night of the lepus (william f. claxton, usa 1972)

Veröffentlicht: Juni 27, 2016 in Film
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night_of_the_lepusNIGHT OF THE LEPUS wird gern herangezogen, wenn es um die absurden Auswüchse des Horrorfilms im Allgemeinen und die des Tierhorrors im Speziellen geht. Ein Film über mörderische Kaninchen – geht’s noch bescheuerter? Tatsächlich ist NIGHT OF THE LEPUS aber gar nicht bescheuert, sondern sehr effektiv, und die Idee, die putzigen, langohrigen Nager durch Mutation zu riesenhaften, blutgierigen Bestien zu machen, ziemlich clever. Die Natur fragt einen ja nicht, was man gruselig findet, bevor sie einem in den Arsch beißt, und auch ein Kuscheltierchen kann zur tödlichen Bedrohung werden, sofern es die nötigen Zähne hat. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass das der wahre Horror ist: Ein Krokodil ist schon in normaler Größe ausreichend gefährlich, ein Riesenkroko bedeutet lediglich eine quantitative Veränderung. Das Killerkaninchen ist da schon eine andere Hausnummer. Das, was wir normalerweise als niedlich-harmloses Schmusetierchen betrachten, wird plötzlich zum Monster, das uns nach dem Leben trachtet. Leider gibt es nicht allzu viele Filme, die sich dieser Idee annehmen, und wenn doch, dann handelt es sich meist um solche ironisierenden Funsplatter-Dinger wie BLACK SHEEP, die das verstörende Potenzial, das ihnen innewohnt, zugunsten blöder Scherze vergeuden.

NIGHT OF THE LEPUS hingegen ist todernst gemeint: Im Vorspann gibt es dokumentarische Bilder realer Kaninchenplagen, die der Ausgangspunkt von Claytons Film sind. Farmer Cole Hillman (Rory Calhoun) hat mit einer explosionsartig anwachsenden Kaninchenpopulation zu kämpfen, die nicht nur seine Ernte und den Futterbestand seiner Nutztiere bedroht, sondern auch fiese Löcher buddelt, in denen sich seine Pferde die Beine brechen. Das Forscherehepaar Roy (Stuart Whitman) und Gerry Bennett (Janet Leigh) wird zur Hilfe geholt, um eine schonende Lösung des Problems zu finden. Mit Injektionen wollen sie die Fortpflanzung der Tiere unterbinden, doch eines der behandelten Tiere gelangt ungeplant in die freie Wildbahn, wo es in kurzer Zeit ein Anwachsen der Tiere auf Schäferhundgröße verursacht. Plötzlich sind die possierlichen Nager eine tödliche Gefahr für die in der Gegen lebenden Menschen …

Ein später Nachfahre des Monsterfilms der Fünfzigerjahre, dürfte NIGHT OF THE LEPUS auch ein recht frühes Beispiel für die in den Siebzigern aufkommenden Öko-Horrorfilme sein. Claxton lässt sich recht viel Zeit, über die Ursachen und Gefahren von Tierplagen aufzuklären und legt im Anschluss einigen Wert darauf zu zeigen, wie solche Probleme auf verantwortungsbewusste, nachhaltige Art und Weise gelöst werden könnten. Wenn die Riesenrammler dann zum Einsatz kommen – mittels einfacher, aber mitunter effektiver visueller Effekte oder aber durch Modellbauten relativ „vergrößert“ -, ist das nicht zuletzt dank der schaurigen Tonspur tatsächlich unheimlich (vor allem die Idee, die Kaninchen hörbar menschlich atmen zu lassen, verfehlt ihre Wirkung nicht). Leider trägt der Effekt allein aber nicht über die gesamte Laufzeit. Die Kaninchen sind zu früh zu sehen, die unzähligen Szenen von in Zeitlupe an Modellautos vorbei auf die Kamera zuhüpfender, blutverschmierter Tiere nutzen sich schnell ab, eine weitere Zuspitzung der Situation gibt es nicht. Was anfänglich noch einnimmt, verliert irgendwann seinen Reiz und wenn der Film dann endlich zu Ende ist, atmet man erleichtert auf.

Erschwerend hinzu kommt, dass NIGHT OF THE LEPUS, wie die Katastrophenfilme jener Tage, in vielen Aspekten enorm hölzern und überkommen wirkt. Besonders eklatant zum Vorschein tritt das in der Besetzung der beiden Protagonisten. Whitman und Leigh waren damals beide Mitte 40, sehen aber bereits deutlich älter aus, vor allem im Verhältnis zu ihrer zu jungen Tochter. Und Janet Leigh, komplett mit silberner Betonfrisur und unpraktischen Hosenanzügen in Signalfarben, hat dann auch noch eine dieser grausam undankbaren Ehefrauenrollen abbekommen: Sie darf sich ständig Erklärungen ihres Gatten über Dinge anhören, die sie eigentlich selbst wissen muss, und ist für ihn kaum mehr als ein Hiwi, der Telefonanrufe und Botengänge erledigen darf. Man nimmt ihr vieles ab, aber nicht die anpackende Naturwissenschaftlerin, die mit ihrem Mann in der Wüste campiert, um das Liebesleben der Fledermäuse zu erforschen. Wie die Katastrophe überhaupt losgetreten wird, weist die beiden Forscher außerdem als grotesk verantwortungslos und inkompetent aus: Das behandelte Kaninchen wird freigelassen, weil sie ihre Tochter mit ins Labor nehmen und diese dort unbemerkt die Häschen austauschen kann. Der Film behandelt das als schicksalhafte Panne, die halt mal passieren kann: Hinterher fragt dann auch keiner mehr danach, wo eigentlich genau die Ursache lag. Gut für die Bennetts, die in der echten Welt danach wohl nur noch im Streichelzoo hätten arbeiten dürfen …

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