs, veranlasste einen Freund und mich vor ca. 25 Jahren dazu, diesen Film in einer Krefelder Videothek auszuleihen. Wir hatten keine Ahnung, aber viel Zeit und eben Bock auf einen Horrorfilm. Nach dem Einlegen des Tapes dauerte es aber nicht lang, bis sich Ernüchterung bzw. großes Gelächter einstellte: HALLOWEEN NIGHT ist nicht nur gnadenlos billig und schundig, er verfügt auch über zahlreiche Zeitgeist-Elemente, die schon kurz nach Erscheinen des Films gnadenlos überkommen waren. Und natürlich ist er, wie es sich für einen solchen Hobel gehört – einen Slasherfilm der vierten Generation -, strunzlangweilig.

HALLOWEEN NIGHT beginnt mit einer Rückblende: Der kleine Tommy bekommt von seinem etwas seltsamen Opa (Hy Pyke) einen Kürbis fürs bevorstehende Halloween geschenkt. Seine Mama ist davon ganz und gar nicht begeistert, möchte die gute Beziehung zwischen ihrem Sohn und dem unerwünschten Großvater unterbinden. Das sieht auch ihr Ehemann so, der den Opa zur Rede stellen will, ihn aber bei einer seiner satanistischen Zeremonien überrascht und umgebracht wird. Jahre später ist Tommy (Gregory Scott Cummins) mittlerweile zum hünenhaften Grübler herangewachsen, der voll unter dem Einfluss des Satansopas steht, der anscheinend einen Plan mit seinem Enkel hat. Während sich alle in der Kleinstadt für eine Halloween-Party vorbereiten, geht ein Killer in Teufelsmaske um …

Was sich nach einem 08/15-Slasher mit Okkultismus-Schlagseite und Potenzial für mildes Entertainment anhört, verkommt und Mundhras uninspirierter Regie leider zu einem unentschlossen mäandernden Schnarchfest, dass immerhin mit der ein oder anderen Idiotie punkten kann. Die beste Szene gibt es schon nach ca. 20 Minuten, als Tommy einen Albtraum hat, in dem er Gitarrist einer grauenvollen Hardrock-Kapelle ist, die während ihrer Darbietung des Songs „Devil’s Son“ von einer schwarzen Tänzerin mit rot glühenden Laseraugen weggezappt wird. Auch später, im Verlauf der traurigen Halloween-Party, sind die Musik, bzw. die toupierten Poser, die sie zum Besten geben, und die Deppen, die sich zu ihr bewegen („tanzen“ wäre zu viel gesagt), für einen Lacher gut. Ich bin ja wirklich ein Fan des übel beleumundeten Eighties-Hardrocks, aber der generische Schwanzrock, den es in HALLOWEEN NIGHT zu hören gibt, rollt einem sämtliche Zehennägel hoch. Was gibt’s sonst noch? Jede Menge dusseliger Fake Scares, die aber niemals scary sind (einmal kommt eine bemitleidenswert unecht aussehende Gummispinne zum Einsatz), zwei kurze Splatterszenen, Sex auf einem Grab, ein DEAD END DRIVE-IN-Plakat, dämliche Charaktere, eine umständliche Handlung, die nirgendwo hin führt, einen plattgesessenen Spannungsbogen und ein mäßig überraschendes Ende. Selbst der Killer sieht beknackt aus.

Als Horrorfilm funktioniert HALLOWEEN NIGHT also kein Stück, auch wenn ich definitiv die Empfehlung aussprechen wprde, sich das Teil besser nicht allein anzuschauen. Im Verbund mit mehreren Leidensgenossen und eher als Zeitzeugnis betrachtet, könnte sich seine ultraschäbige Tristesse aber vielleicht sogar als bewusstseinserweiternd erweisen. Man spricht ja gemeinhin von der „Magie“ des Kinos, die selbst banale Vorgänger zu etwas Größerem macht. Insofern ist HALLOWEEN NIGHT wirklich ein schwarzmagischer Film, denn alles, was er versucht, sieht scheiße und traurig aus.

