blue jeans (mario imperoli, italien 1975)

Veröffentlicht: Juli 9, 2016 in Film
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s-l1000Mario Imperolis zweiter Film mit Gloria Guida – er hatte sie bereits bei ihrem Spielfilmdebüt LA RAGAZZINA dirigiert – ist ein seltsames Teil. Zunächst deutet alles auf eine typische Sexkomödie hin: Die jugendliche Herumtreiberin und Gelegenheitsprostituierte Daniela Anselmi (Gloria Guida), genannt „Blue Jeans“, wird von der Polizei mit einem Freier aufgegriffen. Weil sie noch minderjährig ist, kommt die Frage nach ihren Eltern auf, doch Daniela behauptet, dass ihre Mutter tot sei und sie ihren Vater nie getroffen habe. Letzterer wird von den Staatsbeamten relativ schnell ausfindig gemacht: Es handelt sich um Dr. Carlo Anselmi (Paolo Carlini), einen Kunstrestaurator, der gerade mitten in der Scheidung von seiner zweiten Ehefrau steckt und mit seiner neuen Partnerin, der eifersüchtigen Marisa (Annie Carol Edel), zusammen auf einem zu restaurienden Schloss lebt. Dass er Vater sein soll, kann er kaum glauben, erklärt sich dann aber doch bereit, das freche blonde Früchtchen Daniela in seine Obhut zu nehmen, mit den zu erwartenden Folgen.

Diese Prämisse ist nicht neu, die Witzchen, die sich üblicherweise aufdrängen, bleiben aber aus. Klar, es geht um den Konflikt zwischen dem etwas spießigen und vor allem ungeübten Vater, dem die Freizügigkeit seines Backfischs peinlich ist und der sie daher erfolglos „bändigen“ will. Außerdem sieht er sich recht bald der Eifersucht seiner Geliebten ausgesetzt, der die neue Tochter, die langsam, aber sicher das Herz des frischgebackenen Papas gewinnt, ein Dorn im Auge ist. Aber richtig komisch ist das alles nicht, und der völlige Verzicht auf den überdrehten Humor, den man mit einem solchen Stoff vielleicht assoziiert, macht die eh schon auf einem schmalen Grat wandelnde Inzestgeschichte erst so richtig ungemütlich. Das ist aber noch nicht alles, denn im letzten Drittel vollzieht BLUE JEANS eine 180-Grad-Wendung und verwandelt sich in einen Thriller bzw. Quasi-Noir. Da taucht nämlich ein alter Bekannter Danielas auf, der Zuhälter Sergio (Gianluigi Chirizzi), der gern das Vermögen des Papas einstreichen würde. So wird am Ende sogar noch gestorben – nicht allerdings, ohne dass sich die verhaltene Liebesgeschichte zwischen Papa und Tochter zur handfesten Romanze mit zartem Petting vor dem gemütlich prasselnden Kaminfeuer ausweitet …

Wie gesagt, das ist alles irgendwie hochgradig seltsam, und heute kaum noch nachvollziehbar. Fand man das damals in Italien wirklich witzig? Dass die Commedia sexy all’italiana sich nicht zwingend in Derbheit übte, habe ich ja schon in meinem Text zu LA MINORENNE geschrieben, aber Imperoli hat mit BLUE JEANS gewiss auch keine böse Gesellschaftskritik im Sinn gehabt. Sein Film sitzt zwischen allen Stühlen und will nicht wirklich funktionieren, auch wenn er gewiss kein echter Reinfall ist. Er lohnt sich vor allem deshalb, weil er moralisch ganz weit draußen ist, dabei aber aussieht und sich anfühlt wie ein Unterhaltungsfilm für die ganze Familie. Das so hinzubekommen, ist auch eine Kunst.

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