yotzim kavua (boaz davidson, israel 1979)

Veröffentlicht: Juli 24, 2016 in Film
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10312Zum zweiten Teil der EIS AM STIEL-Reihe habe ich einen Schwank aus meiner Jugend parat: Als er im Fernsehen ausgestrahlt wurde, war ich mit meinen Eltern zu einer Feier bei einem Arbeitskollegen meines Vaters eingeladen. Blöderweise hatte ich vergessen, den heimischen Videorekorder zu programmieren, also fragte ich den Gastgeber, ober er etwas für mich aufnehmen könne. „Hahaha, wohl EIS AM STIEL, was?!“, lachte er nur, sofort wissend, was einen 14-Jährigen am Fernsehprogramm interessieren musste, Mir war das ein bisschen peinlich, aber ich habe den Film dann direkt dort gucken dürfen, wenn ich mich recht entsinne.

Mit der Auffrischung des Sequels erklärt sich auch meine Überraschung angesichts des dorch recht unerquicklichen Tonfalls des Vorgängers. Mit FESTE FREUNDIN vollzieht Davidson den Schritt hin zu den eher harmlosen Teeniekomödien, die ich aus der Erinnerung heraus mit der Reihe assoziierte. Dramaturgisch ist alles viel runder, geformter, weniger episodisch, die Charaktere sind hinsichtlich ihrer Funktion zurechtgeschliffen, alles ist vorhersehbarer, aber auch etwas konsumierbarer als noch zuvor. Benny (Yftach Katzur) rückt noch mehr ins Zentrum, Johnny (Zachi Noy) wird endgültig zum tragischen Clown und Momo (Jonathan Segal) ist nun ein gänzlich unentschuldbares Arschloch, sodass es einen wundert, wie man ihn noch sechs weitere Teile dabei behalten konnte. Nachdem es in ESKIMO LIMON noch um den ersten Sex ging, steht nun nichts weniger als die große Liebe im Mittelpunkt, die Benny erwischt, als er eines Tages die schöne Tammy (Yvonne Michaels) trifft.

Seine Bemühungen, sie zu eine Date zu überreden, sind tatsächlich sehr süß und charmant, aber natürlich gibt es bald die ersten Probleme. Es ist schon erstaunlich, wie fix die Jungs hier mit Ohrfeigen um sich schmeißen, überhaupt muss man jederzeit damit rechnen, dass der Chauvi aus ihnen herausbricht. Unangenehmer Höhepunkt des Films ist die Episode, in der Bobby seine Kumpels bei seiner Eroberung einschleust und das nichts Böses ahnende Mädchen mitten in einer Numme „übergibt“. Das ist schon eine ziemlich abgefuckte und niederträchtige Idee, zumal die drei die Entrüstung des Mädchens nur so halb verstehen, wenn überhaupt. Aber solche Misstöne – die den ersten Teil noch prägten – sind hier eher rar und nach 85 Minuten gibt es dann so ein richtig herzerwärmendes Happy End. Kein Vergleich zur deprimierenden Frustration von ESKIMO LIMONs Schlussakkord. Emotionaler Höhepunkt ist für mich aber Johnnys Zusammenbruch, als er erfährt, dass sein bester Freund es mit seiner Martha getrieben hat: Wer Zachi Noy immer für einen fetten Witzbold ohne Talent gehalten hat, wird von seiner Darbietung eines besseren belehrt. Ein schöner Film, nicht so eigenständig wie das Original, aber dafür deutlich herzlicher.

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