Kommentare
  1. Schlombie sagt:

    …und wir streiten uns auf Facebook über den Begriff Trash, der Begriff Müll wäre zu herablassend… aber scheiße und ultraschäbig klingt ja um so vieles besser… nun ja… ich will hier keine erneute Diskussion entfachen (wiederholen), die letzte hat Dich dazu veranlasst die Facebook-Freundschaft zu deaktivieren, aber mal kurz drauf rumreiten wollte ich an dieser Stelle dann doch. Bleibst trotzdem einer meiner Lieblingsautoren.🙂

  2. Oliver sagt:

    Die Freundschaft habe ich nicht wegen irgendwelcher Filmdifferenzen, sondern wegen deiner absurden Aussagen zum Thema „Political Correctness“ und „Zensur“ aufgelöst. So einen Käse brauche ich einfach nicht in meiner Timeline. Und worum es in der Diskussion zu den vermeintlichen Kategoriebegriffen „B-Movie“ und „Trash“ ging, scheinst du leider auch nicht verstanden zu haben. Man kann Filme selbstredend scheiße finden und das dann auch sagen, so wie ich das eben hier oder auch schon bei Multimillionendollar-Filmen getan habe. Mit dem Attribut „schäbig“ habe ich auch schon Filme belegt, die ich super finde, weil das einfach den Look beschreiben soll. Filme aber von vornherein aufgrund ihres Genres oder ihres Covermotivs mit einem herablassenden Stempel zu versehen und sie dann in eine Schublade zu packen, ist was völlig anderes. HALLOWEEN NIGHT ist ein superbilliger DTV-Horrorfilm. Das wäre für mich aber kein Grund gewesen, ihn zum avantgardistischen Masterpiece zu erklären, wenn er das denn gewesen wäre. Für dich ist so ein Film eben immer nur „Trash“, weil er nicht von Scorsese ist und Al Pacino sich zu fein war, darin mitzuspielen.

    • Schlombie sagt:

      Von solchen Trash-Fans habe ich mich immer distanziert, da wirfst Du Nutzer dieses Wortes in einen Topf. Das ist die Trennung die Du leider nicht verstanden hast. Ist aber auch okay und nicht wirklich wichtig, wie gesagt, ich wollte eher verspielt nochmal rumstochern anstatt eine erneute Diskussion loszulösen. Das mit der Freundschaftskündigung kann ich in dem von Dir genannten Zusammenhang schon verstehen. Vielleicht ist es Dir ein kleiner Trost dass es von Dir und dem anderen Beteiligten der Diskussion ein toller Denkansatz für mich war diesen Begriff mittlerweile selbst kritisch zu sehen, von daher hat der Austausch zu den beiden Themen (+ Zensur) zumindest mir etwas gebracht. Dass Dir solche aus Deinem Blickwinkel überholten Gespräche nichts bringen, da Du diesbezüglich in Deiner geistigen/sozialen Entwicklung weiter vorangeschritten bist, verstehe ich voll und ganz. Ich kenne das aus anderen Themenbereichen, wo es mich auch nervt Leuten „Nachhilfe“ in etwas zu geben, was für einen selbst längst nicht mehr Thema ist. So, ich denke der Rahmen zur eigentlichen Filmbesprechung wurde jetzt aber nun genug gesprengt. Ich denke es ist von beiden Seiten alles gesagt. Außer vielleicht noch ein kleines Danke für die Denkansätze.🙂

  3. Oliver sagt:

    Schön, dass du es sportlich siehst. Böses Blut gibt es nicht. Und ist ja auch nicht so, dass wir vor unserem Disput regelmäßig zusammen in die Sauna gegangen wären.🙂

    Mein letzter Satz oben war auch nicht wirklich als Angriff gemeint, sondern eher eine rhetorische Finte, eine kleine Polemik. Es ging mir halt darum, zu sagen, dass erst einmal alle Filme die gleiche Chance verdient haben, bevor man ihnen ein Etikett anhängt, dass ihnen nicht gerecht wird und noch dazu die eigene Perspektive einengt. Viele Leute handhaben das so: Da ist ein Film dann „Trash“, bloß weil ein Monster drin vorkommt, ganz egal, was er sonst so bietet.

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