sisters (jason moore, usa 2015)

Veröffentlicht: Juli 6, 2016 in Film
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sistersMein lieber Kollege Michael Kienzl schrieb in seinem Text, dass es in SISTERS um den Rollentausch von „Schlampe und Mauerblümchen“ gehe, und attestierte Moore, wahrscheinlich „eine der besten Komödien des Jahres“ gedreht zu haben. Nach der Sichtung kann ich mich beiden Aussagen leider nur bedingt anschließen, auch wenn mir der von den SNL-Stars und Hauptdarstellerinnen Tina Fey und Amy Poehler produzierte Film durchaus gefallen hat. Das Konzept schien mir etwa weniger klar auf den Kontrast der beiden Schwestern hin ausgerichtet, als Michael das gesehen hat. Doch selbst wenn ich dem Film das eigentlich sogar eher positiv anrechnen würde, hat mir  trotzdem etwas gefehlt. Was, das verrate ich am Ende dieses Eintrags.

Die titelgebenden Schwestern sind Kate (Tina Fey) und Maura Ellis (Amy Poehler): Erstere, eine alleinerziehende Mutter einer jugendlichen Tochter, hat zum xten Mal einen Job als Stylistin und dann auch noch ihre Wohnung verloren, was symptomatisch für ihren nur wenig erwachsenen Lebensstil ist. Maura hingegen ist geschieden, ohne echte Ambitionen, daran etwas zu ändern, und eher brav und bieder. Beide begegnen sich in Florida wieder, wo ihre Eltern (Dianne Wiest & James Brolin) soeben das von ihnen so geliebte Haus verkauft haben. Sie trotzen Papa und Mama eine letzte Nacht in ihrem alten Kinderzimmer ab und treffen klammheimlich die Vorbereitungen für eine Neuauflage ihrer einst legendären „Ellis Island Partys“. Die Feier mit den durch Drogen- und Alkoholverabreichung entfesselten ehemaligen Schulfreunden entwickelt sich zu einer haarsträubenden Zerstörungsorgie, an deren Ende für Kate und Maura die genreüblichen Selbsterkenntnisse und Veränderungen anstehen …

Wirklich toll an SISTERS ist die Konzentration auf die große Party, die rund die Hälfte der Laufzeit einnimmt. Die mittlerweile sehr gesetzten Schulfkameraden brauchen zunächst eine Weile, um die Fesseln der Arriviertheit abzulegen, doch dann beginnt nach und nach alles zu eskalieren. Moore schaut mal hierhin und dorthin, gibt den wichtigsten Nebenfiguren – darunter etwa John Leguizamo als schmieriger Sex Maniac, Bobby Moynihan als grausam unwitziger Klassenclown, die wieder einmal großartige Maya Rudolph als eifersüchtige Unerwünschte oder Wrestler John Cena als schweigsamer Drogendealer – Gelegenheit, eigene komödiantische Glanzlichter zu setzen, und hält sich dezent im Hintergrund, während die Situation langsam, aber sicher aus dem Ruder läuft. Die beiden SNL-Kolleginnen halten das ganze zusammen, verbinden gewissermaßen die einzelnen Gags, die natürlich immer wieder unter die Gürtellinie zielen oder aber die Unreife der Fortysomethings aufs Korn nehmen. Wie das in diesen Komödien meistens so ist, sitzen längst nicht alle Gags, auch wenn die Trefferquote zufriedenstellend ausfällt. Und wenn man die dramaturgische Formelhaftigkeit – am Ende sehen alle ihre Fehler ein, auf dass sie zu besseren Menschen und endlich erwachsen werden dürfen – auch beklagen mag, so punktet SISTERS doch mit der schieren Verve, die die einmal entfesselten Erwachsenen im Laufe der Feier entwickeln. Man spürt förmlich die Befreiung, die Macht des Regresses, die sich da Bahn bricht, und die Last des beengenden Alltags, der da wenigstens für ein paar Stunden abgeworfen wird. Das größte Problem waren für mich tatsächlich die beiden Hauptdarstellerinnen: Beide machen ihre Sache gut, aber für mich funktionieren sie besser in Nebenrollen oder aber im Rahmen einer fluffigen Comedyserie wie 30 ROCK. Sie tragen den Film nicht so, wie sie es eigentlich müssten und in ihren Rollen wirken siein etwa genauso verkleidet wie Kate und Maura, wenn sie sich für ihre Party in Klamotten zwängen, für die sie mindestens 20 Jahre zu alt sind.

 

 

 

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