la ragazzina (mario imperoli, italien 1974)

Veröffentlicht: Juli 10, 2016 in Film
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ragazzina_1974Siehe da: Nach dem „Genuss“ von LA RAGAZZINA – in Deutschland 1987, also satte 13 Jahre nach seinem Erscheinen, unter dem Titel KESSE TEENS – DIE ERSTE LIEBE als TV-Premiere auf RTL erstausgestrahlt – erscheint der verwirrende BLUE JEANS nicht mehr ganz so verwirrend. Bei jenem handelt es sich nämlich gewissermaßen um das „Sequel“: nicht im Sinne einer echten Fortsetzung, aber einer Aufwärmung des Erfolgsrezeptes von LA RAGAZZINA, dem ebenfalls von Imperoli inszenierten Spielfilmdebüt des blonden Backfischs Gloria Guida, die die ganzen Siebzigerjahre hindurch Herzen und Hosen von männlichen Heranwachsenden zum Anschwillen brachte.

In LA RAGAZZINA spielt sie Monica, eine Sechzehnjährige, die auf den „Richtigen“ wartet, um sich entjunfern zu lassen. An Bewerbern mangelt es natürlich nicht: Ganz vorne steht Leo (GIanluigi Chirizzi), ein gutaussehender Mitschüler, der sich ein Zubrot als Amateurzuhälter verdient, Monica aber etwas zu forsch an die Sache herangeht. Besser gefällt ihr da schon ihr Lehrer Bruno (Andrés Resino), ein attraktiver Freigeist und Lebenskünstler, der eine Affäre mit der frustrierten Sandra (Collette Descombes) unterhält. Deren Gatte ist der skrupellose Anwalt Massimo Moroni (Paolo Carlini), ein Freund von Monicas Eltern, der sich wiederum an das blonde Mädchen heranschmeißt, aber bei ihr nur auf wenig Gegenliebe stößt …

Mit Guida, Carlini und Chirizzi kehrten die wichtigsten Darsteller aus LA RAGAZZINA nur ein Jahr später in Imperolis BLUE JEANS wieder, in ganz ähnlichen Rollen zudem. Wieder sollte die Guida dem in LA RAGAZZINA nicht ganz so armen Carlini den Kopf verdrehen, Chirizzi den jugendlichen Zuhälter geben, der es ebenfalls auf die junge Schönheit abgesehen hat. In beiden Filmen beißt Carlini am Ende ins Gras, beide sehen vordergründig wie Komödie aus, fühlen sich aber irgendwie nicht so an. Auch LA RAGAZZINA zeigt seine Protagonistin als wehrlosen Spielball vor allem männlicher Kräfte. Der bittere Höhepunkt des Films ist sicherlich das Gespräch, das der feine Weltversteher Bruno mit seiner Geliebten Sandra führt, nachdem er eben seine Schülerin entjungfert hat. Die ist noch hin und weg von dem magischen Erlebnis, da muss sie mitanhören, wie sie von dem Traumtypen als unerfahrenes Kind diffamiert wird. Auch Moroni geiert ihr nach wie einer Trophäe oder einem profitablen Deal, versucht sie, mit Geld gefügig zu machen und sperrt sie zum Schluss in einem kleinen Ferienbungalow weg wie einen seltenen Singvogel im goldenen Käfig. Auch in LA RAGAZZINA gibt es eigentlich nichts zu lachen, stattdessen wundert man sich als Zuschauer, der mit Gloria Guida vor allem die albernen FLOTTE TEENS-Zoten verbindet, immer mehr, was die Italiener unter dem Label der Teenie- und Sexkomödie für hoffnungslos trostlose Dramen veröffentlichten.

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