quella età maliziosa (silvio amadio, italien 1975)

Veröffentlicht: Juli 10, 2016 in Film
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e9hxsmmkolgfxigay3in1hmm3l0Deutschland, deine Titelschmiede: QUELLA ETÀ MALIZIOSA (etwa: „Dieses bösartige Alter“) erschien hierzulande erst 1981, also sechs Jahre nach seiner italienischen Kinoauswertung, und wurde sogleich dem noch immer nicht abgekühlten FLOTTE TEENS-Zyklus eingemeindet, der schon kaum noch zu überblicken war und mit seinem ursprünglichen Ausgangspunkt LA LICEALE rein gar nichts mehr zu tun hatte. So wurde Amadios Film dann flugs FLOTTE TEENS UND HEISSE TYPEN oder auch WENN BEI TEENS DIE HÜLLEN FALLEN getauft, auf Video gar als DIE SÜNDIGEN TÖCHTER VON IBIZA vermarktet. Vor allem letzterer Einfall ist ein echtes Husarenstück, denn der Film spielt zum einen auf Elba, zum anderen kommt nur eine einzelne sündige Tochter darin vor.

QUELLA ETÀ MALIZIOSA verstärkt die bei meinen Ausflügen ins Oeuvre des blonden Sexsternchens Gloria Guida gewonnene Erkenntnis, dass die Commedia sexy all’Italiana ein bisweilen tückisches Genre ist. Auch dieser Beitrag ist alles andere als komisch, hat viel mehr mit dem amerikanischen Noir gemein als mit dullen Tittenwitzchen, die von Scherzbolden wie Gianfranco D’Angelo, Alvaro Vitali, Lino Banfi oder Mario Carotenuto grimassierend kommentiert werden. Schon die Auftaktsequenz, in der Protagonist Napoleone (Nino Castelnuovo) – Elba + Napoleon, get it? – schweigend, aber zunehmend genervt eine minutenlange Schimpftirade von einer hinter der subjektiven Kamera verborgen bleibenden Mutter über sich ergehen lassen muss, bevor er (letztlich aber folgenlos) sogar zur Schusswaffe greift, erstickt jede Hoffnung auf harmloses Amüsement im Keim. Danach verschlägt es den seinen Lebensumständen verständlicherweise Entfliehenden nach Elba, wo er im Auftrag einer wohlhabenden Familie als Gärtner arbeiten soll. Die Mutter (Anita Sanders), eine unterkühlte Rothaarige, scheint irgendetwas zu verbergen, der Vater (Andrea Aureli), angeblich unter einer schweren Krankheit leidend, bleibt lange unsichtbar, und die Tochter Paola (Gloria Guida) fängt schon im Bus an, sich heftig an dem neuen Bediensteten zu reiben. Es entspinnt sich eine Affäre zwischen Napoleone und der ihre jugendlichen Reize provokant einsetzenden Jugendlichen, doch statt Liebesglück und Happy End setzt es Mord und Totschlag …

Wieder einmal ein komischer Film: Für einen Quasi-Noir verwendet Amadio zu viel Zeit auf das amouröse Hin und Her zwischen den Protagonisten und die Geheimniskrämerei der Familie, deren Zweck sich nicht so recht erschließen mag. Man erwartet am Ende, dass das alles ein großes Komplott war, dass man Napoleone gar nicht als Gärtner, sondern als willfährigen Mordgehilfen engagiert hat, aber dem ist nicht so. Das böse Finale ist eigentlich dem Zufall geschuldet und warum dem armen Napo so böse mitgespielt wird, erschließt sich aus dramaturgischer Sicht nicht wirklich. Was soll man aus QUELLA ETÀ MALIZIOSA mitnehmen? Dass man sich besser nicht mit den frechen, minderjährigen Töchtern seiner Arbeitgeber einlässt? Dass man auf seine Mama hören und was Ordentliches lernen soll? Dass Elba mit seiner urwüchsigen Vegetation und den schroffen Felsen immer eine Reise wert ist? Oder dass Fischer sich auf der Mittelmeerinsel mit ekstatischen Veitstänzen als geeigneter Sexualpartner anbieten? Es bleibt das Geheimnis von Silvio Amadio und – wieder einmal – Piero Regnoli, die das Drehbuch gemeinsam verfassten und viele interessante Ideen einbrachten, die am Ende etwas unverbunden nebeneinanderstehen. Trotz vieler offen bleibender Fragen ist QUELLA ETÀ MALIZIOSA aber durchweg unterhaltsam, wenn auch nicht unbedingt spannend. Vielleicht ist es sogar eine ausgesprochene Stärke, dass die Dinge hier so unvermittelt passieren, ohne in passende Schubladen eingeordnet werden zu können. Ich bin mir noch nicht so sicher, aber durchaus fasziniert.

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